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Midlake haben ihre Chance zum Neuanfang genutzt

Debüt oder viertes Album? Egal wie man es betrachtet: Midlake haben sich mit ‚Antiphon’ im positivsten Sinne neu erfunden. Wir verlosen Tickets für ihre Deutschland-Tour.

Das „schwierige” dritte Album, es entscheidet oft genug über Gedeih oder Verderb einer vielversprechenden Band. Während das Debüt weitgehend unbeachtet bleiben darf, basieren die meisten Bandkarrieren auf dem wegweisenden zweiten Album. Spätestens beim dritten Langspieler ist man dann als Künstler eingeführt—mit den entsprechenden Erwartung und Projektionen seitens Medien und Fans. Man darf ruhigen Gewissens sagen: auf dem dritten Album lastet der größte Druck.

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The Courage Of Others war der Titel von Midlakes drittem Studioalbum, und auf diese Platte folgte wenig später auch der Bruch. Fanden Fans und Musikjournalisten für das 2006 erschienene Album The Trials Of Van Occupanther noch ausnahmslos positive Worte—der Hit „Roscoe” war drauf, Folk und Classic-Rock wurde von der texanischen Band quasi neuerfunden und Dank Tim Smiths Balsam-Stimme wähnte man sich im Indie-Himmel—, wurde The Courage Of Others vier Jahre später schon deutlich kritischer aufgenommen. Gut, genau dies ist schließlich Aufgabe der Kritik.

„Smith klingt desinteressiert”, mäkelte Paul Thompson auf Pitchfork. „Das Album hat nichts von der Sanftmut und Zugänglichkeit seines Vorgängers”, bemerkte Maddy Costa im Guardian. Und bei Under The Radar hieß es salopp: „Es ist ein offen gestanden ein langweiliges Album.” Natürlich gab es daneben auch durchaus positive Stimmen—aber wenn die Kritik erst einmal in der Welt ist, setzt sie sich fest in den Köpfen. Nicht nur in denen der Hörer, sondern auch in denen der Künstler. Nach dem Release von The Kindness Of Others gingen Midlake auf Tour, vollzogen den ganz normalen Album-Rhythmus—um sich schlussendlich 2011 und 2012 größtenteils in Buffalo, Texas einzuschließen, wo auch schon das The Kindness … aufgezeichnet wurde. Aber mit der Arbeit am Nachfolge-Album wurde es nichts. Im November 2012 entschied sich der frühere Lead-Sänger und Songwriter Tim Smith schließlich, Midlake zu verlassen.

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Für nicht wenige Bands bedeutet so ein Ausstieg das Aus. Im Fall von Midlake versuchte der Rest der Band, Smiths Weggang als Chance zum Neuanfang zu begreifen. Sicherlich: Wer als Band einmal seine Spuren hinterlassen, einen Klang geprägt hat, dessen künstlerische Neuerfindung wird ungleich schwieriger. Für McKenzie Smith, Paul Alexander, Eric Nichelson, Jesse Chandler, Eric Pulido und Joey McClellan bedeutete Smiths Absage an die gemeinsame Band einen Neuanfang: anstatt auf den bisher aufgezeichneten Aufnahmen aufzubauen, entschieden sie sich, ein ganz neues Album zu schreiben. In einer ihnen neuen, eigenen Sprache, nicht nur in Sachen Gesang.

So hörte man auf Antiphon auch weniger Folk, als vielmehr Psychedelic- und Progressive Rock-Elemente. Dazu gehörte Mut: Gewohntes über den Haufen werfen, den Gesang neu prägen—was Eric Pulido auch wunderbar gelingt: als habe er die ganzen Jahre nichts anderes getan, als zu singen—und sich neu auszuprobieren—im Studio und auf der Bühne. Antiphon ist so nicht nur das routinierte vierte Midlake-Album, sondern vor allem das Debütalbum in dieser Konstellation. Und wenn ein Debüt so gut wie dieses ist, wagt man gar nicht zu träumen, wie erst ihr schwieriges drittes Album klingen wird.

Midlake sind Anfang März mit Israel Nash als Support) live in Deutschland zu sehen. Noisey verlost Tickets unter allen Einsendern einer

Midlake auf Tour:

05.03. Köln - Gloria

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09.03. München - Freiheiz

10.03. Berlin - Heimathafen Neukölln

12.03. Hamburg - Uebel & Gefährlich

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