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Hat Kanye West jemals ein gutes Musikvideo gemacht? Eine Untersuchung

In den letzten 13 Jahren hat er jede ästhetische Ecke des HipHop neu definiert, aber hat Kanye jemals ein wirklich legendäres Musikvideo gemacht?

von Larry Fitzmaurice
07 Juli 2016, 10:49am

Vielleicht hast du von Kanye Wests neustem Musikvideo zu seiner Single „Famous“ von The Life of Pablo gehört. Der Clip ist ungefähr so vermeintlich kontrovers wie der Song selbst und du siehst darin, wie eine Gruppe berühmter Leute schlä…—ach, weißt du was, er ist jetzt seit fast einer Woche draußen und wenn du das hier liest, dann weißt du wahrscheinlich Bescheid. Eine schwach konzeptionierte Idee, deren Ausführung Harmony Korines Trash Humpers gleicht, nur mit weniger Trash und mehr impliziertem „humping“. Das Video versucht wohl irgendwie, Dinge über Berühmtheit, Sex und berühmte Leute, die Sex haben, zu sagen. Außerdem ist es ziemlich schrecklich.

„Ich hasse das Kanye-Video so sehr“, schrieb mir eine enge Freundin am Morgen, nachdem das Video zu „Famous“ erschien. „Nenn mir ein gutes Kanye-Video“, antwortete ich. Sie bot mir das Video an, das Aziz Ansari und Eric Wareheim vor Kurzem für „Famous“ gemacht haben—ein Video, das zwar gut war, bei dem Kanye aber überhaupt nicht direkt kreativ involviert war. Die letzte Woche über habe ich unterschiedliche Freunde und Kollegen gefragt, ob Kanye im Laufe seiner Karriere jemals ein gutes Musikvideo gemacht hat. Die Antworten fielen unterschiedlich aus: „Natürlich, halt die Klappe“, „Ich versuche nicht, Kanye in dieser Art zu hinterfragen“, „Vielleicht ein paar, aber wahrscheinlich nicht“, und so weiter.

Die Frage ist also immer noch aktuell: Hat Kanye jemals ein gutes Musikvideo gemacht? Es ist irgendwie schockierend, dass jemand mit solch einer unbändigen kreativen Kraft es in einer Solo-Karriere, die 13 Jahre andauert und einige der größten Alben beinhaltet, die in diesem Jahrhundert in jeglichen Genres abgeliefert wurden, nicht geschafft hat, ein wirklich legendäres Video zu machen, obwohl er jede andere ästhetische Ecke des HipHop geprägt hat. Jeder hat Kanye-Videos, die er mag, aber es ist wahrscheinlich, dass keine zwei Leute übereinstimmen, welche dies sind. 2016 herrscht beinahe universelle Einigkeit darüber, dass Kanye eine Art Genie ist—was seine Musikvideos angeht, so gab es aber noch nie einen Konsens.

Was nun folgt, ist eine Video-für-Video-Analyse dieser Frage—größtenteils keine Beachtung finden inoffizielle und unveröffentlichte Videos (z.B, der Clip zum Remix von „Drive Slow“ vom Album Late Registration). Oh, und wenn du mit irgendwas hier nicht einverstanden bist, was ohne Zweifel der Fall sein wird, dann lass es mich wissen.

„THROUGH THE WIRE” (2003)

Ziemlich gut! So etwas wie der Anfang der Kanye-Saga—wenn du den Clip zu dieser Zeit auf MTV (lol) gesehen hast, dann hast du dadurch von ihm erfahren und wenn du ihn dir jetzt ansiehst, ist es ein faszinierender Blick zurück auf die Anfänge eines der brillantesten kreativen Köpfe der letzten 30 Jahre. Die letzten paar Sekunden, in denen er von seinem eigenen Aufstieg verblüfft zu sein scheint und ein Poster von Chaka Khan küsst, sind so schön und berührend, dass ich einen Klos im Hals habe, wenn ich nur darüber spreche.
URTEIL: Gutes Video

„SLOW JAMZ” [FT. TWISTA AND JAMIE FOXX] (2004)

Ein ziemliches Standard-Video für einen der witzigsten Songs von Kanye—aber eines, das es zum Status „gut“ gebracht hat, weil es die visuelle Repräsentation der Zeile „Got a lightskinned friend that look like Michael Jackson / Got a darkskinned friend that look like Michael Jackson“ beinhaltet, die bis heute eine der lustigsten Zeilen von Kanye ist.
URTEIL: Gutes Video

„JESUS WALKS (VERSION 2)” (2004)

Im offiziellen, von Chris Milk gedrehten Clip zu „Jesus Walks“ gibt es einiges an wilder und zeitloser Bildsprache—das ganze Video läuft auf die Szene hinaus, in der Leute in KKK-Uniform ein Kreuz verbrennen. Definitiv provokant, so etwas im Amerika der Bush-Ära in einem Musikvideo zu zeigen! Erinnerst du dich an dieses Rolling-Stone-Cover? Legendär! Es ist nicht Kanyes bestes Video und die ästhetische Gelassenheit, die insgesamt herrscht, hebt vielleicht das unordentliche Chaos voller Fehler hervor, das in seinen neueren visuellen Arbeiten herrscht, aber hinterher ist man immer klüger usw.
URTEIL: Ziemlich gutes Video

„ALL FALLS DOWN” (2004)

Tolles Video und ich würde sagen (Stimme eines uralten Mannes), dass es heute keine Videos wie diese mehr gibt. Ein perfektes Konzept, das perfekt ausgeführt würde, sodass es recht einfach zu ignorieren ist, dass die konservative Nervtante Stacey Dash hier im Mittelpunkt der Erzählung steht. Kanye sieht in der Szene, in der er in den Spiegel der Flughafentoilette schaut, wirklich jung aus! Denkst du, dass er darüber nachgedacht hat, Stacey Dash mit in das „Famous“-Video zu nehmen? Vielleicht!
URTEIL: Sehr gutes Video

„THE NEW WORKOUT PLAN (LONG VERSION)” (2004)

Manchmal ist Kanye gut darin, lustig zu sein, manchmal ist er es nicht. Dieses Video fällt beinahe vollständig in letztere Kategorie, auch wenn es ein wenig nostalgisch ist, zwölf Jahre alte Aufnahmen von Leuten wie John Legend und Tracee Ellis Ross zu sehen. Erwähnenswert: Eine Art „Baller Party“-Schrein mit Pappausschnitten von Diddy, Jay-Z, Bill Gates, Damon Dash… und Donald Trump. (In diesem Zusammenhang: Wenn wir es durch das Jahr 2016 schaffen, ohne dass wir Kanyes Meinung über Trump hören müssen, dann war dieses Jahr vielleicht doch nicht totaler Mist).
URTEIL: Schlechtes Video

„DIAMONDS FROM SIERRA LEONE” (2005)

Eines von Kanyes bewusstesten Videos für einen von Kanyes bewusstesten Songs. Dieser Schwarzweiß-Clip beginnt in den Diamant-Minen, auf die sich der Song bezieht, und dehnt sich zu einer kleinen Abhandlung über das Leben eines Diamanten aus—irgendwie. Außerdem fährt Kanye einen Delorean mit offenen Türen. Cool! Das Video ist allerdings ziemlich langweilig, auch wenn es gut gemeint ist.
URTEIL: Schlechtes Video

„GOLD DIGGER” [FT. JAMIE FOXX] (2005)

OK, es gibt mehr Farben als im letzten Clip—aber zusammen mit der allgemeinen Botschaft des Songs kommt der visuelle Pin-up-Ansatz, der sich durch das Video zieht, elf Jahre danach besonders rückschrittlich rüber. Zumindest sehen Kanye und Jamie Foxx aus, als hätten sie Spaß—das reicht aber nicht.
URTEIL: Schlechtes Video

„HEARD ‘EM SAY” [FT. ADAM LEVINE] (2005)

Hier gibt es nicht viel zu sehen—Kanye und Adam Levine in schwarzweiß, unterstützt von einer sehr wortgetreuen animierten Interpretation ausgewählter Textzeilen aus dem trällernden, schönen Opener von Late Registration.
URTEIL: Schlechtes Video—und merkwürdig, dass ein Video zu einem Song von einem von Kanyes überladensten Alben so kraftlos und verhalten rüberkommt…

„TOUCH THE SKY” [FT. LUPE FIASCO] (2006)

Das Video zur Single „Touch the Sky“ von Late Registration macht das sicherlich wieder wett—auch wenn ich nicht weiß, ob auf gute Weise. Das dritte, und bis jetzt letzte, von Chris Milk gedrehte Kanye-Video (die anderen sind „Jesus Walks“ und „All Falls Down“) verlangt von Kanye, dass er schauspielert—und zwar als Stuntman im Stile von Evel Knievel, wobei Pamela Anderson seine bessere Hälfte spielt. Und jeder, der sich an Kanyes Cameo in Anchorman 2 erinnert (oder auch den Auftritt bei SNL 50), weiß, dass Kanye nicht sonderlich gut darin ist, vorzugeben, irgendjemand anderes als Kanye zu sein. Trotzdem ein ganz okayes, belangloses Video, das durch die Tatsache etwas interessanter gemacht wurde, dass der echte Evel Knievel Idiot genug war, Kanye zu verklagen, weil sein Abbild in der „vulgären, sexuellen Natur“ des Videos zu sehen ist. (Sie haben sich letztendlich geeinigt.)
URTEIL: Mittelmäßiges Video

„CAN’T TELL ME NOTHING” (2007)

Was Videos angeht, so ist das hier im Prinzip „Heard ’Em Say Pt. 2“—ein konzeptloser Clip, in dem Kanye einfach in der Wüste mit irgendwelchem Schal-Mist sein Ding macht und der mich an das Video für Madonnas „Frozen“ erinnert. Ein weiterer Fall, in dem ein alternatives Video von Comedians—genauer gesagt Zach Galfinakis und Alt-Folk-Trobadour Bonnie „Prince“ Billy (manchmal macht er lustiges Zeug)—besser ist.
URTEIL: Schlechtes Video

„STRONGER” (2007)

Dieses Video ist verrückt—viel Tron-Zeug (vergiss nicht, Kanye liebt Tron!), Daft-Punk-Cameos, das Aufkommen der berüchtigten Shutter Shades, die wir alle irgendwann mal hatten (auch du)—aber es ist kaum mehr als ein lautes, grelles Durcheinander, genau wie der Song.
URTEIL: Schlechtes Video

„GOOD LIFE” [FT. T-PAIN] (2007)

Großes Ding von Ed Banger Art Director So-Me, dessen farbenfrohen Popart-Animationen in diesem fröhlichen, spaßigen und herausragenden Video zu der gigantischen Graduation-Single überall zu sehen sind. Sehr wahrscheinlich das lockerste und spaßigste Video in Kanyes Karriere, ein Kunstwerk, das auch von einer dogmatischen Lehre, was „Kunst“ ist, nicht geschmälert wird.
URTEIL: Perfektes Video

„FLASHING LIGHTS” [FT. DWELE] (2008)

Dieses Video könnte man als Anfang von Kanyes Ära der hochkonzeptionellen Musikvideos bezeichnen—brutal einfach im wörtlichen Sinne, da ihn eine nur mit Unterwäsche bekleidete Frau im Kofferraum eines Autos zu Tode prügelt, nachdem sie ein anderes Auto in die Luft gejagt hat. Es sieht cool aus, aber es ist ungefähr genauso leer wie der Kofferraum, nachdem die Frau Yes Überreste entsorgt hat.
URTEIL: Schlechtes Video

„HOMECOMING” [FT. CHRIS MARTIN] (2008)

Kanye stellt hier sicher, dass du auch keine Sekunde denkst, er käme nicht aus Chicago. In diesem Liebesbrief an seine Heimatstadt macht Kanye sein Ding zwischen stadtspezifischen Clips—es gibt sogar ein bisschen Feuerwerk, genau wie das, was er über dem Lake Michigan erwähnt. Ein wenig Coldplay ist zwar in Ordnung, aber wenn Chris Martin aufgetaucht wäre, wäre ich geneigt, es als schlechtes Video einzuordnen—er hätte die visuellen Vibes zerstört, keine Frage. Andererseits ist es beinahe unmöglich, etwas zu hassen, das so sehr mit Kanyes persönlichen Erfahrungen verbunden ist.
URTEIL: Anständiges Video

„CHAMPION” (2008)

Dieses Video ist das erste einer Vielzahl von Zusammenarbeiten mit NABIL und es macht wirklich viel Spaß! Wir sprechen über Kanye in Puppenform; die Puppe trägt Shutter Shades und macht bei einem Sprintwettkampf mit. Vielleicht eines der letzten Male, dass du Kanye (zumindest in Puppenform) dabei siehst, wie er puren, ungezügelten Spaß in einem Video hat.
URTEIL: Tolles Video

„LOVE LOCKDOWN” (2008)

Erinnerst du dich daran, als Kanye das bei Ellen performt hat? Scheint es nicht so, als wäre Kanye schon seit Ewigkeiten mit Ellen befreundet? Wie auch immer: Der visuell ambitionierte „Love Lockdown“-Clip hat mich nicht sonderlich mitgerissen, als er erschien, und er sitzt immer noch einfach irgendwie da, genau wie Ye zu Beginn des Videos. Das Video davon, wie Kanye den Song zum ersten Mal bei den VMAs 2008 performt hat, verdient meiner Meinung nach viel mehr deine Aufmerksamkeit.
URTEIL: Schlechtes Video

„HEARTLESS” (2008)

Ich bin ehrlich: Kanye hat während seiner 808s and Heartbreak-Phase ein paar wirklich cool aussehende Videos gemacht und da ist dieser ganz offensichtlich von Ralph Bakshi beeinflusste Clip keine Ausnahme. Eine psychedelische Erfahrung vollgestopft mit Pop-Art- und Pop-Kultur-Referenzen, die in dem Moment veröffentlicht wurde, in dem Kanye selbst untrennbar mit der DNA der Popkultur vereint wurde.
URTEIL: Tolles Video

„WELCOME TO HEARTBREAK” (2009)

Kanyes zweite Kollaboration mit NABIL ist vielleicht seine fruchtbarste. Eine den Bildschirm zum Schmelzen bringende Phantasie, die so nah an die visuellen Erfahrungen kommt, die du machst, wenn du eine sehr wirksame Dosis Pilze nimmst. Es gab eine Art „Wem steht es besser?“-Kontroverse, als Chairlift zur gleichen Zeit das visuell ähnliche „Evident Utensil“-Video veröffentlichten, aber ich bitte dich—glaubst du, ich gebe hier den verdammten Chairlift recht? Ich mag die Band, aber so sehr auch nicht.
URTEIL: Perfektes Video

„AMAZING” (2009)

Ziemlich cool, dass Kanye und Jeezy auf einer Insel Urlaub machen konnten—aber wie sehr magst du es, wenn jemand dir ein paar Fotos aus dem Urlaub zeigt, nach denen du nie gefragt hast? Genau, ich auch.
URTEIL: Schlechtes Video

„PARANOID” [FT. MR. HUDSON] (2009)

Fast so eine starke Kanye-NABIL-Kollaboration wie das „Welcome to Heartbreak“-Video. Dieser Clip zieht all seine stylische, filmische Kraft aus Rihannas wortlosem Star-Auftritt. Sie posiert und gestikuliert in einer eiskalten Manier, die dich von der irgendwie lahmen Sin City-Ästhetik, die über dem Ganzen liegt, komplett ablenkt.
URTEIL: Gutes Video

„TWO WORDS” (2009)

Das ist ein merkwürdiges Ding: Das Video für diesen schonungslosen Track von College Dropout wurde zur gleichen Zeit gedreht, zu der das Album entstand (zumindest wenn man Freeway in diesem Complex-Interview glauben kann), wurde aber erst beinahe fünf Jahre später offiziell veröffentlicht. Stilistisch ist es ziemlich cool—grobkörniges Filmmaterial, das zum Text des Songs passt und Performance-Aufnahmen von allen, die dabei sind—aber es ist letztendlich ziemlich entbehrlich.
URTEIL: Schlechtes Video

„COLDEST WINTER” (2010)

Schreckliches Video. SCHRECKLICH! Das sieht ehrlich gesagt aus wie eine dieser furchtbar aussehenden Sequenzen am Anfang des ersten Teils von Resident Evil—du weißt, wovon ich spreche und wenn nicht, dann versuch bitte nicht, es herauszufinden. Der erste Fehltritt in der Kanye-NABIL-Partnerschaft.
URTEIL: Schlechtes Video

„POWER” (2010)

Wie Kanye einmal sagte: „Es ist kein Video… Es ist ein sich bewegendes Gemälde!“ Wie auch immer—ich verstehe es trotzdem nicht.
URTEIL: Schlechtes sich bewegendes Gemälde

„MONSTER” [FT. NICKI MINAJ, BON IVER, RICK ROSS, AND JAY Z] (2010)

Extrem ironisch, dass ein Song, der so historisch wie „Monster“ ist—ein total aufgeladener Cliquen-Song mit einer Gaststrophe von Nicki Minaj, die sich seither als eine der größten Rap-Strophen der letzten 15 Jahre gefestigt hat—von einem seiner kontroversesten Videos begleitet wird (einem der wenigen, das nicht auf Yes Vevo-Account zu finden ist). Und es ist aus gutem Grund schwer zu finden: Der Clip hat sofort nach der Veröffentlichung zu einem berechtigten Aufschrei geführt, aufgrund der Gewalt gegen Frauen, die er zeigt—tot im Bett, von der Decke hängend, geköpft und so weiter. Er ist beleidigend, lahm und wie alle von Kanyes Musikvideo-Fehltritten der 2010er langweilig und mit schwachem Konzept.
URTEIL: Schlechtes Video

„RUNAWAY” (2010)

Diese Sache… was soll man damit machen? Ich kenne einige Leute—sogar aus der Noisey Redaktion—die denken, dass dieses Video in irgendeiner Form gut ist, ob nun in voller Filmlänge oder in Form dieses Clips zu „Runaway“. Da das hier allerdings meine Untersuchung ist, kann nicht von mir erwartet werden, dass ich für alle antworte, also: Das „Runaway“-Video ist Mist. Akzeptier es! Es ist zu lang, es geht nur um hübsche Kostüme und Posen ohne wirkliche Bedeutung. Es ist langweiliger als Barry Lyndon, ein Film, den ich vor einigen Jahren lediglich 20 Minuten ausgehalten habe—und trotzdem würde ich ihn lieber noch einmal sehen als das „Runaway“-Video.
URTEIL: Sprich bitte nicht mit mir darüber

„ALL OF THE LIGHTS” (2010)

Sieh dir stattdessen einfach lieber den Vorspann von Enter The Void an.
URTEIL: Schlechtes Video

„OTIS” (2011)

Das Video zu diesem Song von Watch the Throne gehört sicherlich zu den besten Videos von Kanye und ist vielleicht auch seine stärkste Zusammenarbeit mit Spike Jonze—eine unbekümmerte Feier von Exzess, die die kitschige Überheblichkeit des Albums perfekt wiedergibt.
URTEIL: Perfektes Video

„NIGGAS IN PARIS” (2012)

Ein Performance-Video von der Watch the Throne-Tour. Macht es jemals Spaß sowas anzusehen? Ich wünschte, ich wäre bei der Watch the Throne-Tour gewesen, aber es ist kein akzeptabler Ersatz.
URTEIL: Schlechtes Video

„NO CHURCH IN THE WILD” (2012)

Im Prinzip „Diamonds From Sierra Leone, Teil 2“—ein relativ bewusstes Video für ein Album, das die Antithese von Bewusstheit als eigenes Bewusstsein umfasst. Verwirrt? Versuch dir anzusehen, wie Demonstranten mit Polizisten in Kampfmontur zusammenstoßen, während Kanye humorlos behauptet: „Du wirst den Dreier nicht kontrollieren.“ Das ist eine widersprüchliche Botschaft!
URTEIL: Wer weiß das schon

„LOST IN THE WORLD” (2012)

Mann, wann war das letzte Mal, dass auch nur jemand dieses Video erwähnt hat? Es ist aber in Ordnung, ein wenig wirklich cooles interpretatives Tanzen und gespiegelte Böden sowie Split-Screen-Bilder von Gebäuden, während Bonny-Bär einheizt—ist aber auch recht leicht zu vergessen.
URTEIL: Ganz gutes Video

„MERCY” [FT. BIG SEAN, PUSHA T, AND 2 CHAINZ] (2012)

Wirklich jeder zeigt sich im Video zu diesem Cruel Summer-Highlight. Im Prinzip sehen Ye, Big Sean, Pusha und The Artist Formerly Known As Tity Boi, verkleidet wie ein paar verdammte Figuren aus The Division, auf einem Parkplatz hart aus. Es wurde allerdings recht ansehnlich gedreht, die Kamera bleibt auf Distanz, um eine Aura des Geheimnisvollen zu erschaffen, während alle einfach ins Bild und wieder raus springen.
URTEIL: Ganz gutes Video

„COLD” (2012)

Einer der besten Cruel Summer-Tracks (und nicht zufällig der einzige Kanye Solo-Track der Compilation) und er hat nicht einmal ein halbes Video—sondern nur ein von Hype Williams gedrehtes Visual von Kanye, der in einem Tunnel rappt, das an das Ende des Clips für „I Wish You Would“ von DJ Khaled, Ye und Rick Ross geklatscht wurde.
URTEIL: Nicht wirklich ein Video

„BLACK SKINHEAD” (2013)

Ich habe ein kompliziertes Verhältnis zu diesem Video. Als Kanye, während er diesen Song zwei Mal bei der 2013er-Ausgabe des NYC Governors Ball Festivals gespielt hat, zum ersten Mal ein wenig von der Bildsprache daraus gezeigt hat, war der Effekt bedrohlich und großartig—aber das Video selbst ist schwach gemacht, voll schlechter CGI und blockartigen Visuals, die weniger an, sagen wir, Arca erinnern und mehr an schlechtes Quake 2-Material.
URTEIL: Schlechtes Video

„BOUND 2” (2013)

„Eines der besten Videos der 2010er“, schrieb mir ein Freund während einer der vielen bereits erwähnten „Hat Kanye irgendwelche guten Musikvideos?“-Unterhaltungen, die ich diese Woche hatte. „Aber es ist eines, das nicht versucht, ein künstlerisches Statement abzugeben. Es ist einfach ein cooles Video.“ Ja, OK, ich sehe den Wert, dieser Argumentation und auch diesen Artikel von Alex Pappademas bei Grantland, in dem der Yeezus-Clip auseinander genommen wird, mochte ich—aber irgendwas an dem Video hat sich für mich Meme-mäßig immer ein wenig zu gewollt angefühlt. Wie bei einem Film, bei dem du weißt, dass die Studio-Bosse sich den Slogan für das Poster bereist ausgedacht haben, bevor jemand das Drehbuch geschrieben hat. Es ist dem Gefühl nicht unähnlich, das Drakes „Hotline Bling“ dir vermittelt—aber ich mag auch das Video, also schätze ich, dass ich genauso viele Widersprüche habe wie Yeezus selbst.
URTEIL: Schlechtes Video

„ONLY ONE” (2015)

Weißt du was? Ich habe diesen Scheiß gehasst, als er rauskam, aber jetzt liebe ich ihn. Extrem liebenswertes Zeug; was die herzerweichenden Momente mit North West angeht, würde ich dieses Video auf einem knappen zweiten Rang hinter einer Szene aus Keeping Up With the Kardashians einordnen, in der Kanye und North Schneeengel machen. Die Tendenz bei Bildern wie diesen ist, sie anzustarren und zu sagen, dass Kanye „friedlich erscheint“—als wäre das Leben für die meisten nicht ein steter Krieg—doch Elternschaft ist ein eigenes Extrem und für Kanye bedeutet, sein Kind liebevoll im Regen zu liebkosen, nur ein weiterer, ruhigerer Weg, den Zeitgeist zu reiten.
URTEIL: Gutes Video

„FAMOUS“ (2016)

OK, du weißt, was ich von diesem Video halte, aber es lohnt sich, das zu wiederholen: Wenn hier irgendwelche Bedeutung gefunden werden kann, dann ist sie recht dürftig—und trotz ein paar extremen Reaktionen, über die sich ziemlich lustig gemacht wurde. Das Level an Provokation in diesem Video gleicht irgendwie dem in „30 Hours“, wo Kanye sagt, dass er sich bei seinem Auftritt auf der Fashion Week nur wohl gefühlt hat, indem er sich alle Leute nackt vorgestellt hat. Kanye mag nackte Leute wirklich gerne und er mag auch Berühmtheiten. Ich denke, das ist im Prinzip alles.
URTEIL: Du weißt, was es ist.

WAS HABEN WIR GELERNT?

Ich lag letztendlich falsch damit, dass Kanye noch nie ein gutes Musikvideo gemacht hat. Ein paar Stunden, in denen ich mich noch einmal mit seinem Oeuvre auseinandergesetzt habe, haben bewiesen, dass er sporadisch gute Musikvideos gemacht hat—auch wenn die schlechten mittlerweile gegenüber den guten überwiegen. Aber stimmt es nicht auch, dass schlechte Kunst normalerweise mehr heraussticht als gute Kunst? Vielleicht ist die übergreifende Lektion hier, dass es sich lohnt, zu recherchieren und sich die Vergangenheit anzusehen, anstatt auf dein selektives Gedächtnis zu vertrauen und auf dieser Grundlage Behauptungen aufzustellen, was die Qualität betrifft. Das „Famous“-Video mag ich trotzdem noch nicht—das wird sich nie ändern.