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Eko Fresh weiß einfach nicht, wann es genug ist

1000 Bars sind ziemlich genau 952 zu viel für einen guten Track, lieber Eko Fresh.
24 Juni 2014, 3:00pm

Eko Fresh ist ein Phänomen. Seit Jahren macht er Musik, anscheinend auch relativ erfolgreich, und trotzdem vermittelt sich einem irgendwie der Eindruck, dass seine ganz große Zeit vorbei ist. Die Zeiten, in denen große Teile der Hip Hop-Fans Savas’ „Das Urteil“ als eine Art Freibrief sahen, sich über Eko Fresh lustig zu machen, sind zwar vorbei. Trotzdem: So richtig als großer Deutschrap-Player etabliert hat sich der selbsternannte „Quotentürke“ irgendwie nicht. Das mag zum einen daran liegen, dass es nach diversen Image- und Stilwechseln nach wie vor ein bisschen schwerfällt, Eko und seine Musik einzuordnen. Zum anderen hat das ehemalige HipHop-Wunderkind auch die beeindruckende Gabe, immer haarscharf am ganz großen Song, dem richtig guten Video oder der optimalen Karriereentscheidung vorbeizuschlittern.

Jetzt hat Mister Freezy mit „1000 Bars“ seine „Meisterprüfung“ abgelegt und beweist uns damit—ja was eigentlich genau? Beachtliche 58 Minuten ist der Track lang und während Doubletime-Experten wie Kollegah in dieser Zeit wahrscheinlich das Lebenswerk Goethes runterrattern könnten, lehnt sich E-K-O ganz entspannt zurück und gibt uns jetzt „Skills, Skills und noch mehr Skills“, weil er schon in seinen anderen Rap-Marathonsitzungen seine Karriere und jede Menge Schwank aus seinem Leben abgearbeitet hat. In verschiedenen Kapiteln rappt er mal schnell, mal langsam, mal wie 2Pac, mal wie Biggie und zeigt, dass er der wohl talentierteste Schizo-Musiker ist, den die deutsche Rapszene zu bieten hat. Das ist beeindruckend und in dieser Form sicherlich absolut einzigartig, zeigt aber einmal mehr das ganz große Problem, das ich schon immer mit dem einstigen Wunderkind hatte: Er hat für mich absolut keine künstlerische Identität und das macht es mir wirklich schwer, Zugang zu seiner Musik zu finden.

Bevor ihr mich jetzt als Hater beschimpft, seid mal bitte kurz ehrlich zu euch: Habt ihr euch das komplette Video gegeben? Von vorne, bis hinten? Eine Stunde Eko Fresh, wie er all das im Zeitraffer tut, was er in den vergangenen Jahren seiner Karriere auf diversen Alben abgeliefert hat? Stellt ihr euch nicht auch spätestens bei der Passage, in der ein schlecht animierter 2Pac mit Ekos Gesicht vor einer Nachtaufnahme von L.A. rumwackelt die Frage, ob das alles ein riesengroßer Scherz ist und ist genau das nicht symptomatisch für so viele Aktionen, die der German Dream-Chef in den vergangenen Jahren gebracht hat?

Zusammenfassend gesagt, erinnert mich „1000 Bars Die Meisterprüfung“ an diese Situation, wenn ein kleines Kind dir unbedingt seine selbstgemalten Bilder zeigen will. Spätestens nach Fingerfarben-Gemälde Nummer Drei möchte man einfach nur noch brüllen: „Fick dich, Magdalena. Ich weiß mittlerweile, dass du Blumen malen kannst und jetzt lass mich verdammt noch mal in Ruhe!“ Tu dir das nicht an, Eko. Sei nicht Magdalena. Vielleicht habe ich das Ganze aber auch vollkommen falsch verstanden, und der fleischgewordene Imagewandel macht jetzt wirklich ernst mit seinen zu Beginn des Videos erwähnten Schauspiel-Ambitionen. Auch dann hätte er etwas außerordentliches geschafft: den wohl längsten Showreel der deutschen Film- und Fernsehszene.

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