FYI.

This story is over 5 years old.

Der Stand der Dinge bei Trentemøller

Was macht eigentlich unser dänischer Lieblingsproduzent Trentemøller? Wir haben ihn persönlich gefragt.
25.7.12

Im letzten Jahr veröffentlichte Trentemøller einen Remix nach dem anderen, er arbeitete zusammen mit Pedro Almodóvar an der Musik für dessen neuen Film The Skin I Live In und auch ansonsten darf man den dänischen Produzenten wohl überaus vielbeschäftigt nennen. Wenn Trentemøller zusammen mit seiner Liveband spielt, verdichtet sich sein Sound noch etwas mehr als man es von seinen zahlreichen Produktionen und DJ-Sets gewohnt ist. Nach seinem vollgepackten Tourplan kann es Trentemøller nicht erwarten, wieder nach Kopenhagen zu kommen und mit den Arbeiten an seinem neuen Album zu beginnen. Doch bevor sich der Produzent in seinem Studio einschließt und anfängt Dinge in Gold zu verwandeln, haben wir noch mit ihm in Berlin gesprochen.

Noisey: Deine zwei letzten Remixe sind von The Dø und The Drums. Was bringt dich zum Indie-Pop?
Trentemøller: Es ist für mich eine ganz natürliche Entwicklung, dass ich jetzt Musik mache, die ich vor zehn Jahren, als ich mich nur aufs Elektronische beschränkte, noch nicht gemacht habe. Bands wie The Dø und The Drums haben mir eine Email geschrieben und mich gefragt, ob ich sie remixen möchte. Ich bin großer Fan von The Drums. Deswegen hat das gut gepasst. Und vielleicht arbeiten wir auch auf dem nächsten Album zusammen.

Du bist also bereit, ein neues Album aufzunehmen?
Die letzten zwei Monate hatte ich eine Art Schreibblockade und Probleme mich zu konzentrieren, weil ich so oft als DJ aufgelegt habe. Und in meinem Leben ist auch einiges passiert ist, weswegen alles ein bisschen chaotisch war. Aber ich hab richtig Bock wieder ins Studio zu gehen. Nicht nur dass ich Montag, Dienstag, Mittwoch arbeite, ich gehe dann Donnerstag, Freitag und Samstag auflegen. Am Wochenende zu spielen und dann zurück ins Studio zu kommen, um kreativ zu sein und dann wieder raus zu gehen und zu spielen ist für mich echt schwer zu vereinen. Deswegen freue ich mich wirklich darauf mich zwei oder drei Monate im Studio einzuschließen und niemanden zu sehen. Manchmal schlafe ich auch da. Es ist schon eine sehr intensive Art zu arbeiten.

Deine beiden Alben sind ja sehr unterschiedlich. Was ist denn für das dritte geplant?
Into the Great White Yonder hat einen sehr dramatischen und mächtigen Sound und ist auch sehr cineastisch. Ich denke, nächstes Mal werde ich es ein wenig einfacher stricken und ein paar Regeln für mich festlegen. Mir ist es sehr wichtig, dass man beim vierten oder fünften Mal anhören noch Stellen findet, die einem beim ersten Mal vielleicht nicht aufgefallen sind. Ich möchte aber den Sound im Ganzen ein wenig einfacher gestalten und dem Hörer vielleicht mehr Möglichkeiten lassen, sich ein eigenes Bild zu malen. Auf meinem letzten Album ist in den Kompositionen ständig etwas passiert, dieses Mal wäre es toll, wenn es auf eine bestimmte Art viel offener wäre.

Du hast gesagt, dass du deine Musik eher organisch und weniger elektronisch produzierst. Was bedeutet das für dich?
Was ich wirklich vermisst habe, ist, Instrumente zu spielen. Bevor ich elektronische Musik machte, habe ich in einer Rock Band gespielt. Dabei ist nicht immer alles perfekt, zum Beispiel wenn man sich verspielt. Aber wenn man mit dem Computer arbeitet, nimmt man den normalerweise raus. Ich versuche die Fehler in der Musik zu nutzen, sie einfach da zu lassen, weil ich diese zufälligen und menschlichen Resultate mag. Das ist das, was organisch ist und Wärme hat.

Mit welchen Instrumenten arbeitest du bevor du an den Computer gehst?
Ich habe mir gerade ein Klavier besorgt. Da geht es nicht um den Computer, sondern nur um das Klavier und mich, wie ich ein paar einfache Melodien aufnehme. Vielleicht habe ich dann ein paar Ideen für die Bassline und danach versuche ich das auf den Computer zu übertragen und von da aus weiter zu arbeiten. Mir gefällt der Gedanke, an einem Klavier aus Holz zu sitzen.

Deine Musik wurde in Pedro Almodóvars letzten Film The Skin I Live In verwendet. Wie kam es dazu?
Das war verrückt. Er ist einer meiner Lieblingsregisseure und hat mir über seinen Filmbetrieb eine Email geschickt. Er hatte diesen Track aus meinem aktuellen Album gehört und dachte, er würde perfekt in diese eine Szene im Film passen. Dann ist es darauf hinaus gelaufen, dass er den Track für den Trailer benutzt hat. Es ist eine große Ehre für mich, dass so ein talentierter Mensch meine Musik verwendet.

Der Film war auch echt gut, wie ich finde. Ich mochte die ganze Atmosphäre und sein Stil ist fantastisch. Und meine Musik hat gut in die Szene gepasst. Man sieht eine Verfolgungsjagd auf einem Motorrad mit Antonio Banderas. Es ist auch echt faszinierend zu sehen wie meine Musik auf eine ganz andere Art benutzt wird und wie die Musik mit den Bildern verschmolzen ist.

Hast du in letzter Zeit irgendwas erlebt, das dich richtig umgehauen hat?
Ich freue mich immer sehr über Island. Ich hab da auf dem Airwaves Festival gespielt. Schon acht Mal war ich da und die Natur dort ist so dramatisch. Wenn man vom Flughafen nach Reykyavik fährt, fühlt man sich als ob man auf dem Mond fährt, eine Steinwüste. Mir gefällt das echt gut. Es ist irgendwie unheimlich und inspiriert mich sofort, weil es aussieht wie ein Hobbit-Land.

Du fängst bald an an einem neuen Album zu arbeiten. Wie stellst du dich immer wieder darauf ein ins Studio zurückzugehen?
Ich versuche wirklich nicht so viel darüber nachzudenken, was ich tue und für wen die Musik sein soll. Für mich ist es natürlich sehr persönlich, Musik zu machen und manchmal ist es wie eine kleine Therapie. Das Schwierige daran ist, den eigenen Sound zu finden, sich trotzdem nicht zu oft zu wiederholen und sich immer selber zu fordern. Manchmal fragen mich Leute auf meiner Facebook Seite, warum ich nicht den gleichen Techno wie vor fünf Jahren mache. Ganz klar: Ich bin keine Jukebox. Im Prinzip mache ich Musik für mein eigenes Vergnügen und es ist wirklich toll rauszugehen und die Musik zu spielen. Ich bin echt dankbar, dass die Leute meine Musik hören, aber wenn es hart auf hart kommt, geht es um mich selber. Wenn ich keine Musik machen würde, würde ich durchdrehen.