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Wie es sich anfühlt, DJ auf einer Sex-Party zu sein

Eine Sex-Party ist der beste Ort in New York und der Welt, um ein paar smoothe und solide House-Tracks zu hören.
18.2.15

"Uuh yeah ", DJ Kev.Kruz schenkt mir ein schüchternes Lächeln, während er zwei Finger nach oben hebt – seine Reaktion auf meine Behauptung, dass ich jegliche Art von Partysnacks liebe. "Ich wette, du magst Fingerfood. "

Ich kichere kurz, als der über 40-jährige House-DJ mit Babyface vor seinem Auftritt im Chemistry NYC Anspielungen auf unser Treffen in der Cock&Bull-Bar macht. Ich hätte es eh wissen können: Das Chemistry NYC schmeißt Sex-Partys, spezialisiert darauf, eine entspannte Umgebung zu schaffen, damit man schmutziges Zeug mit dem Nachbarn tun kann. Und Kev macht den Soundtrack dazu. Sein Job ist es eine Soundkulisse zu liefern, die von energiegeladenen Tanztracks zu Höschen-feucht-machenden Erwachsenentracks geht, ohne dabei die klischeehaften Dirty-Talk-Lieder zu spielen, aus denen die meisten "sexy " Playlists bestehen.

"Es geht darum, dass verschiedene Chemie sich im Raum trifft " erklärt er mir. " Das ist es, was es so ekstatisch macht. Das ist es, was dich loslassen lässt. "Und Sex ist das ultimative Loslassen", lächelt er mir verschmitzt zu und fügt hinzu: "Den Puls des Raumes zu spüren und die Menschen mit auf eine Reise zu nehmen, das ist etwas ganz Besonderes."

Aber was garantiert eine Nacht voller Ekstase und runtergelassenen Höschen? Laut Kev ist es nicht einfach ein Prince-Album durchlaufen lassen. Ähnlich wie man als guter Liebhaber das Gegenüber lesen und die richtigen Knöpfe drücken muss, braucht es als ein DJ einer Sex-Party das Fühlen des Raums und der Leute darin. In einer Umgebung wie dem Chemistry ist das natürlich einfacher, weil dort Menschen hinkommen, um sich hinzugeben, auch über den Sex hinaus. Kev hat viel Zeit damit verbracht, um über diese Fragen nachzudenken.

Er erklärt mir, dass die Struktur jeder Sex-Party dieselbe ist. Zuerst kommt das Aufwärmen, dann der Höhepunkt (haha) und dann ein Crescendo-Ende. Was eine Playlist erfolgreich macht, ist von mehreren Komponenten abhängig. Wie spät ist es? Wie viele Leute sind da? Wie ist die Deko? Es gehört viel Improvisation dazu, aber Kev sagt mir auch, dass es sehr wohl eine eigene Wissenschaft ist, zu wissen was jetzt funktionieren wird und was nicht.

"Ich habe einen Doktor im Sound zum Liebemachen" lacht er. " Mein Label heißt Lucid Dreams Soundtrack Music, und ich mag es meine Musik so zu sehen, als wäre sie eine Kulisse einer größeren Sache. Und was ist größer als ein Raum voller Menschen die Sex haben?"


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Um diese Frage zu beantworten bin ich zum Winterball im Chemistry gegangen. Ich wollte sehen, ob Kevs Playlist wirklich die hohen Töne anschlagen würde (am besten wohl ein G, haha) und die Melodien die Körper zum Harmonieren bringen würden, wie er es mir gesagt hat. Wird die Stimmung eher wie eine Watsch’n sein, so wie wenn man schnell um die Ecke geht und plötzlich in den nackten Busen einer Frau reinrennt? Wird alles ein Reinfall? Werde ich in der Ecke sitzen, während ein paar Leute sich mit einer riesigen Dildomaschine vergnügen?

Am Weg zu der Party versuche ich, ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Songs Menschen zum Strippen bringen und welche Songs sie anturnen. Mir fällt auf, dass es einen komischen Zusammenhang gibt zwischen Pop-Songs der frühen Nullerjahre und dem Gefühl, auf einem Schulball zu sein. Auf der Party kommen die meisten Tanzaufforderungen von anzugstragenden Männern mit einsetzender Glatzenbildung, die ich mit einem pauschalen "Entschuldigung, bin aus journalistischen Gründen hier" ablehne. Einer wirkt aber relativ nett und bittet mich mit ihm in die "Spielwiese" zu gehen, in die man ohne Partner nicht reinkommt. Ich sage Ja – journalistische Gründe und so – und folge ihm. Es stellt sich heraus, dass es ein Raum voller Plüschsofas und bouncenden Ärschen ist. Unterlegt mit R’n’B aus 2000, der durch den samtigen Dekor gedämpft zu hören ist. Im Gegensatz zu der energiegeladenen Tanzfläche, ist das der Raum wo es langsam und sexy zur Sache geht.

Wieder zurück im Hauptraum ist die Stimmung mehr Chaos als tantrische Sinnlichkeit. Neben der Dildomaschine sind die anderen Aktivitäten, die ich beobachte: Ein Mann, der einem Mädchen die Zehen lutscht und eine sexy Schullehrerin, die am Geländer strippt, zu etwas das sich wie ein CeCe Rogers Lied anhört. Oh, und fünf Zentimeter neben meinem Kopf wird eine Frau kräftig von mehreren Leuten gefingert.

Aber was habe ich anderes erwartet auf einer Sex Party? Was auch immer Kev da tut, es scheint zu funktionieren. Um fair zu sein: Es ist schwer vorstellbar, dass es etwas gibt, was Menschen davon abhalten würde, Sex zu haben, wenn sie auf eine Party gehen, um Sex zu haben. Aber es stimmt: Partys wie die im Chemistry sind wahrscheinlich der beste Ort der Welt, um Playlists voller Old School-Lieder, smoothem House und glatter Discotracks zu hören.

"New York ist nicht mehr New York, es ist nicht mehr das, was die Leute früher über die Stadt romantisiert haben" sagt Kev mir vor der Party. " Die Locations werden weniger, ich muss immer schauen, wo ich noch spielen kann."

Wie er zum Chemistry gekommen ist? Er hat einen Artikel über das Chemistry in dem stand, dass es dort "Soul-artigen House" spiele. Vor allem weil Kev bei ähnlichen Veranstaltungen war und selbst mit der Idee gespielt hatte. eine "soul-artige House-Sex-Party" zu schmeißen.

Er schickte ihnen dann eine Mail geschickt, in dem etwa in etwas drinnen stand: "Ich bin überhaupt nicht abgeschreckt, eher angeturnt. Was halten sie davon wenn, ich ihr DJ werde?" Das Chemistry lädt ihn kurze Zeit später ein, für sie zu spielen. Ich frage ihn, ob es ihm erlaubt ist, nach seinem Set auch noch auf eine andere Art zu spielen. Er sagt ja, es sei aber trotzdem noch nie passiert. Dazu sei er zu sehr im Arbeitsmodus.

"Ich habe aber andere DJ-Fantasien" zwinkert er mir zu, während er an den Decks. "Ich meine, ich möchte einen geblasen bekommen. Kann mir jemand einen Blowjob besorgen, während ich da oben bin? Ich sollte darüber mit KennyBlunt, dem Veranstalter von Chemistry, reden!"

Ich lache und stimme zu, dass es das Mindeste sei, was er als Gegenleistung für seine Dienste bekommen sollte. Immerhin ist er die essentielle Komponente des Ganzen. Kev besteht drauf: " Wenn du zu einem meiner Lieder bei der Sache bist, wirst du explodieren" und unterstreicht die Aussage mit einem Augenbrauenwackeln und BBQ Soße von den Fingern lecken: "Kein Benzin erforderlich."

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