Anzeige
Features

10 Dinge, die ich an der Zürcher Clubszene liebe

Keine Polizeistunde, keine Distanzen! Es gibt noch mehr Dinge, für die man die Zürcher Clubkultur lieben muss.

von Nadja Brenneisen
19 Februar 2015, 9:51am


Alle Fotos von LightWav3r

Nadja gehört mindestens so sehr zur Zürcher Clubkultur wie zu VICE & Noisey. Nachdem sie sich vor ein paar Monaten über den Sexismus in der Zürcher Clubszene ausgekotzt hatte, hat sie jetzt mal aufgelistet, was sie an diesem ausgelassenen Zürich liebt.

Zürich wäre mit Polizeistunde oder Traditions-Prüderie ein sehr langweiliges Pflaster. Das sind aber nur zwei der zehn Gründe, wieso ich die Zürcher Clubkultur liebe:

1. Distanzen
Wer eine Nacht an der Langstrasse verbringt und nur in einen Club stolpert, hat das Prinzip Langstrasse nicht verstanden. Das Wunderbare ist, dass man sich vom Helvetiaplatz bis zum Limmatplatz partytechnisch vorarbeiten kann, ohne dabei Blasen an den Füssen davonzutragen. Sein letztes Geld gibt man besser für Döner oder Dosenbier in einem der zahlreichen 24-Stunden-Shops aus, anstatt fürs Taxi. Von hier aus geht's dann einmal den Bahnschienen entlang zum zweiten Ausgehviertel der Stadt, der Hardbrücke. Das eröffnet einem die wunderbare Möglichkeit zum Zwischennüchtern, um dann auch wirklich noch in einen der Clubs rund um den Prime Tower eingelassen zu werden.

2. Kein Ende in Sicht
Polizeistunde ... Wasdas? Wer den Müdigkeitseinbruch der Morgenstunden überstanden oder nie erlebt hat, dem stehen die weiten Afterhour-Welten offen. Es gibt in Zürich nur sehr wenige Wochenenden, die einen wegen der simplen Abwesenheit weiterer Party-Möglichkeiten nach Hause ins Bett flüchten lassen. Was wäre eine Clubwelt ohne die sich auflösenden Schwaden abstruser Erinnerungen. Und die sind eben eng mit Afterhour verbunden.

3. Zürich ist ein Dorf
Auch wenn man seine Begleiter in den Morgenstunden an ihr Gewissen verlieren mag: Alleine ist man in Zürich nicht lange. Die Stadt ist schlichtweg zu klein, als dass man in einem Club kein bekanntes Gesicht mehr entdecken würde. Deshalb macht es auch Sinn, nett zueinander zu sein: Jemandem beim Kotzen die Haare zu halten. Oder darauf aufmerksam zu machen, dass kein Toilettenpapier mehr in der Kabine ist. Du siehst die Menschen sehr wahrscheinlich auch nüchtern wieder.

4. Die Clubszene ist ein Dorf
Weil du in den Clubs immer jemanden kennst, kann es gut sein, dass diese Person irgendjemanden kennt, der im Organisationskuchen des Nachtlebens steckt. Und diese Person kennt dann alle anderen Menschen, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen. Veranstalter, DJs, Booker und Promoter sind super untereinander vernetzt, was dir dann für fast jeden Club (zumindest für die, in die du auch rein möchtest) einen Platz auf der Gästeliste ermöglichen kann.

5. Zu gute Musik

Wer nicht nur Partymachen will, sondern den Club aufgrund seines Line-ups wählt, kann in Entscheidungsnot geraten. Aufgrund der grossen Konkurrenz stehen Zürcher Veranstalter unter Druck, die Qualität des Nachtlebens stetig weiter zu verbessern oder zumindest zu halten und so finden regelmässig internationale Musikgrössen den Weg in die Stadt. Daneben ist jeder zweite Zürcher auch Hobby-DJ. Wenn man also die Spreu vom Weizen trennt, findet man deshalb auch hier sehr talentierte Resident-DJs, denen es zu verdanken ist, dass auch an Partys ohne Über-Headliner ziemlich gute Musik läuft.

6. Alle Macht den Jungen
In Zürich geben längst nicht mehr die alteingesessenen Veranstalter und Promoter den Ton an. Es sind immer wieder neue Strömungen von jungen Musikern auszumachen, die grosse Communitys um sich scharen und die Sound-Entwicklung der Stadt mitprägen. So haben sich beispielsweise die Miteinander-Jungs ihre Sporen verdient. Aber auch am Horizont anderer Genres tauchen neue Gesichter auf, wie zum Beispiel das von Insan3Lik3, der mit härteren elektronischen Produktionen weltweit auf sich aufmerksam macht. Daneben tun sich immer mehr Neulinge zu Crews zusammen, um als DJs, Veranstalter, Fotografen oder sonstige Kreativ-Köpfe ihr eigenes Ding durchzuziehen.

7. Ein Snob zu sein ist nicht mehr chic

Die Bankenstadt hat im Kokskonsum schweizweit zwar immer noch die Nase vorn, distanziert sich ansonsten aber immer mehr vom Schickeria-Feiern. Die Flasche Belvedere, die Lounge, unkomfortable High Heels und teure Memberships spielen keine so massgebende Rolle mehr, wie noch zu Hirschmanns St. Germain-Zeiten. Die Bonzen-Kids geben Papas Geld viel lieber diskret im Kreise normalbetuchter Freunde aus und schämen sich fast ein bisschen, dass sie neben MDMA immer noch ihr Koks dabei haben. Dabei gilt:

8. Um Drogen macht niemand einen grossen Terz
Wenn man sich nicht überproportional dämlich anstellt, kann man in Zürcher Clubs ziemlich einfach Drogen konsumieren, ohne dabei Angst haben zu müssen, rauszufliegen. Du solltest einfach darauf achten den, mit dem Auftrag auch noch zu schauen dass niemand Drogen nimmt, komplett überforderten Türstehern, deinen Konsum nicht vollständig auf die Nase zu binden.

9. Wir haben Wasser
Drei wichtige Gewässer prägen auch die Feierszene der Stadt mit und ermöglichen die feinsten Dinge, die mit Off-Locations und Musik zu tun haben. Ohne den See gäbe es keine Streetparade. Ohne die Sihl und ihre Seitenarme keine Männerbadi-Feten. Keine illegalen Outdoor-Events im gegebenen Ambiente und obligatorischem Fussbad nach dem wilden Tanzen. Und ohne Limmat keine nächtlichen Nacktbade-Erlebnisse nach der Helden Bar am Mittwoch.

10. Ja, die Dachkantine ist tot!
Ich liebe am Zürcher Nachtleben nicht, dass die Dachkantine gestorben ist. Auch das Cabaret ist Geschichte, und auch die alte Börse existiert nur noch in nostalgischer Erinnerung. Das Ende ist aber auch Anfang und schafft nicht nur räumlich neuen Platz für kreative Entwicklungen. Auch wenn viele Clubs ihre Kindertage nicht überleben, werden sie Teil verschiedener Lebens- oder eher Party-Abschnitte, nähren unseren stetigen Trieb, ständig Neues erleben zu wollen und bedingen schlussendlich, dass Zürich am Ball bleibt. Nach dem Thai Thai zum Beispiel kam ein kurzer Lichtblick namens Gang Club, der ziemlich früh wieder verglomm. Spass hat's trotzdem gemacht. Die Generation, die das UG niemals erlebt hat, wird das Hive genau so sehr vermissen, wenn denn einmal seine Zeit gekommen sein wird. Der Glaube an gutes Zürcher Nachtleben hingegen lebt weiter.

Nadja auf Twitter: @nadjabrenn