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Wie du in sechs einfachen Schritten zum ultimativen Musiknazi wirst

In sechs Schritten zum Musik-Arschloch.
20.1.16

Foto: Isabella Khom

Du willst also auch endlich zu diesem erlauchten Zirkel gehören, dessen Mitglieder immer etwas Intelligentes über Musik zu sagen haben. Zu jedem Künstler haben sie eine Meinung, sie wissen über alles Bescheid. Ihre Meinung wird von ihren Freunden als das Maß aller Dinge respektiert. Hier eine kleine Liste an Verhaltensregeln, wie auch du problemlos so wirken kannst, als wäre deine Meinung über Musik wichtig.

Schritt Eins: Taktisches Gutfinden von populären Künstlern

Foto via Flickr | Jason Persse | CC BY 2.0

Eine wichtige Taktik ist es, nicht alles, was populär ist, schlecht zu finden. Um zu zeigen, dass du Musik unabhängig von ihrer soziokulturellen Konnotation nur nach ihrer Qualität beurteilen kannst, nimmst du dir einfach zwei bis drei momentan sehr erfolgreiche Künstler heraus und sagst, dass du sie gut findest. Am besten als „kontrovers“ bekannte Künstler, zum Beispiel Kanye West, denn dann kannst du jeden Angriff auf deinen Geschmack mit einem „Du verstehst es halt nicht“ problemlos abschmettern. Dein Image bleibt aufrecht.

Schritt Zwei: Du darfst nichts, was neu ist, gut finden. Außer es klingt nach etwas Altem

Jedes Jahrzehnt hatte seinen Teil an unsäglich schlechter Musik. Jedes Mal, wenn jemand behauptet dass früher alles besser gewesen war, ist demjenigen nur nicht bewusst, dass die meiste schlechte Musik über die Zeit einfach in Vergessenheit gerät. Wenn du dir unsicher bist, ob du einen Künstler gut finden darfst, vergleiche ihn einfach mit allem was die vergangenen Dekaden überlebt hat. Wenn es ähnlich genug wie etwas schon einmal Dagewesenes klingt, ist die Chance hoch, dass es gut ist. Oder zumindest vom Rest der Kritikerwelt für gut befunden wird. Das reicht aus. Dein Image bleibt aufrecht.

Schritt Drei: Spaß-Selbstgeißelung

Foto via Flickr | Eva Rinaldi | CC BY 2.0

Ja, es gibt Musik welche einfach nur Entertainment ist. Man könnte sie Pop(corn)musik nennen. Du denkst dir, du könntest das Ganze also einfach als oberflächliches Entertainment unterhaltend finden? Falsch. Du spielst mit dem Gedanken, dass es dir ja egal sein könnte, was andere Menschen in ihrer Freizeit hören? Falsch! Jegliche Musik muss vielschichtig, komplex und fordernd sein, um eine Existenzberechtigung zu haben. Die Menschheit darf sich nicht mit weniger zufrieden geben. Es ist niemandem erlaubt Taylor Swift- oder Limp Bizkit-Songs „einfach mal so“ unterhaltend zu finden. Wenn du nicht weißt, ob das Werk eines Künstlers jetzt komplex genug ist, befrage zuerst die Internet-Musikforenpolizei. Alternativ: Hörs dir im Geheimen an und verurteile andere, es öffentlich zu tun. Gründe eine Initiative namens „Schlechte Musik ist Privatssache“. Dein Image bleibt aufrecht.

Schritt Vier: Bibel Pitchfork

Wenn Pitchfork, aus einem nicht erkennbaren Grund, anfängt eine B-Level Band von vor 15 Jahren als „groundbreaking“ oder „amazing“ zu feiern, musst du das auch tun. Jetzt bist du Fan. Wenn Pitchfork mainstream US-Rapper feiert, tust du das jetzt auch. Wenn du in deinem Leben niemals Metal gehört hast, sag dass du das letzte Carcass total gut findest. Wenn du einfach keinen US-Rap magst, sag sowas wie „Das geht gar nicht, aber Missy Elliot ist super“. Pitchfork hat einen exzellenten Riecher dafür gute, aber auch oft langweilige Musik zu hypen. Diese, von allen per se akzeptierte Vorauswahl der Stimmgabel zu übernehmen, erspart dir auch viel Arbeit. Dein Besuch auf der Pitchfork-Seite bezahlt ja quasi die Redaktion dafür, dich mit der korrekten Meinung zu versorgen. Im Business-Sprech nennt sich so etwas schlicht Consulting. Dein Image bleibt aufrecht.

Schritt Fünf: Das schlechte Album der Diskographie am besten finden

Bild Relapse Records

Künstler, die schon eine lange Karriere hinter sich haben, werden meistens von einer recht homogene Fanbase angehimmelt. Falls besagter Künstler einmal ein Album mit einer größeren Stiländerung gemacht hat, wird dieses normalerweise als „Ausreißer“ bezeichnet. Alle sind sich einig, dass besagtes Album einfach nur ein Fehltritt war. Hier ist deine Chance anhand eines handfesten Beispiels zu zeigen, warum dein Musikgeschmack das A und O ist. Nimm die am meisten genannten Kritikpunkte des Albums und behaupte, dass es genau aufgrund dieser herausragend gut ist. Bestehe vehement auf deiner Meinung, sogar wenn das Album starke Moombathon-Einflüsse hat. Dein Image bleibt aufrecht.

Schritt Sechs: Radiohead ist die beste Band der Welt

Keine Diskussion. Wenn du jemandem erklären musst warum, ist er sowieso zu dumm für das Gespräch. Dein Image bleibt aufrecht.

Abschließend:

Wenn du diesen simplen Regeln folgst, kannst auch du in der Welt etwas bewegen und dafür sorgen, dass endlich weniger schlechte Musik gehört wird. Warum du von allen möglichen Berufungen genau diese gewählt hast? Natürlich, weil Musik das Wichtigste auf dem Planeten ist. Sogar so wichtig, dass du dir einen Artikel darüber durchliest, wie man so wirkt, als hätte man eine Ahnung von Musik.

Der Autor hat keine Ahnung von Musik: @igrpp

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