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You Need to Hear This

Watchlist: Alex G

Durch ein Feature auf Ryan Hemsworth’ aktueller EP machte der 21-jährige aus Philadelpha von sich und seinem schluffigen Lo-Fi-Schlafzimmerrock reden. Vollkommen zurecht.

von Jan Wehn
22 Dezember 2014, 1:00pm


Foto © Brian Vu

Künstlername: Alex G
Echte Namen: Alex Giannascoli
Alter: 21
Herkunft: Philadelphia/USA
Größter Hit: „After Ur Gone“
Bester Song: „Trick“
Darum sollte man ihn kennen: Macht den vermutlich unaffektiertesten und unprätentiöse Popmusik mit Rockeinschlag seit Erfindung des Plektrons.
Random Fact: Ist einfach nur ein schüchterner Typ, der gerne Musik macht.

Wenn man im Internet nach der Musik von Alex G sucht, dann stößt man als erstes mal auf den komplett egalen Konsenspop einer YouTube-Musikerin. Das ist schlecht. Denn es gibt da noch jemanden mit dem Namen Alex G. Der 21-Jährige aus Philadelphia wurde vom Fader unlängst als „internet’s best secret songwriter“ bezeichnet. Das könnte vielleicht sogar stimmen. Die Frage ist nur: Warum?

Alex Giannascoli wirkt auf den ersten Blick wie einer dieser schlechtgelaunten oder vielleicht auch einfach nur schüchternen oder in sich gekehrten Teenagertypen. Auch die Bandcamp-Seite, auf der Alex seine Musik feilbietet, wirkt unaufgeregt bis zum geht nicht mehr. Seit 2010 hat er dort sechs Alben und unzählige Singles hochgeladen, deren Cover allesamt an dilettantischen Zeichenprogrammkritzeleien erinnern. Keine Spur von selbstdarstellerischer Arroganz oder angesagten art farts. Auch die Interviewantworten sind so kurz wie nötig, so lang wie höflich und sagen auf vollkommen unprätentiös Weise eigentlich wenig bis gar nichts aus. Man könnte auch einfach sagen: Alex G ist auf maximal mögliche Art und Weise komplett uncool.

Aber die schlampige Gitarrenmusik die der Schluffi in seinem Schlafzimmer aufnimmt, ist es nicht. Manch einer versucht, den Songs mit der Beschreibung Bedroom Rock beizukommen. Wobei das auch wieder nur ein hirnverbrannter Musikjournalisten-Terminus ist, der letzten Endes nicht viel mehr aussagt, als dass Alex die Songs in seinem kleinen Kämmerchen aufnimmt und viele der Stücke entfernt an Rockmusik erinnern. Eigentlich ist es ein riesengroßes Allerlei—musikalisch, textlich, referentiell. Und vermutlich genau deshalb so spannend.

Als Alex 12 Jahre alt ist, kaufen seine Eltern einen Macintosh, auf dem er mit Hilfe von GarageBand erste holprige Technotracks zusammenbaut. Wenig später zeigt seine Schwester die Musik von The Knife, Modest Mouse und Wilco. „Das war Musik, die ich sonst vielleicht nie entdeckt hätte—dafür bin ich ihr heute noch dankbar.“ Alex beginnt, seine ersten Gitarregriffe aufzunehmen, singt er dazu, brennt ein paar seiner Songs auf CD und verteilt sie an Freunde. „Als eine Freundin mir sagte, wie sehr sie die Songs berührt habe, hatte ich das erste Mal so ein Gefühl von Bestätigung“, erinnert sich Alex.

Nach diversen Veröffentlichungen im Internet, wird Alex bei Orchid Tapes gesignt und zeigt auf seinem Album DSU—auch, wenn es nicht mehr an seinem Schreibtisch aufgenommen hat—auf schöne Weise, was ihn so besonders macht. Die Einflüsse seitens seiner Schwester hört man auf den Songs genau so wie den Stoner Rock von True Widow und die vertrackte Electronica von Aphex Twin oder Boards of Canada. Natürlich sind seine Songs irgendwie verhuschte Weltschmerzmusik mit Stromgitarren und THC-induziertem Geistergesang, die zwischen Elliot Smith, Sparklehorse, Nirvana, Japandroids und Guided By Voices umhereiern. Aber in der Musik von Alex G schwingt die ganze Zeit irgendein Mehr mit.

„After Ur Gone“ gehört ins Stadion, „Promise“ würde sich mit seinem R&B-Twist auf deinem nächsten Mixtape ganz wunderbar hinter Frank Ocean machen, während „Tripper“ einen mit Jazz-Schlenkern beeindruckt und „Boy“ mit Hilfe des Pianos auf der Selbstbefindlichkeitsklaviatur des Lebens spielt. Alex’ Stimme ist dabei nie wirklich präsent, sondern windet sich im Hintergrund. „Ich verstecke meine Stimme gerne, weil ich kein wirklich guter Sänger bin. Sie soll lieber ein Teil der Instrumente sein.“

Wenn man sie doch mal aus den ganzen Lo-Fi-Schrammeleien heraushört, dann handeln die Texte von den großen Themen eines jeden Anfangzwanzigers: Liebe, Lust, Leid, ein bisschen Drogen nehmen. Aber der Song „Harvey“ zeigt zum Beispiel auch Alex’ Interesse an dem gleichnamigen Film aus den 50ern, der für Donnie Darko als Vorlage diente. Alex erzählt, er habe gerade Nightcrawler gesehen, der habe ihn an das Buch The Fountainhead von Ayn Rand erinnert. Außerdem spiele er gerne Schach. Ansonsten hat Alex gar nicht so viel zu sagen—weder über seine Musik, noch über seine Texte oder andere Einflüsse. Achso, doch. Er habe gerade den Hobbit zu Ende gelesen. Sein Urteil: „It was cool.“ So einfach kann das manchmal sein.

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