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Young Chop ist der Pate des Drill-Sounds

Young Chop hat es auch ohne Führerschein geschafft, auf die Pole Position der Top-Producer des Rap-Games zu rasen.

von Miles Zornig
10 April 2014, 12:30pm

Es ist unmöglich, über Chief Keef und Chiraq zu sprechen, ohne dabei Young Chop zu erwähnen. Denn was Don Corleone für die Mafiawelt ist, ist Chop für Drill—ein Pate. Doch anders als ein Mafiaboss sieht der 20 Jahre junge Produzent nicht so aus, als ob er seinen Mitmenschen auch nur ein Haar krümmen könnte. Dabei wuchs auch er wie sein Freund Chief Keef in einem der gefährlichsten Viertel Chicagos auf. Nur hat Young Chop kein endloses Vorstrafenregister, keine Gang-Verbindung und setzt sich lieber vor seinen Computer, um Beats für die größten Rapper im Geschäft zu basteln, anstatt den Tag damit zu verbringen, mit AKs und Messern vor irgendwelchen Kameras herumzufuchteln, um der Welt zu zeigen, wie gefährlich seine Hood South Englewood wirklich ist. Ein Beat sagt eben mehr als tausend Bilder. Und Tyree Pitman aka Young Chop hat genau den Sound gefunden, der nicht nur für ihn sondern für seine Stadt Chicago spricht: Drill, ein Trap-ähnliches Genre, das zwar weniger bpm hat, dafür aber für eine Hi-Hat bekannt ist, die für Herzflattern sorgt, und Sound-Elemente beinhaltet, die bedrohlich klingen.

Um diesen Sound zu finden, hatte der Produzent mit elf Jahren längst die Bauklötze zur Seite gelegt. Er spielte viel lieber mit den Klötzen, die auf seinem Computerbildschirm erschienen, sobald er mit der Musik-Software Fruity Loops versuchte, Sound-Sequenzen aneinander zu reihen, um harte Beats zu produzieren. Sein Cousin hatte ihm damals auf das Programm aufmerksam gemacht—seitdem gab es für Young Chop keinen Halt mehr. Er lernte, lernte und lernte, bis er im wahrsten Sinne des Wortes den Drill raushatte.

Mit 17 lernte er seinen High School-Freund Chief Keef kennen und produzierte für ihn den Song „Smash“, der prompt auf Kiefs zweiten Mixtape Bang erschien und für beide Künstler dafür sorgte, einen ersten Fuß in der Tür des Musikgeschäfts zu stellen. Allerdings hatte Chop noch viel mehr Beats im Gepäck, die ihm diesmal den Durchbruch garantieren sollten. Denn für Keefs drittes Mixtape Back From The Dead, das im März 2012 erschien, produzierte er nicht nur einen, sondern gleich elf von zwölf Songs, von denen Tracks wie „3 Hunna“ und „Don’t Like“ nicht nur dafür sorgten, dass Chop im April einen Vertrag bei Warner Bros. bekam, sondern sich auch noch als Hymnen seiner Stadt etablierten. Und dass es nicht lange dauert, bis Chicagos wahre Legenden auf solche Hymnen aufmerksam werden, ist klar.

Denn schon im Mai tauchte plötzlich ein Remix von „Don’t Like“ auf, der bei Chop im ersten Moment für Verwunderung sorgte. Yeezus höchstpersönlich hatte seinen Song bearbeitet und dazu auch noch die Crème de la Crème des Rap-Geschäfts angeheuert, um dem Ganzen ein paar Verse zu verpassen. Plötzlich hatte Young Chop einen Song mit Kanye, Big Sean, Jadakiss und Pusha-T. Doch wirklich zufrieden war er nicht. Er fühlte sich hintergangen und es kam zu einem kurzen, relativ harmlosen Beef zwischen Chop und Kanye, bis dem jungen Produzenten klarwurde, dass er über Nacht zum Star geworden war, die Schecks immer größer wurden, und er endlich die Früchte genießen konnte, die er über all die Jahre geerntet hatte.

Das alles ist nur zwei Jahre her und Chop produziert sich immer noch die Finger wund, um die größten Rap-Stars der Welt mit Beats zu beliefern. Ob French Montana, Juicy J oder Wiz Khalifa, alle wollen den Drill-Sound des Drill-Schöpfers. Auch zu Kanye hat er weiterhin ein gutes Arbeitsverhältnis, fliegt ab und zu nach Paris, um mit Ye in den geheimsten Geheimstudios an neuen Sounds zu arbeiten.

Und obwohl Chop zwar noch immer den Höhenflug seiner Karriere erlebt, ist er kein Typ, der abhebt. Keine großen Klunker, kein arrogantes Geschwätz—nur ein netter Kerl, dessen Mutter ihn ab und zu durch die Stadt fahren muss, weil er keinen Führerschein hat. Irgendwie sympatisch für einen 20-jährigen, der innerhalb von drei Jahren durch Rapmusik zum Multimillionär geworden ist.

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Alle Folgen:
Chiraq–Episode 1

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C
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