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Darum solltet ihr nicht über Rap schreiben

Zumindest, wenn ihr diese drei Indizien erfüllt.
20 November 2012, 9:00am

Eine der großartigen Errungenschaften des Internets ist die Erweiterung des Pools an Schreibern zu einem bestimmten Thema. Vor dem Internet war es aufgrund der Schwierigkeit des Zugangs schwer, über Sachen zu schreiben ohne dich mit denen gut zu stellen, über die du schreibst. Zum Beispiel sind Sport-Reporter oftmals Ex-Athleten, die einfach nur froh sind, im gleichen Raum wie die Profis zu sein. Wir machen uns oftmals über Sportler lustig, doch eigentlich bewundern wir ihre Fähigkeiten. Und so soll es auch sein, weil Sportler ultimative Unterhaltung versprechen. Wir sollten sie also nicht wie einen unfehlbaren, christlichen Gott behandeln, sondern eher wie komplett, dysfunktionale, griechische Götter.

In der Musikindustrie bedeutete dies die Freiheit der Berichterstattung. Für die Musikindustrie hieß das konkret, dass Rap mit einem Outsider-Status bedacht wurde. Egal wie beliebt ein Rapper war, seine oder ihre Beliebtheit wurde immer wie eine Art Ausnahme von der Mainstream-Presse dargestellt. Derweil wurde über jede andere Band berichtet, die nur einen Furz gelassen hatten. Eine Rapgruppe konnte Platin einfahren und trotzdem kaum Zeilen vom Rolling Stone bekommen, während Oasis‘ neuester Kleinkrieg auf dem Cover landet.

Es gefiel vielen Leuten nicht, als ausufernde Rezensionen von Young Jeezys Mixtapes und beiläufige Anspielungen zu Paul Wall bei Pitchfork zur Regel wurden, vor allem wenn weiße Ex-Hardcore-Typen sie geschrieben haben. Aber es brauchte eine lange Zeit, um
die Anti-Rap-Vorurteile in der Mainstream-Musikpresse richtigzustellen: Auch wenn Jeezy immer noch „Underground“ war, war es jedem, der ihm Aufmerksamkeit schenkte, klar, dass da eine große Nummer wächst. Es war nicht wichtig, wer das schreiben würde (als ob irgendwer, der jemals einen Artikel über einen Rapper geschrieben hat, mit einem goldüberzogenen Ghettopass geboren wurde), weil zum ersten Mal, Bewegungen im Rap die gleiche Aufmerksamkeit wie ihre Rock-Gegenstücke bekamen. Indes war es egal, weil die Berichterstattung fair und gut-informiert war.

Ich wünschte, ich könnte das gleiche über die Rap-Berichterstattung heute sagen, die randvoll an Unwahrheiten, Mutmaßungen basierend auf fehlenden Inhalten, latentem Rassismus und generellen Fehleinschätzungen der Musik und ihrer Kultur geprägt ist. Ich will mich nicht hier hinstellen und sagen, ich hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen, ich will nur, dass Schreiber aufhören zu denken, sie könnten eine gute Review des Meek-Mill-Albums schreiben, weil sie kompletten Lyrics zu „House Party“ kennen und eine guten Rick-Ross-Grunzer nachmachen können. Also bevor ihr diesen Artikel über einen Rapper pitcht, checkt euch auf folgenden Punkte ab.

IHR HÖRT RAP WENIGER ALS ZWEI JAHRE

Dazu gehört: „Bist du jünger als 23?“, obwohl der etwas flexibler ist. Wenn du irgendetwas Verlässliches schreiben willst brauchst du Kontext. Es gibt hier Typen, die über Rick Ross schreiben und Port of Miami nicht gehört haben und nicht verstehen, wie komisch (und doch angebracht) es ist, dass Rozay über seine Oberflächlichkeit definiert wurde, statt seine Realitätsferne. Es gibt Schreiber, die über Big K.R.I.T. reden, wie er das Erbe von Pimp C. antritt, und die sich nicht mehr daran erinnern, als HipHop-Puristen UGK anschissen, weil die aus dem Süden waren. Da sind Autoren, die Madlib und MF Doom anpreisen, und weder Lootpack noch KMD erwähnen. Schreiber loben Rapper für „keeping it real“, als ob jeder Rapper ein Sell-Out wäre. Dieser Scheiß ist wie professionelles Wrestling und Rapper schreiben ihre Geschichte kontinuierlich neu. Ich habe keine Problem damit, aber um akkurat über einen Künstler zu schreiben muss man ihn kennen. Wir geben Kanye viel Platz um dummen Scheiß zu machen, weil wir ihn dabei begleitet haben, wie er sich an die Spitze gearbeitet hat. Wir sollten die Geschichte eines Rappers wenigstens zur Hälfte kennen.

(Übrigens: Man kann sich ein Album nicht „anschauen“ ohne dass man es sich von Anfang an angehört hat. Du kannst nicht die Meinung über ein Album anfechten, wenn du keine Ahnung hast, was die Leute dachten, als es rausgekommen ist.)

IHR HÖRT KEIN MAINSTREAM-RAP

Es ist verrückt, wie weit verbreitet die Idee ist, dass mancher Rap gut ist und anderer schlecht und das „Mainstream“-Rap schon immer grundsätzlich schlecht war. 1997 hat das vielleicht noch Sinn gemacht. Heutzutage ist das einfach nur irgendein Scheiß, den sich Leute erzählen um ihre Unsicherheit zu kaschieren, wenn jeder in der Bar die Hook zu „Love Sosa“ brüllt und sie keine Ahnung haben. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, werden die Leute immer noch selbstgerecht, als ob Rapper für die Gewalt um sie herum verantwortlich seien (und, noch dümmer, als ob ihr eigener Boykott diese Gewalt beeinflussen könnte). Wenn du dich darin widerfindest, schreib bitte überhaupt nicht über Rap. Wenn es populär ist, dann hat es Relevanz. Der Geschmack von Teenagern auf der ganzen Welt ist viel entscheidender als ein Artikel in irgendeinem Käseblatt, der dir diktiert, was schlecht für die Gesellschaft ist. Es ist egal, ob du es nicht magst und wenn es dir unangenehm ist, dann bist du dafür nicht gemacht.

IHR HÖRT KEIN UNDERGROUND-RAP

„Underground“- und „Mainstream“-Rap sind grenzwertige, sinnlose Unterscheidungen, aber mein Punkt hier ist, dass Autoren eine gute Allgemeinbildung von lokalen Szenen und regionaler Geschichte haben müssen. Nichts schreit sich so leicht „Hipster with an Angular Haircut writing out his depth“ wie diese Rezension vom exzellenten DaVinci-Song, nicht nur für die Aus-dem-Nichts-Glorifizierung der Re-Up Gang, sondern auch dafür The Jacka als „relative unknown“ zu bezeichnen. Zugegeben, Bay Area-Street Rap ist voll von produktiven Weirdos, die schon seit 20 Jahren dabei sind, doch Jacka ist schon festes Inventar mit einem tiefen Katalog. Er ist wohl besser bekannt als DaVinci.

Ich sage das nur ungern, doch jeder, dessen Maßstäbe in der Rapwelt Jay-Z, Snoop und Will Smith sind, sollte rein gar nichts sagen, weil es wahrscheinlich böse rassistisch wird.

VERDAMMT! DU VERLANGST VIEL VON JEMANDEM, DER GERADE VON DER UNI KOMMT

Nun, vielleicht sollte das Internet-Kid nicht derjenige sein, der den Job kriegt. Und vielleicht sollten die „Experten“ nichts anbieten, wovon sie nichts verstehen.

PS: Als Zugabe möchte ich sagen, dass, wenn ihr über Rapmusik schreiben wollt und ihr noch grün seid, es immer noch Hoffnung gibt. Wir sind alle irgendwo Idioten, aber die Dinge, die wirklich intelligente Menschen von gewöhnlichen Idioten unterscheidet ist, dass sich schlaue Leute versuchen zu bilden, sodass sie in anderen Bereichen Idioten sein können, die nicht die Öffentlichkeit betreffen. Das Coole an Musik ist, dass es viel davon gibt, und du kannst dir so ziemlich alles davon anhören, wann immer du willst. Also scheiß drauf, du kannst dir genauso ein paar Alben von Method Man aus seiner mittleren Phase geben, weil es da tatsächlich ein paar coole Songs draufgibt. Ihr braucht Kontext? Nun, das Internet ist immer noch ein großes Ding und ihr könnt viele Vintage-Ausgaben von Magazinen wie Vibe bei Google Books finden, was dir einen Einblick geben kann, wie die Kultur und Szene damals war. Noch wichtiger, sprich mit Leuten, die älter und weiser sind als du und den Scheiß gesehen haben, den du nur von Wikipedia kennst. Ihre Geschichten sind normalerweise nicht langweilig und sie werden dich erhellen. Also mach von mir aus einen Blog, schreibe viel Scheiß rein, lerne ein bisschen was, und sobald du weißt, worüber du sprichst, tu so als ob dieser Blog nie existierte und fang an richtig zu schreiben.

@skinny412

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