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Wo kommt auf einmal das ganze LSD in der Musik (wieder) her?

Musikvideos mit LSD-Anspielungen kommen gerade in Mode. Aber eigentlich ist das Teil einer größeren Entwicklung.

von Jonas Vogt
02 Juli 2015, 1:50pm

A$AP! Screenshot via Youtube.

Update: Auch mit der Veröffentlichung seines neuen Videos zu „Jukebox Joints“ geht A$AP einen weiteren Schritt auf dem psychedelischen LSD-Pfad. Man sieht darin vor allem, wie er und seine Crew lustige Farben sehen und dann darüber zu Soul-lastigen Beats rappen.

Drogen und Musik haben eine lange, gemeinsame Geschichte. Schon die Steinzeitmenschen nahmen Drogen und musizierten, und es gibt genug Hinweise darauf, dass das nicht völlig unabhängig voneinander geschah. Das ergibt auch Sinn, weil beim Hören von guter Musik ebenso wie bei Drogen Glückshormone ausgeschüttet werden. Deshalb gibt es ja auch das Gerücht der „Audiodrogen“, also bestimmten Tonfolgen, die dich angeblich berauschen sollen. Mein Kollege Tori hat das vor einer Zeit mal eher erfolgslos ausprobiert, was aber einigen Kommentaren zufolge auch damit zu tun haben könnte, dass wir die Audiodrogen über YouTube konsumiert haben.

Genau wie Musikrichtungen haben natürlich auch Drogen ihre Moden. Einzelne Substanzen, die eine Zeitlang mehr und dann weniger konsumiert werden. Damit meine ich nicht die kurzfristigen Versorgungsengpässe oder ein Überangebot, sondern die eher längerfristigen Wellen, die meist auch in irgendeiner wie auch immer gearteten Verbindung zum Zeitgeist stehen. In den 60ern und 70ern wiesen psychodelische Drogen wie LSD oder Mescalin einen Weg aus der als Gefängnis empfundenen gesellschaftlichen Realität. Es waren klassisch eskapistische Drogen, die man einnahm, um raus aus dem Leben zu kommen. Nicht umsonst ist Timothy Leary, der „Guru“ der LSD-Bewegung, vor allem für den Spruch „to turn on, tune in, and drop out“ bekannt. Auf der anderen Seite stehen die Aufputschmittel, die eben nicht nur dafür geeignet sind, deinem Leben zu entfliehen, sondern in deinem Leben mehr Leistung zu erbringen. Ich weiß eh, du würdest auf E nicht ins Büro gehen. Aber dass Kokain gerade in Kreisen, wo viel Leistung erwartet wird (Anwälte, Agentur-Mitarbeiter, Medizin-Studenten) verbreitet ist, ist kein Zufall. Auch im Militär wurden und werden Amphetamine massenhaft eingesetzt. Früher offiziell, mittlerweile unter der Hand.

Ich hab schon länger nicht mehr mit richtig jungen Leuten über Drogen geredet. Aber in meinem Umfeld galten LSD und andere psychodelische Drogen eigentlich seit Ewigkeiten als Hippie-Kram, als etwas, das vielleicht unsere Väter genommen haben. Gras, E, Koks, Keta—eh. Aber LSD? Pilze? Alles mal ausprobiert, aber eben irgendwie doch was für die Wald- und Wiesen-Fraktion, weniger für den modernen Stadtmenschen.

Doch in die Musik schleicht sich LSD gerade wieder ein. Das Video zu A$AP Rockys aktueller Single „L$D (LOVE x SEX x DREAMS)“ verlegte den Trip nach Tokyo, was kluge Menschen mit Recht an Gaspar Noés Enter The Void erinnerte. Ja, das ist der Film, wo man nicht nur eine Abtreibung, sondern auch eine Geburt aus der Sicht des Kindes miterlebt. Auch Mastodon schicken in „Asleep in The Dark“ eine Katze auf einen ziemlichen Horrortrip.

Jetzt könnte hier etwas ur Kluges darüber stehen, warum unsere moderne Zeit und die anhaltende Wirtschaftskrise das Bedürfnis der Menschen nach Eskapismus erhöht. Das wäre aber Blödsinn. Es ist eigentlich ein bisschen anders.

Es gibt heute keine feste Verbindung einzelner Szenen mit bestimmten Drogen mehr. Vor allem im HipHop weicht das Ganze schon länger auf. War es vor fünfzehn bis 20 Jahren Jahren noch so, dass man außerhalb von Weed und eher teurem Alkohol („Pass the Courvoisier“, „You like Dom, maybe this Cristal will change your life“) offiziell nichts brauchte. Über den Südstaaten-Rap griff dann Purple oder Lean um sich, das in den letzten fünf Jahren auch in die Popkultur überging. Ebenso wie vor drei, vier Jahren plötzlich überall von „poppin' Molly“ die Reden war. Molly war usprünglich sehr reines MDMA, also der Wirkstoff von Ecstasy, der in Pulverform zu sich genommen wurde. Irgendwann wurden Molly und E aber mehr oder weniger synonym verwendet.

Im Grunde passiert in Sachen Drogen dasselbe, was mit den Musikgenres passiert ist: Sie fransten aus, wurden popularisiert, dadurch auch—und das meine ich durchaus wertfrei—ihres Kontextes beraubt. Das ist OK. Das nennt sich Pop.

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