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Ich habe versucht, durch wikiHow One Direction-Fan zu werden

WikiHow ist der Next-Level Humboldt. Habe ich meinen Abschluss als One Direction-Fan geschafft?
19.8.15

Foto vom Autor

WikiHow ist ein schräges Plätzchen im Internet. Du begegnest dort nicht dieser „in-die-Fresse-Randomness“, die dir auf 4chan begegnet oder diesen komplett wahnsinnigen Geschichten, die einen in Adult-Fanfiction Foren erwarten. WikiHow hat mehr diese Art Creepyness, die an einen Film von David Lynch erinnert. Es scheint alles nett und hilfreich zu sein, aber irgendwas an der Atmosphäre der Seite stimmt nicht. Es hat einfach etwas Bedrückendes, einen Guide zu lesen, der dir normales menschliches Verhalten beibringen will.

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Weil wir uns gerne für eure Belustigung quälen, will ich versuchen mit wikiHow zum One Direction-Fan zu werden. OK, genau genommen weiß ich noch nicht ob es eine Qual wird, weil ich noch keinen einzigen Song von ihnen gehört habe. Aber vermutlich werde ich ihre Musik nicht mögen. Vermutlich ist es belangloser Pop und ich werde auch am Ende dieser Challenge noch weit vom Fan entfernt sein.

Ich kann mir auf jeden Fall keinen besseren Lehrmeister vorstellen, als die Website, die gespickt ist mir Perlen wie: How to Read a Book, How to Fart Quietly und mein persönlicher Favorit: How to Do Nothing. Aus dem Angebot der Guides, um One Direction-Fan zu werden, gäbe es zwar auch How to be a Directioner, aber Directioner—mehr Fan geht nicht— zu sein ist mir zu wild. Ich fange bei How to become a One Direction Fan an.

Alle Screenshots via wikiHow

Nach kurzem Ekel und Zweifel heruntergeladen und installiert. Die latest News sind in diesem Fall vom 17.11.2014—besser bekannt als der Tag, an dem die Fan-App-Entwickler davon erfahren haben, dass Twitter existiert. Ich fühle mich dem Fandom noch keinen Schritt näher, aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben.

Das ist eine Hemmschwelle, die ich nicht überschreiten kann. Vier Cds von einer Band zu kaufen, die ich noch nie gehört hab und von der ich vermute, dass sie mir nicht gefällt, ist für mich nicht einleuchtend. Aber irgendjemand hat die Alben auf YouTube hochgeladen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dadurch die Künstler in irgendeiner Weise unterstütze, aber meine Moral verkraftet das noch halbwegs. Schließlich bin ich noch einige Schritte vom richtigen Fan-sein entfernt. Und hey, wikiHow, heute kauft niemand mehr CDs. Schon gar keine digital natives.

Ich habe mir alle vier Alben an einem Tag reingezogen, ziehe mir sie noch immer rein und ich tue mir schwer das zu schreiben, ich schäme mich auch dafür, aber One Direction sind gut. Ich schiebe es darauf, dass sich meine Ohren nach Jahren von Math- und Noiserock-Beschallung nach eingängiger Musik sehnen. Ich sitze hier in der Redaktion und hoffe, dass niemand nachfragt, wieso ich so ein breites Grinsen im Gesicht habe. Das ist geiler Powerpop und in den besten Momenten—wie zum Beispiel beim Gitarrensolo in „I want“—klingt es wie Stadionrock und 80er Synthie-Pop. Die Musik macht Spaß und ich habe fast so etwas wie gute Laune. Ich werde wohl in der nächsten Zeit einigen Leuten erklären müssen, dass ich das ernst meine, aber One Direction verdammt gute Popmusik machen.

Ich fühle mich wie ein Betrüger. Richtige Fans sind einfach so tief in ihr Fachgebiet eingetaucht, dass sie auf ganz natürliche Weise alles unnötige Wissen darüber aufsaugen—ich schaue euch an, WOW-Zocker. Jemanden diese Nerderei aufzuzwingen ist hart. Aber ja, ich hab mir das Thema ausgesucht und habe wie vor einer Prüfung zu mathematischen Basistechniken gelernt. Frag mich irgendwas, ich weiß es. Wecke mich in der Nacht auf, frag mich was zu One Direction—ich werde es wissen. Ich frage mich nur wieso ich das gemacht habe. Schließlich wird mich keiner von euch abprüfen. Vielleicht wollte ich das alles ja wirklich wissen? Im besten Fall habe ich es dann aber doch bis übermorgen wieder vergessen.

Schauen wir mal was mein Kumpel dazu sagt:

Ich glaube ich nicht, dass ich eine andere Reaktion erwarten kann. Das muss als Ausrede durchgehen, damit ich nicht noch mehr Leuten davon erzählen muss, dass ich One Direction eigentlich gut finde. Ich bin ein Verräter, ein Schönwetter-Fan, aber ich kann mein Image—der betrunkene Kerl mit den langen Haaren—nicht so leicht aufs Spiel setzen.

Unten geht's weiter.

One Direction sind sympathisch. Ich bin ja gerne in der ersten Reihe, wenn man über gecastete Bands und Popmusik schimpft und gegen diesen sinnentleerten Fan-Merch ist, den Eltern für ihre Kinder kaufen müssen. Aber bei One Direction kann ich mich nicht aufregen. Es geht einfach nicht. Das sind Kerle, mit denen ich sofort mal auf ein Bier gehen könnte; sie wirken einfach nicht wie superreiche Popstars. Verfluchtes Charisma, das ist wie eine Superkraft.

Wäh, Leute, ich kann doch in meinem Alter nicht mit den anderen One Direction-Fans kommunizieren. Wie würde das denn aussehen?

@onedirection what's up?

— ankothesockpuppet (@noiseppo) August 17, 201

Ich spiel es cool, ich will nicht wie ein typischer Fan rüberkommen. One Direction—ich vermute eher irgendeine Social-Media-Abteilung—hat meine brennende Frage zwar noch nicht beantwortet, aber das Fan-sein ist ohnehin meistens eine einseitige Straße.

Fazit: Ich fühle mich eigentlich nicht wie ein Fan, eher wie ein Zaungast. Mir fehlt die fanatische Passion dafür. Das Fan-Game ist einfach etwas für junge Leute, die sich noch für etwas begeistern können. Ich bin zu abgeklärt, mir ist alles zu egal. Zumindest hab ich es zum One-Direction-Sympathisant geschafft.

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