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Inside the Echo: Dinge, die dir niemand über den Echo sagt

Wir werden nie zum Echo eingeladen, deswegen haben wir uns dieses Jahr selbst eingeladen.

von Viola Funk
27 März 2015, 1:00pm

Seit Anbeginn der Noisey-Zeit wird uns der Zugang zum Echo verwehrt. Jedes Jahr versuchen wir aufs Neue eine Akkreditierung zu erhaschen, aber jedes Jahr werden wir aufs Neue abgelehnt. Könnte natürlich sein, dass das an dem ein oder anderen kritischen Artikel liegt. Vielleicht fürchten die Veranstalter, wir würden den Echo in einem Nachbericht zerreißen oder gar die Bühne Kanye-mäßig crashen. Zugegeben: der Gedanke war sehr verlockend. Aber auch nur, weil die Enttäuschung der jährlichen Zurückweisung beim Akkreditieren sehr tief sitzt (und auch deswegen) und nicht etwa, weil wir den Echo—wie scheinbar der Rest der Menschheit—scheiße finden. Wir lieben Awardverleihungen jeglicher Art und der Echo gehört zu unseren Favoriten.

Da wir dieses Jahr wieder nicht eingeladen wurden, haben wir uns einfach selbst eingeladen, um einen Insidejob zu erledigen. Leider haben wir es nicht auf die Bühne geschafft und konnten Robin Schulz den Preis nicht wegnehmen, aber dafür haben wir andere Erkenntnisse gesammelt, die dir niemand über den Echo verrät und die uns deswegen in die misslische Lage gebracht haben, die DOs & DON’Ts der Echos nicht zu kennen. Wir geben sie jetzt aber an die Öffentlichkeit weiter, damit sich niemand mehr mit lauter blöden Fragen so blamieren muss wie wir.

Du bist nicht cool, wenn du auf die Verleihung gehst

Was uns vorher nicht bewusst war, ist, dass du schon mit Betreten des Saals alle Coolness-Regeln des Echos brichst. Anscheinend kommst du als Gast zwar gegen 19 Uhr zu der Verleihung, die bekanntermaßen um 20.15 beginnt, aber du guckst dort nicht etwa die Show an, sondern hängst in den Räumlichkeiten vor dem Saal herum, um sich dort sehen zu lassen und zu trinken. Jedem, dem du begegnest und erzählst, dass du zur Verleihung in den Saal gehst, guckt dich mit ungläubigen Augen an und fragt nach dem „Warum“. Dass niemand die andere Frage stellt, warum man denn zum Echo gehe und sich den Echo dann nicht anschaue, stellt hier niemand.

Die Aftershow-Party ist überhaupt nicht legendär

Die andere Option ist, nur zur Aftershowparty zu kommen, für die man sich trotzdem ungewohnt schick macht, obwohl die Show ja längst vorbei ist. Das macht sogar der Großteil, schließlich gibt es hier Freisuff und High Society. Auch wenn diese Party einen legendären Ruf hat, spielen die DJs Haftbefehl, um danach gleich AC/DC hinterherzufeuern, oder „Wenn wir kommen“ von Bushido (Ich hoffe, das war ein Insidejob von Bushido). Zudem hängen nur schmierige Typen rum, die sich selbst ganz subtil feiern („Wer hat eigentlich den Preis für … bekommen? Achso, deswegen hat mir jemand gratuliert, ich habe ja das andere … von denen produziert. Mensch, ich war schon ganz verwirrt.“). Die Verleihung lohnt sich zwar hundertmal mehr, aber dort geht niemand hin.


Du musst gerade sitzen

Kurz vor Beginn der Live-Übertragung erklärt ein Mann, der auf der Bühne auf und ab läuft, allen Zuschauern, dass sie doch bitte gerade sitzen sollen, schließlich sind sie in der ARD. Das sind strikte Anweisungen, die beinahe wie eine Drohung klingen. Vielleicht werden Zuschauer auch rausgeschmissen, wenn sie nicht gerade sitzen, das würde zumindest den nächsten Punkt erklären.

Nur Helene Fischer bleibt von Anfang bis Ende

Während der Show gehen und kommen ständig Leute, die koordiniert in einer Traube ihre Sitzplätze verlassen und sogleich von einer neuen Traube ersetzt werden. Lediglich Helene Fischer muss von Anfang bis Ende bleiben, schließlich ist sie ständig im Bild. Vielleicht ist sie aber auch die einzige, die 10 Stunden gerade sitzen kann.


Wenn du hinten sitzt, darfst du gucken, wie du willst

Eine weitere Anweisung, die du von dem höflichen Mann vor Showstart bekommst. Alle sollen bitte die Künstler anschmachten, außer du sitzt hinten, dann darfst du gucken, wie du willst. Aber dann bist du sowieso nicht würdig, die Künstler anzuschmachten.


Der Echo legt viel Wert auf Fleisch

Vegetarisches Essen zu finden, ist sehr schweirig auf dem Echo. Anscheinend legen die Veranstalter sehr viel Wert auf Fleisch. Nicht nur, dass bis spät nachts Tablets mit Fleischspießen, die wie Lollis aussehen, durch die tanzende Menge manövriert werden, die erste und anfangs einzige vegetarische Option ist vegane Currywurst. Selbst wenn es also keine Fleischoption ist, bewahrt der Echo Haltung und tarnt sie als Fleisch. Das ist wenigstens konsequenter, als während der Show die Frei.Wild-Nominierung schlicht stillzuschweigen. An der Salattheke, die später aufmachen sollte, steht zudem ein leicht angewiderter Farid Bang, den niemand gefragt hat, ob er mit ihm Beine trainieren möchte.


Wer die Veranstaltung übersteht, bekommt erstmal eine Flasche Alkohol in die Hand gedrückt

Nach der Veranstaltung, die gefühlte 10 Stunden geht, wirst du erstmal mit Piccolo-Sektflaschen mit Strohhalm überrascht. Da du während der Veranstaltung nicht an Alkohol rankommst (außer du bist klug und hast einen Flachmann dabei) und nur mit einer Menge Wasserflaschen versorgt wirst, kommt diese Geste aber allen recht gelegen.

Auf der Aftershowparty fließt der Alkohol dagegen in Strömen, aber das ist ja nichts, was einem niemand sagt.

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