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Interviews

Dürfen wir vorstellen: Golf, die derzeit spannendste Band aus Köln

Eigentlich hat sich eins der Bandmitglieder auf ein Noisey-Praktikum beworben. Hat leider nicht geklappt, dafür sind Golf jetzt die vielversprechendsten Newcomer Deutschlands.
20.3.15

Vier Typen mit Früh-Twen-Schlafzimmer-Gesichtchen. Sie gehen spät ins Bett, sie trinken Bier um Bier, sie schleifen die Uni durch, sie sind die derzeit spannendste Band aus Köln, sie heißen Golf. Wer das für einen ausnehmend bekloppten Namen hält, kennt sich im deutschen Westen der mittleren Zehner schlecht aus. Die Bands hier nennen sich Woman, Vines, Miami oder eben Golf. Geschmeidig verschränkt Letztere elektronischen Indie mit der Coolness von verspultem Storyteller-Sprechgesang. Eine EP, also 5 Songs, sind diese Slacker alt, Ping Pong heißt sie.

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Wir treffen uns an einer Tischtennisplatte in Köln-Mitte.

[Vor Beginn des Gesprächs bat ein unbekannter Rumhänger die Band um eine Zigarette. Jene bedauerte, man hätte nichts in der Richtung. Spoiler: Diese Info wird gleich noch mal wichtig!]

Noisey: Erste Frage: Wieso raucht ihr eigentlich nicht? Ihr seid doch eine Band.
Wolfgang (Synthies): Also, ich habe schon mal an einer gezogen. Aber nicht auf Lunge.

Ey, ich geh gleich!
Wolfgang: Stimmt, das ist ja hier für Noisey, also auch für VICE.

Gibt es keinen Plan, Rausch als Thema für die Band zu besetzen?
André (Gesang, Gitarre): Meinst Du in den Songs?

Nein, in eurem Werdegang als Musiker natürlich! Wo soll man denn bei euch bloß ansetzen?
André: Wie wäre es mit folgender Headline „Wolfgang war mal mit der Cousine zweiten Grades von Ryan Gossling in Thailand auf einer Ping-Pong-Plopp-Show“?

Ping-Pong-Plopp-Show?
Wolfgang: Kennste nicht? Das war auf jeden Fall dein letzter Job für VICE. Es gibt in Thailand so Sex-Shows, wo Frauen aus ihrer Vagina Tischtennisbälle verschießen.

Da warst du?
Wolfgang: Nein, habe ich mir nicht angeschaut. Aber du läufst dort durch die Straßen und immer hält dich wer auf und fragt „Ping Pong?“, oder guckt dich an und macht einfach nur das Geräusch: „Plopp, plopp!“

[Plopp!] Diese Band besteht seit nicht mal einem Jahr. Was in der Zeit allerdings bereits alles geschah, ist erstaunlich. Ausverkaufte Konzerte, Festivalauftritte und Tobias Thomas, das elektrische Trüffelschwein vom Rhein, der DJ der Herzen und von Kompakt, hat die Jungs persönlich aufs nächste Level gehoben. Von da an ging‘s wie von selbst. Golf nutzen Geräusche von Alltagsgegenständen, Staubsauger, Bratpfannen, Haustürschlüssel, Müslischüssel, Kleingeld und Gewürze. Ergebnis ist kein sperriges Fieldrecording, alles dient ihrem obersten Fetisch, dem lässigen Song. Das Stück „Ping Pong“ ist zum Beispiel eine Sau von Ohrwurm.

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Wolfgang: Ich habe mich ja mal mit einem Probeartikel bei Noisey als Praktikant beworben und es kam zu einem Vorstellungsgespräch. Aber ich hätte nach Berlin ziehen müssen—also habe ich es gelassen.

Und wie war die Überschrift bei deinem Text?
Wolfgang: Keine Ahnung, aber ich habe so richtig Noisey-mäßig geschrieben.
André: War das nicht was mit Jennifer Rostock in einem Flugzeug?

[Dem Autoren dieser Zeilen liegt mittlerweile der Probeartikel (irgendwas Durchgedrehtes über Eminem) sowie das Bewerbungsschreiben von Wolfgang Petrasch an Noisey vor. Letzteres startet mit der wenig formalen Begrüßung „Hallo“, verzichtet auf einen tabellarischen Lebenslauf dafür aber nicht auf folgenden Satz „Ich würde all mein Geld in ein Flugzeugbanner mit der Aufschrift ‚Frida Gold hören mach Krebs‘ investieren“. Mit anderen Worten: Ein großer Verlust für die Firma!]

Aber mal was anderes, wir wurden vorhin um eine Zigarette angeschnorrt, ihr hattet keine, jetzt sehe ich euch aber rauchen? Wie niedrig ist eigentlich der soziale Faktor bei Golf?
Nils (Bass): Also …
Wolfgang: Einfach nicht antworten!

Okay, kapiert. Auf eurem Song „Ping Pong“ sind die typischen Geräusche des Spiels reingesampelt und fürs Interview habt ihr mich in den Klingelpütz Park zur Tischtennisplatte bestellt. Wie wichtig ist eigentlich Ping Pong für euer Leben?
André: Wir haben ein ganz normales Verhältnis zu diesem Sport. Aber wenn irgendwo eine Platte steht, dann zocken wir auch und steigern uns total rein.
Jonathan (Schlagzeug): Also bei unseren Konzerten hätten wir ab jetzt gern immer eine.

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Wie empfindet ihr denn die aktuelle Kölner Musikszene? Ihr seid ja aus Essen ganz bewusst hierher und fast komplett umgesiedelt.
Jonathan: Mich pusht das tatsächlich. Wenn ich ausgehe und sehe, was die anderen so drauf haben. Köln hat da echt gerade eine Ausstrahlung.
Wolfgang: Ich bekomme schnell Fressneid. Also, wenn jemand Eis isst, will ich auch eins. Und wenn wer ein geiles Konzert gibt, kann ich meistens nur denken: Ey, Mann, ich würde gern selbst jetzt eins spielen! So kann ich manchmal einen Auftritt von befreundeten Bands gar nicht genießen, weil ich ihn zu gut finde.

Ich finde diese Entwicklung großartig für Köln. Lange Zeit standen Bands von hier eher singulär in der Musiklandschaft und haben den verdienten Sprung nie schaffen können. Eine Band wie Wolke zum Beispiel.
Golf: ???

Kennt ihr nicht? Die machen jetzt viel unter dem Namen Die Sonne.
Golf: ???

Oder Angelika Express… Wie, kennt ihr auch nicht?
Wolfgang: Wie sollen wir die auch kennen, wenn sie es nie geschafft haben?
André: Die Namen sind allein schon nicht so gut… Vielleicht lag’s daran.

Und was ist mit Miami—ganz neue Band, spielen auch welche von Timid Tiger mit?
Wolfgang: Timid Tiger! Nach denen werde ich so oft gefragt: „Wie, Wolle, die kennst du nicht?“

Ey, ich schlag euch nachher mal bei Facebook als Freunde vor.
Wolfgang: Ach, das kann man machen? Freunde vorschlagen bei Facebook?

Wie lange hast du schon Internet, wenn ich fragen darf?
Wolfgang: Zu lang, gestern gab’s einen Frape von André gegen mich.

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Frape?
Wolfgang: Ha, wie lange hast du denn schon Internet?! Das meint Facebook und Rape. Wenn man sich nicht ausgeloggt hat am Rechner und wer anders sitzt dann dran und missbraucht diese Machtposition.
André: Wolfgang hatte noch so ein Video auf dem Computer, wo er Nils sehr lasziv einen Basslauf zeigt, bisschen Zunge ist dabei. Das habe ich dann gepostet mit so einem Text, der schon total spasti war, aber dass man gerade noch denken könnte, er hätte es selbst geschrieben.

Hast du es dann gleich wieder gelöscht?
Wolfgang: Nee, das ist der Beitrag mit meinen meisten Likes geworden.

Die neue EP Ping Pong kannst du dir auf iTunes kaufen.

Golf ist auch bei Facebook.

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