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Ich wollte ein kleines Picknick veranstalten, jetzt habe ich einen Rave vor mir

Eigentlich wollten wir ein kleines Come-Together schmeißen. Jetzt haben wir fast 900 Zusagen. Was ist da passiert.
21.4.15

Update: Seit dem Artikel ist klarerweise einiges passiert. Es sind noch an die 400 Zusagen dazugekommen, wir hatten ab und an mit Magenkrämpfen, Panikattacken und ungefähr 50 ungelesenen Nachrichten von DJs, die gerne auflegen würden, zu tun. Tut uns leid, wenn wir nicht geantwortet haben—aber jedem einzelnen zu erklären, dass wir keinen Ort haben, würde uns in eine Depression stürzen. Wir sind aber nach außen hin cool geblieben und wir hatten auch Tage die von Hoffnung und Optimismus geprägt waren. Vor allem haben wir versucht uns auf die eigentliche Party im Werk zu konzentrieren—also die, in der wir finanziell drinnen sind. Ablenken vom Desaster also. Wie sind wir vorgegangen?

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Option A—also das Absagen—ist ja Dank unserer Poké-Mentalität, niemals eine Option gewesen. Das wurde nie besprochen und ist auch nie erwähnt worden—außer von mir in diesem Artikel.

Option B—also ein illegaler Rave—war schon eher im Gespräch. Kathi, unsere Tekk-Expertin, hat ihre Fühler ausgestreckt und sich ernsthaft erkundigt. Jedoch war bei unserem gemeinsamen Treffen auch von ihrer Seite aus klar, dass das nicht funktionieren wird, weil wir ziemliche Schisser und Newbies sind. Außerdem waren wir vier uns einig, dass wir das moralisch nicht vertreten können. Kein hausgemacht-Gast soll mit der Polizei zu tun haben, nur weil er gerne tanzt. Dennoch—Infos haben wir uns geholt und das Wissen schlummert nun in unseren Köpfen. Außerdem haben wir insgesamt vier Anlagen angeboten bekommen, danke euch.

Option C—unsere Wunschvorstellung eines Open-Air-Lokals—hat nach vielen Stunden der Ungewissheit dann doch geklappt. Wir haben mit dem Porto Pollo telefoniert, sind einzeln vorbeigekommen—sie würden uns nur eine Zusage geben, wenn der Wetterbericht verlässlich ist. Das wäre frühestens am 02.05. Die Party wäre sechs Tage drauf. Haha, sehr witzig. Unmöglich, da auf eine Absage rechtzeitig zu reagieren, vor allem weil Österreichs Bürokratie gerne Bearbeitungszeiten in Wochen und nicht Stunden zählt. Die Summerstation hat sich ewig nicht rückgemeldet, aber eine von uns, Bibi, hat es doch geschafft, einen Termin für heute Mittag auszumachen. Jetzt dann die Info: Es geht alles klar! Also fast alles. Keine Getränke und Speisen IN der Summerstation, OFFIZIELLES Ende um 04:00. Aber das ist gerade voll okay für uns, weil wir keine Magengeschwüre mehr haben. Wir schreiben schon glücklich bei uns im Chat, wie eh klar war, dass es kein Problem sein wird. Eh. Immer klar.

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Option D—ein legaler Raum—war unser Plan B. Kathi studiert Jus, ich mache mein EC drin, wir haben die letzten Tage Kodexe durchgeblättert und Leute gefragt. Fest stand: Kundgebung it is. Demos bewegen sich nämlich. Kundgebungen nicht. Fest stand auch: In Wien draußen eine Party zu schmeißen, ist ungefähr so einfach wie seine Wohnung staubfrei zu halten. Die Politik, Bürokratie und das Rechtssystem mögen eher Land- und Firmenbesitzer als mittellose junge Menschen, die gerne draußen tanzen. Einige Kollektive beschäftigen sich schon mit dieser Problematik. Letzte Woche habe ich mit meinem Chef Jonas über das Platzproblem gesprochen. Seine Reaktion war: „ Ja, dann meldest du halt eine Kundgebung an… ach so, das geht ja jetzt nicht mehr, wegen dem Artikel.“ Oh. Der Polizei zu erklären, dass wir eine Kundgebung machen, nach dem ich einen Artikel über einen Open-Air-Rave geschrieben habe—ich bin mir selbst mein größter Feind. Außerdem sind zwei von uns keine österreichischen Staatsbürger, wobei das noch geringste Problem wäre. Die nächste Problematik—angenommen die Polizei sagt OK zu der Kundgebung—eine Kundgebung von was? Für was? Gegen was? Die hausgemacht-Prämisse Nummer zwei ist, dass wir nicht politisch werden. Nicht weil wir nicht politisch sind—das sind wir sehr wohl—aber es geht bei uns einfach nicht um Politik. Es geht um Partys und offene Menschen und verschiedene Ansichten und Meinungen.

Option E—also wir machen nichts—ist sehr schnell verworfen worden. Genau wie der illegale Rave, wäre das einfach den Gästen gegenüber ur unfair.

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Option F—dass es regnet—besteht noch immer. Und es wäre noch immer „Hahahahaha. Scheiße.“

Was ich also als Tipp weitergeben kann, wenn euch etwas ähnliches passiert oder ihr Bock habt Partys zu schmeißen: Redet mit so vielen Leuten wie möglich darüber. Jeder hat verschiedene Erfahrungswerte und Wissensstände, jedes Gespräch kann euch neue Einsichten bringen. Versucht Partys nicht alleine zu schmeißen—es ist immer schöner, gemeinsam hysterisch zu sein. Wir sind nicht auf Gewinn aus, und ich weiß, dass Partys die geschmissen werden um Kohle zu machen, lieber bei wenigen Veranstaltern bleiben. Aber in verzwickten Situationen ist es kontraproduktiv. Ein gutes Team ist psychologisch und organisatorisch unheimlich wertvoll.

Das ist davor passiert:

Ich gestehe: Ich veranstalte gelegentlich Partys. Eigentlich ziemlich selten, immer mit meinen hausgemacht-Ladys und irgendwie auch immer ein bisschen naiv und unprofessionell. Wir überlegen nicht viel, sondern machen halt einfach, und es geht sich irgendwie immer aus. Deshalb lest ihr von mir hier zwar gelegentlich lustige Erlebnisaufsätze von Abenden, bei denen ich mich völlig betrunken habe, aber weniger kluge Analysen über die Szene in Wien, Facebookevents oder Gästelisten. Das können Leute wie Rudi Wrany oder mein Chef Jonas einfach besser. Trotzdem will ich jetzt mal kurz die Geschichte aufschreiben, wie ich in die Facebook-Party-Falle getappt bin wie ein idiotischer Teenager im Jahr 2011 oder so.

Am 14.5 macht hausgemacht eine zwei-Floor-Party im Werk. Das bedeutet viel Platz für einen Donnerstag, obwohl am nächsten Tag Arbeitstag ist. Die anderen Partys haben so gut funktioniert, weil wir eine lockere-loyale Crew sind, die sich gegenseitig beim Einladen, Dekorieren, Musik-machen und Pickerl kleben—also eigentlich überall—unterstützt. Um diese lockere-loyale Crew zu huldigen und Danke zu sagen, wollten wir sie alle mal zu einem ungezwungenen Picknick einladen. Wir haben mit der Seite von hausgemacht eine Veranstaltung erstellt, eingeladen waren 30 bis 50 Menschen. Sachen die ich beim Veranstaltungstext nicht beachtet habe: Groß- und Kleinschreibung, eine genaue Ortsangabe, musikalische Begleitungsangabe und einen cooler Banner. Den Veranstaltungbanner seht ihr hier, ich habe ihn am Sonntag im Bett während des RTL-Schauens erstellt.

Warum wir auf diese Sachen geschissen haben? Weil es für ein paar Hawis gedacht war und ein Picknick nicht so schwer zu organisieren ist. Wir haben auch nur die besagten 30 Hansln eingeladen, ganz beruhigt und auf gutes Wetter hoffend ging ich ins Bett. Zwar öffentlich als hausgemacht erstellt—aber nirgendwo reingepostet, keine Werbung, keine Mühe beim Text, kein Line-Up—was wird schon groß passieren?

Am nächsten Tag, am Weg in die Redaktion, check ich die Veranstaltung—150 Zusagen. OK, was ist passiert? Open-Airs in Wien haben uns gepostet und so den Anschein eines fetten Raves geweckt. Nun, es ist Dienstag 10:05 und es sind 837 Zusagen. Versteht mich nicht falsch: Es freut uns sehr, solche Kreise als Veranstaltung zu ziehen—837 Menschen haben mein cooles Paint-Artwork gesehen. 837 Menschen haben das Wort „hausgemacht“ gelesen. 837 Menschen werden von unserer Party im Werk hören, weil wir sie da reinposten können. 837 Menschen sind ein Brocken an Zahl, die uns natürlich eher freut als besorgt. Dennoch war eher ein Selbstversorger-Picknick geplant und nicht ein fast 900-Menschen.Rave. Jaja, nie im Leben kommen tatsächlich 837 Menschen—wie lügnerisch da Facebook sein kann, weiß jeder der auch nur eine private Geburtstagsparty gefeiert hat. Jonas hat letzte Woche einen ziemlich treffenden Artikel über die Tücken von Facebook geschrieben. Wahrscheinlich kommen nicht mal 500. Aber es kommen jetzt auch keine 30 Menschen—es kommt einfach eine unplanbare Zahl an Individuen ab 15 Uhr am 8.Mai auf die Donauinsel. Was machen wir mit Ihnen?

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Option A—Absagen

Never. Zu stolz. Pokémon hat mir beigebracht mich Herausforderungen zu stellen und nicht wie Team Rocket „ein Schuss in den Ofen“ zu sein. Außerdem haben wir das Veranstalten nicht angefangen um abzusagen. Sondern aus Leidenschaft am Partys schmeißen. Diese fast 900 Menschen möchten wir also ernsthaft unterhalten. Niemals Absagen, es wäre nur eine absolute Notlösung.

Option B—illegaler Rave

Mit illegalen Raves habe ich folgende Erfahrungen: ein paar Mal teilgenommen, kenne drei Veranstalter, weiß wie man einen Stecker in die Steckdose steckt, kann fünf Meter laufen ohne Hinzufallen. Ja, ich könnte mich mit ihnen zusammenreden. Ich könnte mir deren Technik-Schnick-Schnack ausborgen und erklären lassen. Es sind gute Freunde, die mich durch das Ganze, babyweich Durchtragen würden—von Ort bis Ausstattung—ich weiß, das. Hab euch lieb, Jungs. Aber will ich das? Jetzt schon AchtColaAchtBier? Kann man 837 Menschen öffentlich auf Facebook sagen, dass wir jetzt ein illegaler Rave sind? Und ich finde es moralisch wichtig, dass zu erwähnen. Jeder soll die freie Wahl haben gesetzeskonforme Sachen zu besuchen. Es fällt also eher weg, schon allein weil der Organisationsaufwand ins Unermessliche steigen würde.

Option C—wir finden ein Open-Air-Lokal

Okay. Es ist wohl eher klar, dass wir jetzt nicht mit der Veranstaltung irgendwo nach „Drinnen“ gehen können. Wir freuen uns ja auch über ein Open-Air. Und eine unserer hausgemacht-Prämissen ist Spaß an der Sache. Wir machen also nichts fürs Geld (wir versuchen nur ein Selbstläufer zu werden), wir machen nichts, was wir nicht machen möchten und vor allem wird nichts gemacht was wir nicht selber besuchen würden. Wir würden nicht eine Veranstaltung besuchen die nach Open-Air klingt und dann irgendwo in einen Keller verschoben wird. Weil das ist Verarsche. Deshalb müsste es ein Open-Air-Lokal sein—wir versuchen gerade eins zu finden, dass Bock auf viele Kunden hat. Aber wo kein Kosumzwang für Nicht-Kunden besteht. Und die Lust auf unsere DJs haben, die gratis—weil Spaß an der Sache—auflegen würden. Zwinker-Zwinker, Lokale meldet euch. Außerdem beten wir zu allen Hauptreligionsgottheiten, dass Option C aufgeht—weil es die angenehmste Lösung für alle wäre. Für uns, für die Gäste und für das Lokal. Wir sind auch mit einem Lokal auf der Donauinsel im Gespräch—es wäre perfekt. Mit im Gespräch meine ich, dass wir fünf panische Nachrichten und drei hysterische Anrufe hinterlassen haben. RUFT ENDLICH ZURÜCK!

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Option D—wir besorgen uns einen legalen Raum

Hm, auch da würde ich Leute kennen die mir helfen könnten. Aber die Gesetzeslage, Bürokratie und alles drum und dran? Ich weiß ja nicht mal mehr, welche Partei da momentan die Beste wäre. Wir wollten ein Picknick machen! Ganz ehrlich—vom Aufwand her kommt es auf das Ausmaß des illegalen Raves und da finde ich den illegalen Rave cooler. AchtColaAchtBier. Oder wir melden ne Demo an, damit würden wir uns noch am ehesten identifizieren.

Option E—wir machen gar nichts und es gibt halt ein großes Picknick.

Eine Hochrechnung: Wenn die Polizei 1200 Einsatzkräfte für 20 Punks in einem Haus braucht, wie viele Einsatzkräfte würde sie für 800 Raver auf der Donauinsel brauchen? 48.000. Österreich hat halt leider nur 23.000. Außerdem erwarten sich diese Menschen jetzt Musik—wir werden von Facebook und unserem Anspruch jetzt unter Druck gesetzt eine coole Party zu werfen. Was geil ist und wo wir uns gerne beweisen. Ja, wir schaffen das!

Option F—es schifft am 8.5 um 15 Uhr

Hahahahaha. Scheiße.

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Fredi schreibt auf Twitter weniger als hier: @schla_wienerin

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