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Ein Versuch die Meme-Qualitäten von Drake zu verstehen

Drake ist einer dieser Menschen, der nur ins Klo furzt und dann abspült. Warum ist er immer noch so populär?
05 Mai 2014, 4:00pm

Er ist so rücksichtsvoll, dass er nur Grand Theft Auto spielt, um die Nutten zu retten.

Er ist so awkward, dass er seinen Kumpels von hinten die Augen zuhält und fragt: „Wer bin ich?“

Er ist so sensibel, dass er einen Furz im Klo runterspült.

Wie zur Hölle kann Drake so erfolgreich sein, wenn die Menschen unaufhörlich so großartige Witze auf seine Kosten machen? Diese Frage beschäftigt mich nun schon eine ganze Weile, weil ich Drakes Musik wirklich gerne mag. Sie ist super, um dabei Auto zu fahren—vor allem alleine im Regen, während man sein Gefühlsleben reflektiert. Aber mit Drakes Musik geht—in Form eines niemals enden wollenden Stroms von Memes—die Tatsache einher, dass Drake einfach ein unglaublich schmalziger Typ ist.

Es scheint paradox: Warum sollte ich einen Rapper besser finden, je mehr dumme Witze auf seine Kosten gemacht werden? Kann ich „Hold On We’re Going Home“ wirklich noch genießen, wenn es ein Meme gibt, auf dem E.T.s Kopf im Fahrradkorb der berühmten finalen Szene durch den von Drake ersetzt wird und dazu der Schriftzug „Just Hold On, We’re Going Home“ geschrieben steht? Werde ich an einem gewissen Punkt nicht selber Ziel der Drake-Verarsche, wenn ich weiter zu ihm stehe und wir uns am Ende beide aneinander klammern und fragen, warum sie uns das antun? Und warum ist Drake überhaupt so ein Meme-Opfer geworden?

Um Antworten auf diese bewegenden Fragen zu bekommen, suchte ich den Rat des Popkultur- und Online-Humor-Experten Michael Arceneaux, der Artikel für Ebony und The Atlantic schreibt, und des Twitter-Comedians Desus, der außerdem hinter Complex’s Podcast „Desus vs. Mero“ steckt. Wenn es nach Desus geht, ist Drake nicht einfach Meme-würdig geworden, er schöpfte viel mehr die Vorteile aus der Tatsache, dass er quasi schon eine wandelnde virale Kampagne für die Verkörperung von Softness war.

„Ich glaube, dass Drake am Ende der GOAT (greatest of all time) Rapper wird, was Social Media angeht“, schrieb mir Desus per E-Mail. „Er begann als leichtes Ziel für Memes, erkannte schnell den Wert darin, Teil des Social Media Contents zu sein, und fing an, absichtlich Situationen und Fotos zu provozieren, von denen er wusste, dass das Web 2.0 sich danach die Finger lecken würde. Die Geschichte mit dem Fusselroller beim Raptors Spiel? Einfach genial! Auch eine Woche später ist er immer noch Gesprächsthema bei Twitter/Tumblr/Sportscenter/etc. Er hat den Wert von diesem ganzen Scheiß erkannt und ihn sich total zum Nutzen gemacht.“

Zu dem Zeitpunkt als Desus mir das schrieb, machten die Leute immer noch Witze über Drakes Fusselrollerobsession. Ein paar Tage später aber reagierte Drake offiziell darauf und die Raptors gaben bei ihrem Playoff Heimspiel gegen die Brooklyn Nets von Drake inspirierte Fusselroller an 1.200 ihrer Fans raus. Die Fans hatten jetzt Drake-Produkte in ihren Händen und Drake war Gesprächsthema auf allen Social Media Kanälen—so etwas nennen die Profis „interaktives Marketing“—glaube ich jedenfalls. Es gibt Firmen mit riesigen Marketingteams, die nur der hoffnungslosen Aufgabe gewidmet sind, ihre Produkte zum Gesprächsthema Numero Uno bei Twitter zu machen. Drake hingegen scheint das mühelos zu gelingen, in dem er einfach nur versteht, womit er die Erwartungen an sein Meme erfüllt. Drake weiß ganz genau, was er tut.

Its real pic.twitter.com/FosoPc9RAF

— Octobers Very Own (@welcomeOVO) April 30, 2014

Die ganze meisterhafte Selbstvermarktung jetzt mal beiseite gelassen, kann man, wie Michael anmerkt, Drakes Memequalitäten auf seine Nerdyness runterbrechen. Natürlich ist Drake in erster Linie für seine großen Gefühle bekannt, aber letztendlich ist es seine Trotteligkeit, die die ganze Liebe/den Hass/den Buzz im Internet auf ihn zieht.

„Ich mag Drake, aber es ist wirklich zu einfach, sich über ihn lustig zu machen“, erklärt Michael. „Ich mache pausenlos Witze darüber, dass er soft und sensibel ist. Er ist quasi der Sade des Rap oder so etwas in der Art, aber eigentlich mag ich ihn. Ich mag ihn vor allem dafür, dass er nicht so wie alle anderen ist. Andere Rapper wie DMX sind viel emotionaler, aber Drake ist halt dieser softe und irgendwie schnulzige, lächerliche Typ.“

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Kritik, Huldigung und Kommunikation auch über GIFs und Memes im Internet geäußert werden. Es ist also nur logisch, dass dies auch die Mittel und Wege sind, auf denen wir über unsere Star-Rapper reden. Und, wie Michael anmerkt, ist Drake der erste Rap-Megastar der Internetära, was bedeutet, dass er diesem schwachsinnigen Kram schon ausgesetzt war, als er auf der Bildfläche erschien.

„Drake ist außerdem das neue Gesicht des HipHop“, sagte Desus. „Es ist jetzt nicht mehr nur ein Ding von Schwarzen in Innenstädten. Drake hat schwarze und weiße Vorfahren, ist Jude und kommt aus einer heilen Familie in Kanada, aber trotzdem ist er genau so wichtig und authentisch wie jeder andere Rapper, weil er einfach widerspiegelt, wo HipHop heutzutage steht. Wir haben nicht mehr 2001—der Durchschnittsrapper trägt keine Dickies mehr und hat nicht pausenlos einen Blunt hinter den Ohren stecken. Und ich glaube, dass es Menschen gibt, die sich darüber aufregen, dass jetzt ‚das Andere’, der ‚neue Normalzustand’ geworden ist.“

Wir haben hier also einen Rapper, mit einem neuartigen Hintergrund und einer neuen Art von internetaffinem Fan, der für alle Späße zu haben ist. Drake macht es einem einfach, sich über ihn lustig zu machen, was es mir letztendlich leichter macht, für mich in Einklang zu bringen, warum ich Drakes Musik trotz der ganzen Memes noch immer mag. Drakes Musik ist Drake und genau so sind es auch die Drake-Memes. Drake zu mögen, heißt eben auch, das komplette schmalzige Paket zu mögen. Drake ist sich des finanziellen Potentials durchaus bewusst. Wahrscheinlich sitzt er gerade an dem Wasserfall in seinem Anwesen, nippt Weinschorle und macht Memes von sich selber—es würde mich nicht wundern, wenn Drake dem ganzen Selfpromozirkus derartig weit voraus wäre.

Es gibt aber auch Memes, die in die unrühmlichen Gefilde von Mittelstufenrassismus und -homophobie abdriften. Diese haben es in erster Linie auf Drakes helle Hautfarbe und seine feminine Seite abgesehen. Wie soll man damit umgehen? Während es einige davon wirklich zu weit treiben und letztendlich nicht mehr lustig sind, gibt es andere, die noch einen gewissen Humor ausstrahlen. Und tatsächlich war das erste Drake Meme, auf das ich aufmerksam geworden bin, jenes in dem er in ein enges pinkes T-Shirt gekleidet ist, auf dem „Team Light Skin“ geschrieben steht, während er mit ungewöhnlich blasser Haut elegant hinter einem Mac sitzt, einen fancy Drink vor sich und nachdenklich/misstrauisch zur Seite schaut.

Dieses Meme beinhaltet zwar die problematischeren Aspekte eines Drake Memes—Hautfarbe und Feminität werden als Witz eingesetzt—gleichzeitig ist es aber so unglaublich bescheuert, dass ich nicht anders konnte, als mich kaputt zu lachen. Macht mich das jetzt zu einem schlechten Menschen?

„Für mich sind das nur Witze“, sagt Desus. „Mir gefällt Drakes supersofte Musik, aber in den Memes schwingt definitiv ein Hauch von Rassismus/Homophobie mit, die sie jedoch auf eine fiese Art lustig machen und die eigentlich nur durchgehen weil Drake 35 Millionen Dollar schwer ist. (Amerikanische Dollar. Keine Ahnung, womit die da oben in Kanada bezahlen. Ahornblätter?). Drake ist der König unter den hellhäutigen Schwarzen und dieser Titel bedeutet, dass er alle Steine kassieren muss, die auf meine gelbfarbigen Brüder geschleudert werden.“

Michael fügt hinzu, dass Drakes Style ziemlich genau einem komischen Stereotyp in der schwarzen Subkultur entspricht: „Drake wird an sich schon als Softi wahrgenommen und hellhäutige Typen werden ebenfalls als soft wahrgenommen. Das macht ihm zu einer Art Witz oder Stereotyp dieses Klischees. Die Tatsache, dass er so unbeholfen und weinerlich ist, spielt da perfekt mit rein.“

Wie die meisten Dinge, die mit Drake zu tun haben, scheint Drake auch hier die seltene Begabung zu haben, genau dort zu stehen, worüber auch immer gerade gesprochen wird: Seien es nicht ganz ernst gemeinte, rassistische Sticheleien oder die NBA Playoffs. Bei Drake gehören die Memes einfach dazu, aber werden wir jemals eine Ära erleben, in der Drake die Meme-Realität durchbricht?

„Irgendwann müssen die Drake Memes aufhören“, sagte Desus. „Er ist jetzt 27 und sieh mal, was er schon alles erreicht hat. Er hat regelmäßig Sex mit Rihanna, ist Gastgeber bei SNL, er ist das Aushängeschild der Raptors. Jay war mit 27 nicht mal in Reichweite dieser ganzen Sachen. Stell dir mal Drake mit 30 vor. Aber Drake ist nun mal Drake und wird deswegen wohl dafür sorgen, dass weiterhin Memes von ihm auftauchen. Er ist der Meme-GOAT.“

Die Geschichte der Drake Memes ist eine mit vielen unterschiedlichen Ebenen und hat mit großer Wahrscheinlichkeit gerade erst begonnen. Dank Drake hat das Internet einige seiner besten Memes bekommen. Wo wären wir jetzt ohne Drake? Aber vielleicht ist die eigentlich viel wichtigere Frage auch: Wo wäre Drake ohne Memes?

Ray Downs ist so einer, der unruhig an seinem Rechner sitzt und sich fragt, warum du seinen Artikel noch nicht bei Facebook geliked hast. Du kannst ihm auch bei Twitter folgen: @RayDowns

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