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Die Top 10 der Death-/Metalcore-Videos beweist, dass diese Genres Anti-Mainstream bleiben

Wenn nur so wenige Bands die zehn erfolgreichsten YouTube-Videos abliefern, ist diese Musik doch weniger kommerziell erfolgreich, als gedacht.

von Noisey Staff
05 Juli 2016, 2:34pm

Metalcore und Deathcore—die verhassten Kinder des Metal. Du machst dich bis heute nicht cool, wenn du damit prahlst, diese Genres zu lieben. Nicht so schlimm wie Nu Metal, aber lange nicht so true wie Thrash, Black oder Death Metal. Dabei ist der häufigste Vorwurf: zu glattpoliert, zu unreif und schlicht zu sehr auf kommerziellen Erfolg getrimmt. Da das Argument, etwas sei Scheiße, nur weil es Erfolg hat, auch 2016 noch komplett sinnfrei ist, haben wir uns auf YouTube mal nach den zehn erfolgreichsten Videosdes Metal- und Deathcore umgeschaut. Und siehe da: Die Top 10 besteht gerade mal aus vier Bands! Wenn die Spitze nur von so wenigen Bands erreicht wird, heißt das im Umkehrschluss doch nur, dass die Genres doch weiter jenseits des Mainstreams wüten, oder?

20 Millionen: Bullet For My Valentine—„Hearts Burst Into Fire“

Die Top 10 beginnt zurzeit mit einer schnulzig anmutenden Ballade einer Band, die Mitte der 00er unverschämt erfolgreich damit war, Metalcore mit poppigen Emo-Gesang zu kreuzen: Bullet For My Valentine. Du erinnerst dich vielleicht noch an sie, sie haben dir „Hand Of Blood“ ins Ohr gesäuselt, um dich in die Welt des Metalcore zu entführen. Warum taucht hier aber nicht die blutige Hand, sondern ausgerechnet „Hearts Burst Into Fire“ auf? Das Video ist ja nichts weiter als die standardisierte 0815-Variante von durchschnittlichen Live-Backstage-Tour-Montagen. Immerhin, der Song ist nach dem Fingernagel-ziehendem Intro ziemlich mitreißend—auf eine „Wir sind ewige Teenager!“-Art.

26 Millionen: Bullet For My Valentine—„Scream Aim Fire“


Regional gesperrt, hier der Original-Link

Weiter geht es mit einer Band, die Mitte der 00er unverschämt erfolgreich damit war, Metalcore mit poppigen Emo-Gesang zu kreuzen: Bullet For My Valentine. Du erinnerst dich vielleicht noch an sie, sie haben dir „Hand Of Blood“ ins Ohr gesäuselt, um dich in die Welt des Metalcore zu entführen. Trotzdem ist der Song immer noch nicht dabei, nein hier wird dir „Scream Aim Fire“ gegen die Schläfen geprügelt. Das „Hand Of Blood“ des zweiten Albums eben. Nach dem unfassbar erfolgreichem Debüt war scheinbar wenig Budget für vernünftige Videos übrig, denn auch hier wurde sich unverhältnismäßig zurückgehalten. Günstig und altbewährt: Band performt in einer Lagerhalle. Immerhin sitzen die Screams von Sänger Matt wie seine perfekt geglätteten Haare.

28 Millionen: Asking Alexandria—„A Prophecy“

Asking Alexandria—sind die überhaupt Metalcore? Zugegeben, sie haben scheinbar weniger mit Poison the Well oder Unearth und mehr mit Silverstein und Mötley Crüe gemein. Und auch „A Prophecy“ beginnt wie ein schlechtes Klischee: Lustlos programmiertes Klaviergeklimper und Streichergefidel, eingeblendete, pseudointellektuelle Phrasen und eine ins Wasser eintauchende Schönheit sorgt anfangs für angewiderte Blicke. Aber dann kickt sofort die Strophe rein, es wird rumgegrunzt, geschrien und androgyn gesungen. Dazu steht die Band des Nachts im strömenden Regen und zeigt artig ihre Choreografien und theatralischen Posen. Wenn man sich drauf einlässt, kann man sich dann sogar mit der trancigen Untermalung des Breakdowns arrangieren.

31 Millionen: Bring Me The Horizon—„Pray For Plagues“

Eigentlich ist „Throne“ mit über 40 Millionen Views das erfolgreichste Video von Bring Me The Horizon—mit Core hat das aber nichts mehr zu tun. Die Zeiten, in denen die Jungs Hassbolzen wie eben „Pray For Plagues“ rausgehauen haben, sind eben fast zehn Jahre vorbei. Damals hat der Song und das dazugehörige Album Count Your Blessings das Bastardgenre Deathcore in sämtliche Kinderzimmer getragen. Wenn man sich heute das Video anschaut, irgendwie schwer nachvollziehbar: Da sind doch nur verwackelte Aufnahmen von Sänger Oli Sykes, wie er aus der Dunkelheit heraus den Zuschauer anschreit und sein Gesicht immer wieder von billigen Comic-Effekten verzerrt wird. In gewisser Weise stylisch und auch einzigartig, aber dass sich das alles in derart riesige Arenen bewegen würde, hätte der Regisseur wohl nicht gedacht.

32 Millionen: Bullet For My Valentine—„Your Betrayal“

Band, Mitte der 00er unverschämt erfolgreich, kreuzt Metalcore mit poppigen Emo-Gesang: Bullet For My Valentine. Schon wieder. Denn auch mit dem dritten Album bricht der Erfolg der Waliser einfach nicht ab. Dabei braucht „Your Betrayal“ eine Ewigkeit, um endlich mal aus dem Arsch zu kommen. Erst ab 01:20 Minuten guckt Matt endlich in die Kamera, um böse zu flüstern und wenig später den aufpeitschenden Refrain abzuliefern. Und auch das Video enttäuscht: Die Band spielt ihren Fünfminüter zwischen faul lodernden Flammen, immer wieder wechselt die Szenerie zu einer Frau, die kunstvoll irgendwas Kunstvolles macht. Nichts hiervon rechtfertigt derart viele Views.

34 Millionen: Asking Alexandria—„Not The American Average“

Wenn du mal einen Beweis brauchst, dass diese Jugend verdorben und nicht zu retten ist, hier ist er: „Not The American Average“, die frauenfeindliche Teenie-Metal-Hymne von Asking Alexandria. Glücklicherweise wurde beim Video darauf verzichtet, irgendwelche zum Text passenden Bilder zu zeigen. Lieber wird ihr Konzert und die den Song mitgrölenden und abfeiernden Fans gezeigt. Ein paar Dinge irritierten: Sänger Worsnop sieht aus wie Euron Greyjoy aus Game Of Thrones (und sogar seine Breakdown-Rede erinnert an die Kingsmoot-Szene), diese verdammten Monster-Energy-Banner und die Löwenmähne des Gitarristen. Aber hey, solange alle Spaß haben.

40 Millionen: Bullet For My Valentine—„Waking The Demon“

Wieder diese Band. Metalcore und poppiger Emo-Gesang: Bullet For My Valentine. Aber ehrlich, so verflucht perfekt ihre musikalische Formel auch funktioniert, was ihre Musikvideos angeht, haben sie oft einfach ein verdammt unsicheres Händchen. Für „Waking The Demon“ mixen sie „Band spielt im Wald“ mit „Emo-Nerd wird in der Highschool gemobbt und rächt sich“—als CGI-Werwolf. Dass sich diese Grütze wirklich so viele Menschen angucken, lässt küchenpsychologisch tief in die Seele der Jugend blicken. Zumal der Typ am Ende nicht mal seine Traumfrau bekommt. Spoiler, Achtung.

45 Millionen: Asking Alexandria—„The Final Episode“

Das Video zu Asking Alexandrias „The Final Episode“ ist so unfassbar Emo, dass sich die Fingernägel, die Wimpern und sogar die Haupthaare von ganz alleine schwarz färben. Wieder performt hier eine Band in einer Lagerhalle, sieht dabei dank des farblosen Filters wie eine Vampir-Boyband aus und sonst … passiert nichts. Dafür boxt sich der Song aber von Anfang bis Ende ins selbstbemitleidende fehlende Selbstbewusstsein.

51 Millionen: Suicide Silence—„You Only Live Once“

Ist das wirklich schon fünf Jahre her? Suicide Silences unkitischige Generation Y-Hymne „You Only Live Once“ hat bis heute nichts an ihrer zerstörerischen Wucht verloren. Was könnte besser sein, als eine Band auf einen Schießstand zu stellen und sie von ach so anständigen Bürgern in CGI-Blut zerfetzen zu lassen? Abgesehen davon, dass das ein verdammt erschütterndes Statement zur Waffengeilheit der US-Amerikaner ist, tut es immer wieder gut, den so tragisch verstorbenen Sänger Mitch Lucker seinen unvergleichlichen Krähen-Anflug-Move machen zu sehen. Unbestreitbar das beste Video dieser Top 10.

79 Millionen: Bullet For My Valentine—„Tears Don’t Fall“


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Wer anders könnte wohl das bisher erfolgreichste Metalcore-Video abgeliefert haben als Bullet For My Valentine? Damals, als 2005 ihr Debüt The Poison alles niederbrannte, was Genregrenzen im Mainstream-Metal anging, war es „Tears Don’t Fall“, dass auch den letzten Zweifler überzeugte, sich näher mit dieser Band zu befassen. Jeder Zynismus mal Beiseite geschoben: Das ist bis heute eine der besten „Balladen“ des Genres. Da ist es nur angemessen, dass sich die Band im nächtlichen Regen die Seele aus dem Leib schreit, wir durch kurz eingeblendete Szenen die Geschichte einer von Eifersucht und Betrug zerfressenden Beziehung erzählt bekommen und … Oh verdammt, es gibt sogar zwei Videos?

Die Version, die die 79 Millionen Views gesammelt hat und die wir alle höchstwahrscheinlich damals auf MTV gesehen haben (oft sogar nur die unsägliche Clean Version), zeigt das turtelnde Pärchen, dass sich erst im Auto und dann im Motel vergnügt. Dann vergnügt sich der Typ einen Tag später mit einer anderen Frau in einem Motel. Findet die erste Frau nicht so witzig. Die andere Version ist wesentlich düsterer und wartet mit allerlei Voodoo-Quatsch auf.