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Warum verkauft das Z7 weiterhin Tickets für ein abgesagtes Konzert?

Wer sich Napalm Death oder Voivod anschauen will, sollte das morgen in Genf tun. Weil in Pratteln werden sie definitiv nicht halten.

von Daniel Kissling
02 November 2015, 2:42pm

Screenshot: z-7.ch


Jeder Konzertveranstalter war schon in der Situation: Da verhandelt man—meistens Monate im Voraus—mit Booking-Agenturen oder Managements über eine Show, findet einen Deal, der für beide Seiten stimmt, veröffentlicht den Gig. Dann—der Vorverkauf läuft schon—die schlechte Nachricht: Das Konzert kann doch nicht stattfinden. Abgesagt!

Gründe dafür gibt es viele, von nachvollziehbaren wie Krankheit über weniger einleuchtende bis schlicht asoziale („Wir haben eine tolle Gelegenheit erhalten, die wir auf keinen Fall ausschlagen können“). In all diesen Fällen jedoch, ob die Absage nun nur Tage vor der Show oder mit mehr Vorlauf geschieht, gilt: Kommunizieren! Und zwar je schneller umso besser.

Nicht ganz dieser Meinung zu sein scheint derzeit die ansonsten glorreiche Konzertfabrik Z7. Der Sachverhalt: Im Sommer wurden die Daten der Deathcrusher Tour veröffentlicht. Für das Package, bestehend aus Ikonen des Extreme Metals wie Carcass oder Napalm Death werden zwei Schweizer Stopps, am 03.11. in der L'Usine in Genf und am 18.11. im Z7, angekündigt.

Mitte August jedoch fehlt die Show in Pratteln auf dem finalen Tourposter. Erste Verunsicherung unter Fans, die ihr Ticket bereits gekauft haben, macht sich breit und entsprechend werden erste Anfragen ans Z7 gestellt, die unbeantwortet bleiben, während der Vorverkauf weiterläuft. Auch heute Mittag kann man auf der Club-Homepage noch immer Tickets bestellen, 45 Franken kostet die vermeidliche Headbang-Sause.

Dass die Show nicht stattfinden wird, daran gibt es mittlerweile jedoch keinen Zweifel mehr. Auf Nachfrage eines Ticketkäufers antwortete die verantwortliche Booking Agency M.A.D. vor einer Woche mit folgendem Mail, welches sich auf Facebook befindet:

Screenshot: Facebook


Gleich klingt es von Seiten der beteiligten Bands, die sich gegenüber den vielzähligen Anfragen in den letzten Tagen ebenfalls gezwungen sahen, klare Statements via Facebook zu veröffentlichen. So schreiben etwa Carcass:

Screenshot: Facebook


Die Frage, die nun natürlich tonnenschwer, wie ein Roboter von einem Voivod-Cover, im Raum steht: Warum zur Hölle schweigen die Leute vom Z7? Und warum lassen sie, jetzt, wo es auch bis zum letzten Metal-Nerd, obwohl er sich gerade „Scum“ von Napalm Death auf 110db reinpfeifft, durchgedrungen ist, Ankündigung und Vorverkauf nicht vom Netz und canceln den FB-Event? Auch auf unsere Anfrage hat das Z7 bisher leider nicht reagiert.

Regelmässige Besucher bemerken in den Kommentaren auf der Seite der Facebook-Veranstaltung (erstellt vom Z7), dass ansonsten auch via Facebook äusserst rasch geantwortet werde. „Alle Achtung!!!“ lese ich zwar gleich, als ich auf ebenjene Page klicke, doch leiten die drei Ausrufezeichen nicht die längst überfällige Klarstellung ein, sondern den Hinweis, dass es für die Show von Bring Me The Horizon noch die allerletzten 29 Tickets zu ergattern gibt.

Schweigen befördert—das gehört zum 1x1 des Krisenmanagments—Spekulationen. Und die reichen von „Sie versuchen sicher noch, die Sache irgendwie hinzukriegen“ bis zu „Die sind angepisst und wollen der Tournee und den Bands jetzt eins reinwürgen und warten darum, bis die Shows in der Nähe vorbei sind.“ Auch damit haben wir das Z7 konfrontiert und auch darauf kam bisher keine Antwort.

Foto von Claude Hurni


Was für Gründe auch immer hinter der Absage und dem Schweigen dazu stecken mögen: das Z7 setzt damit langsam aber sicher seinen guten Ruf aufs Spiel. Bands aus der ganzen Welt feiern die Location für Professionalität und Catering, die Fans für den guten Sound und die faire Behandlung und ich selbst nur schon deswegen, weil sie es mit dem Rauchverbot im Club nicht allzu streng nehmen.

Rock- und Metalfans sind treue Seelen. Für viele von ihnen ist dieser Schuppen zwischen Einkaufszentren und Autobahn, mehr als nur eine Halle. Als früher im Jahr das Z7 mit der Bitte um Support an seine Community herantrat, weil gleich nebenan ein OBI gebaut und dafür die Strasse geöffnet werden sollte, mobilisierte das Tausende von Fans in wenigen Tagen.

Dass man diese Supporter nun im Ungewissen lässt und sie munter weiter zahlen lässt für einen Konzert-Abend, der gar nicht stattfinden wird, ist nicht gerade kundenfreundlich, um es mal gelinde auszudrücken. Hätten die Leute vom Z7 früh genug Klartext geredet, sie wären vielleicht sogar als die Guten aus der Sache rausgekommen, da ja scheinbar die Booking Agency die Show abgesagt hat.

Screenshot: Facebook


Seine Stammgäste aber veräppeln, Anfragen bis zwei Wochen vor der Show einfach ignorieren, so tun, als wäre nichts? Das klingt nach Trotzkopf, nach Kindskopf, nach verwöhntem Bengel, der sich gewohnt ist, zu bekommen was er will und nun plötzlich mal nicht zum Zug kommt. So ein Kind findet keine Freunde auf dem Spielplatz, weder unter Bands, noch Bookern, noch Zuschauern.

Während wir also alle gespannt auf eine Antwort warten, sollte man als (mobiler) Anhänger stilbildenden Lärms nicht lange fackeln und sich eines der letzten Tickets für morgen in Genf oder übermorgen in Stuttgart sichern. Oder „Scum“ zum Zweck des Agressionsabbau noch etwas lauter ballern lassen als sonst schon.

Die Deathcrusher Tour 2016 mit Carcass, Obituary, Napalm Death, Voivod und Herod doch noch erleben könnt ihr morgen, 03.11. in der Usine in Genf, oder übermorgen, 04.11 nach Stuttgart ins LKA Longhorn.

Kissi feiert Aufrichtigkeit und Voivod derweil auf Twitter.

Noisey Alps tanzt, träumt und headbnagt ebenfalls auf Twitter und Facebook.

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