Festival Summer

So lange du machst, was du liebst, wirst du alles tun, damit es nicht untergeht—Afrojack im Gespräch

Was ist EDM? Was ist Liebe? Afrojack hat viele gute Ratschläge fürs Leben.
12.7.16

Alle Fotos: VICE Media

Wenn du etwas aus Liebe machst und nicht wegen dem Geld, dann machst du es richtig. Diese und mehr Weisheiten hat uns der liebe Afrojack geschenkt. Afrojack gibt es schon länger, als es EDM gibt und auf Fruity Loops hat er sich schon im zarten Alter von elf Jahren ausgetobt. Mit elf haben die meisten von uns noch geweint, wenn wir nicht Bugs Bunny schauen durften. Wir waren in dem Alter eben noch mehr Looney Tunes als Fruity Loops. Mit dem Programm arbeitet er übrigens heute noch. An dieser Konsequenz kann man sich auch mal ein Beispiel nehmen.

Wir haben den Ex-Freund von Paris Hilton auf dem Electric Love Festival ursprünglich nur um ein kleines Statement gebeten—und auch als einziges Medium eines bekommen. Aber irgendwie fand uns Afrojack so sympathisch, dass er es sich gemütlich gemacht und uns dann gebeten hat, ihm doch einfach mehr Fragen zu stellen. Vielleicht hatte er aber auch einfach den Wunsch nach jemandem, der ihm gerade zuhört. So wurden aus erlaubten zwei Fragen, eine sympathische und philosophische Unterhaltung. Was ist EDM? Was ist Liebe? Ihr seht schon—es wird deep.

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Noisey: Wie ist es für dich, in Europa zu spielen, im Vergleich zu deinen Gigs in Amerika, beziehungsweise Vegas?
Afrojack: Ich habe mich gerade letztens mit Freunden und Kollegen darüber unterhalten. Vor fünf Jahren waren die Sounds von Amerika und Europa weit von Gemeinsamkeiten entfernt. Vor etwa drei Jahren haben sie sich dann überschnitten, seither driften sie aber wieder auseinander. Amerika geht wieder voll zurück auf HipHop und Trap. Europa hingegen bleibt voll beim Dance.

Denkst du, dass EDM schon ausgelutscht ist?
Das glauben vielleicht die Leute in den Staaten, aber EDM kam und ist geblieben. Es wurde etwas mehr HipHop. DJ Snake und seine gigantischen Trap-Shows sind nichts anderes als EDM. Electronic Dance Music. Musik, zu der man tanzt, die aber aus dem Computer kommt. Selber Scheiß also, der sich nur etwas entwickelt hat.

Also weil es EDM in Europa schon länger gibt, bleibt sie hier auch länger.
Europa ist schon seit etwa zwanzig Jahren voll auf Elektro. In Holland ist es die kommerziellste Musikrichtung. Wenn du dort Mainstream-Radio hörst, spielt es Dance öfters als Pop. Das ist nichts Neues—so ist auch in Schweden, Frankreich oder hier in Österreich. Auch in Deutschland, obwohl die jetzt mehr die HipHop-Schiene fahren. Für mich ist das die neue Challenge dahinter, dass EDM relativ wurde, du hast jetzt die Chance, wirklich alle Styles mit einfließen zu lassen. Bei einem Track, gibt es einfach schon mehrere Versionen davon, weil du sie auch brauchst. Jedes Land hat seine eigenen Ansprüche.

Was findest du an dieser Challenge am aufregensten?
Die Leute mit neuen Sounds zu flashen. Wie der Track, den ich jetzt mit Fais aufgenommen habe.

Ich habe dich gar nicht gefragt, wie denn die Show für dich war, hier auf dem Festival.
Total energetisch. Die Leute machen hier sofort mit. Ich bin es von anderen Ländern gewohnt, dass du immer deine Fans hast, die mit dir mitklatschen oder einfach interagieren. Hier hat man das Gefühl, dass es alle tun. So auf die Art: Hey, ich kenne dich nicht so gut, aber gute Party, ich mach mit!

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Und nun zu Vegas. Bei EDM ist es das Erste, woran man irgendwie denkt.
Vegas ist die Möglichkeit für die Leute an der Westküste, ihre Lieblings-DJs günstiger zu sehen, weil Festivals bis zu mehreren Hundert Dollar kosten. Denn mal auf einen Sprung nach Vegas zu fahren und für etwa 30 Dollar deinen DJ zu erleben, ist kein großes Hindernis. Die VIP-Leute können dafür nochmal richtig gut ihren Status raushängen lassen, einen Tisch buchen und Mädchen beindrucken. Man kann alle Wünsche gut abdecken, das ist eigentlich eine wirklich gute Sache.

Macht das auch Spaß, so oft zu spielen?
Mir schon, vor allem als DJ. Als ich angefangen habe zu spielen, habe ich auch nur das gemacht: aufgelegt. Zum Producen kam ich später. Als Producer kennen die meisten Leute nicht viele deiner Songs, deswegen ist es ja so cool, einfach mal wieder als DJ Musik zu spielen, die nicht von dir ist. Du bringst auch andere Tracks und dann irgendwann wieder deine Sachen.

Spielst du manchmal mehrere Shows pro Tag?
Kommt oft vor, dass ich an einem Tag durch drei Shows jette.

Das muss müde machen.
Macht es auch, aber ich sehe das immer so: Man hat nur dieses eine Leben und ich versuche so viel möglich da raus zu holen. Ich hol mir den Schlaf meistens beim Fliegen, allerdings fliege ich auch wirklich oft, also ist das kein Problem.

Klingt spannend, aber eben auch sehr anstrengend.
Ganz ehrlich? Das Leben voll auszukosten ist auch anstrengend. Etwas zu erreichen, ist selten einfach, aber wer viel erlebt und hart für seine Ziele arbeitet, wird auch seinen Spaß dabei haben. Irgendwann sind wir dann dort, wo wir sein wollten.

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Was müsste passieren, dass EDM nicht mehr funktioniert?
Es ist ganz einfach: Lady Gaga ist ein gutes Beispiel. Sie hat einmal ein Album mit Tony Benett aufgenommen, die Fans, die davor aber mehr Mother Monster waren, interessierten sich nicht für dieses Pas de deux. Also: Wenn sie beispielsweise einen Furz aufnehmen würde und sagen würde: "Hey, das ist mein neues Album!", würde niemand mehr zu ihren Shows kommen. Denn wenn sie auf der Bühne dann furzt, wer will das schon sehen? Und genauso geht es auch uns in der Branche. So lange du machst, was du liebst, wirst du alles tun, damit es nicht untergeht. Wenn es nur eine halbherzige Angelegenheit ist, wird es sich auch nicht durchsetzen können. Wir und unsere Crowd, sind wie ein Liebespaar: Man muss sich in jeder Beziehung etwas anstrengen. Die Leute merken einfach, ob du etwas wegen der Liebe dazu machst, oder wegen dem Geld.

Das Problem mit EDM ist, dass viele Leute nur die kommerziellen Sachen bewerten.
Du musst verstehen, dass wenn man von EDM spricht, man nicht eine elektronische Richtung ausschließen kann. Richie Hawtin macht so gesehen auch elektronische Tanzmusik, sogar Dedmau5 ist EDM, auch wenn er es nicht mag so genannt zu werden. EDM als Ganzes kann von dem her nicht untergehen. Aber gewisse Genres darunter, womöglch schon. Also wenn du eher ein Freestyle Producer bist, wirst du keine Probleme haben. Skrillex wird es gut gehen, mir ebenso. Es ist ein Hobby, das ich ausleben kann. Dass ich dafür Geld bekomme und dieses Leben damit führe, ist ein Segen und gutes Extra. Ich liebe das, was ich tue. Wie gesagt: Ich hab ja nur dieses eine Leben. Also werde ich eher die Scheiße tun, die ich mag, nicht die, die ich nicht mag. Ich steh nicht morgens auf und sag: "Hey, lasst mich den ganzen Tag das machen, was ich nicht mag, ok?" Nein, denn darum geht es ja: Dass du stolz auf dich sein kannst, wenn du schlafen gehst. Und glücklich und stolz wieder aufwachst. Damals musste ich dafür bezahlen, dass ich spielen darf. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Aber das Gefühl und die Liebe dabei sind gleich geblieben.

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