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Warum Justin Bieber mit seiner jüngsten „Arschloch-Aktion“ völlig Recht hat

Justin Bieber hat verkündet, in Zukunft keine Fotos mehr mit Fans zu machen. Alle regen sich jetzt natürlich über den vermeintlichen Diva-Move auf. Dabei seid ihr das Problem.

von Nina Damsch
11 Mai 2016, 8:33am

Justin Bieber erntet regelmäßig Hate. Für seine Musik, für seine Frisuren, oder für sein Betragen im angetrunkenen Zustand. Teilweise kassiert er die negative Kritik zu Recht (Weiße müssen langsam echt mit Dreadlocks aufhören. Auch Cornrows sind inakzeptabel). Teilweise müssen wir uns aber schützend vor unseren häufig auch missverstandenen Biebs stellen und einfach klarstellen, dass das eigentliche Problem die Hater sind und nicht der Bieber. Heute ist wieder so ein Tag. Neuester Anlass für die allgemeinen Justin-Bieber-ist-so-ein-Arschloch-Gefühle: Er hat verkündet, in Zukunft keine Selfies mehr mit Fans zu machen.

Er hätte genauso gut einen Sack Katzenbabies in einen reißenden Fluss werfen können und die Empörung wäre nicht größer gewesen, als das Selfie-Embargo sie hervorgerufen hat. Wie kann er nur? Wofür hält der eingebildete Pinsel sich eigentlich? Nun ja, für Justin Bieber halt. Es klingt im ersten Moment vielleicht arrogant oder undankbar, aber er hat völlig Recht damit, mit euren gierigen, aufmerksamkeitsgeilen Gesichtern nicht auf einem Foto sein zu wollen. Warum? Das hat er selber in einem Post auf Instagram ganz gut erklärt.

A photo posted by Justin Bieber (@justinbieber) on

Nachdem Justin Bieber vor kurzem noch verkündete, keine Meet-and-Greet-Treffen mehr zu machen, weil sie ihn angeblich „depressiv“ stimmen, ist das Selfie-Verbot ein logischer nächster Schritt Richtung Privatheit. Das finden viele natürlich unfair. Schließlich haben sie doch ein gottgegebenes Anrecht auf die Berühmtheit namens Bieber. Als Person des öffentlichen Interesses hat er sich doch schließlich für dieses Leben entschieden. Und was wäre ein Star schließlich ohne seine Fans? Ihre Liebe und Unterstützung sind es schließlich, die ihm das Leben in Saus und Braus überhaupt ermöglichen, also hat er eine verpflichtende, allgemeingültige Bringschuld ihnen gegenüber—richtig? Sagt mal, merkt ihr eigentlich noch was?

Die Grenzen zwischen privater und öffentlicher Person verschwimmen zunehmend, seit Instagram, Snapchat und Facebook in unser Leben traten. Und mit ihnen auch das Gefühl dafür, was angebracht ist und was nicht. Einem Menschen ohne Vorwarnung eine Kamera ins Gesicht halten zum Beispiel. Das ist in unserem Gesellschaftsmodell keine normale Interkation mit einem fremden Menschen. Ich glaube da können wir alle übereinstimmen. Das Argument, Justin Bieber sei aufgrund seiner Berühmtheit in dieser Hinsicht eine Ausnahme, zieht nicht. Dass dieser Eindruck dennoch ensteht, ist mehreren Faktoren geschuldet.

Erstmal die allgemeine Aufassung, berühmte Personen zu „kennen“. Wir sehen sie überall, lesen ihre Interviews und konsumieren ihre Arbeit—die oft sehr persönlich ist. Die Nutzung sozialer Medien verstärkt diesen Effekt, dass Stars zu noch greifbareren Menschen werden. Wenn man sein Idol beim morgendlichen Joggen, Mittagsessen oder Dösen sieht, entsteht logischerweise der Eindruck, man kenne diesen Menschen. Berührungsängste verschwinden. Eine normale persönliche Distanz, die zu Fremden eigentlich ganz natürlich und wissenschaftlich erklärbar ist, ist aufgrund der falschen Annahme, den Menschen zu kennen nicht mehr gegeben. Das ist das eigentliche Problem.

Des Weiteren ist es natürlich Teil des Jobs eines Justin Bieber, öffentlich zu sein. Das Problem ist nur, dass sein Beruf keine Arbeitszeiten hat. Der Trennlinie zwischen dem professionellen Justin Bieber, der auf der Bühne oder einem roten Teppich steht, wo es völlig in Ordnung ist, Bilder von ihm zu machen, und dem privaten Bieber, ist für viele Menschen überhaupt nicht existent.

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Es wäre vielleicht Zeit, die Augen vom Bildschirm zu nehmen und sein eigenes Verhalten zu hinterfragen, statt denjenigen, der in dieser Situation das eigentliche Opfer ist, anzuklagen. Denn was selfiegeile Fans da tun, ist nichts anderes, als grob unhöflich und wäre in der Tierwelt ein Grund, durch einen gekonnten Biss in die Halsschlagader die Bedeutung von persönlichem Freiraum demonstriert zu bekommen. Und Justin Bieber ist jetzt schon nicht der emotional stabilste Mensch auf Erden. Wenn es euch also schon nicht um menschlichen Respekt geht, den jeder Mensch unabhängig von seinem Status verdient hat, dann haltet zumindest zur Gewährleistung eurer körperlichen Unversehrtheit eine Armlänge Abstand zum Bieber. Eventuell wäre es nämlich einfach Notwehr.