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Die First World Problems beim Fortgehen in Wien

In Wien raunzt man gerne. Diesmal muss die Wiener Clubkultur daran glauben.
15.6.16

Der Wiener Clubkultur kannst du auf verschiedene Art und Weise begegnen; sogar in mehreren Daseins-Formen. Das gibt einem massig Material zum Sudern. Denn nach Mitternacht miteinander zu feiern, kann definitiv zur Zerreißprobe für Nerven und Freundschaften werden. Hier eine kleine Ansammlung von den Dingen, die mich beim Ausgehen in Wien nerven. Natürlich ist das hier Sudern auf hohem Niveau, aber manche Dinge wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Aller Anfang ist schwer

Manche Veranstalter haben die aberwitzige Idee, ihren Eintritt mittels der Ankunftszeiten ihrer Besucher in mehrere Preiskategorien zu unterteilen. Das tun sie, um die Bude schneller voll zu bekommen. Das wiederum bringt ganz viele lustige Draufgänger nämlich dazu, sich den Stress auch tatsächlich anzutun – leider auch meine Freunde. Durch diese Bemühungen ersparst du dir vielleicht zwei bis drei Euro, mehr nicht. Aber das Resultat solcher zeitgleichen Ankünfte ist dann folglich eine ellenlange Schlange von jungen und angeregten Geschöpfen. Bei den meisten zeigt sich da auch schon eine beachtliche Veränderung ihrer Pupillen. Da es aber in so einem Zustand draußen schnell anstrengend werden kann, naschen sie fleißig an der Materie weiter und werden dann drinnen zu einem anderen Problem – dazu dann später. Und nun stellt euch aber dieses gesamte Setting auch noch im Winter vor – yeap, meine Lebensfreude entweicht auch mir gerade.

Hast du also Pech und stehst nicht auf irgendeiner Fastlane-, Gäste- oder Whateverliste und schaffst es aber trotzdem durch die Stoßzeiten-Ringelnatter, musst du ganz schnell einen auf heile Welt machen. Sonst bringst du den Türsteher und/oder die Securitys auf ganz komische Gedanken. Die unausgesprochene Regel lautet nämlich, dass du nichts zu melden hast. Die sind der King Louie der Hallen, die du betreten möchtest. Hast du also ein Problem mit ihnen, kannst du einfach schlafen gehen (oder es in einem anderen Club probieren). Daher immer gute Miene zum bösen Spiel, auch wenn es absolut gegen deine Linie geht. Schon allein deswegen, weil die meisten dieser Typen eigentlich zwielichtiger aussehen – und es manchmal auch sowas von sind – als jene, vor denen sie dich eigentlich beschützen sollten.

Bist du also den Fängen der türsteh´schen Machenschaften endlich entkommen, wirst du erstmals von einer ur-unfreundlichen Kassen-Tussi nicht begrüßt, aber gleich zum Zahlen aufgefordert. Den meisten von ihnen geht es extrem auf die Eierstöcke, wenn du auch auf der Gästeliste stehst. Deinen Namen finden sie daher mal grundsätzlich nicht sofort, ergötzen sich sogar daran, wenn er doch nicht oben steht. Selbstgefällig beobachten sie dich dann, bis du von irgendjemand Wichtigem abgeholt wirst. Wenn das für dich auch nicht im Spiel ist, dann haben sie Weihnachten, Ostern und Geburtstag gleichzeitig und nehmen dir dein schwer Verdientes ganz genüsslich weg.

Na gut, Wien beschließt also zur gleichen Zeit die Clubs unsicher zu machen, dementsprechend sind auch kurzzeitig die Garderoben oft knapp vorm Zerbrechen. Diesen Job übernehmen in der Regel nach wie vor äußerst überforderte StudentInnen, die dir mit Rauswurf drohen, wenn du ihnen Verbesserungsvorschläge anbietest. And never forget: Kantine-Abriss Party. Wo die gesamte Werkschaft der Jackenhüter, so mir nichts dir nichts beschlossen hat, auf alles zu scheißen, totale Anarchie hinter dem Garderoben-Pult ausbrach und ich meinem Parka dann nur durch Zufall auf dem Gelände wieder begegnet bin.

Kaum drinnen, kaum besser

Gerade mal das Theater rund ums Ankommen überstanden, kommt eine neue Belastung hinzu: junge Erwachsene, die keinen Tau von der Dosierung ihrer Party-Smarties haben. Völlig zu und irgendwo zwischen Nirvana und Motivation, haben sie kein Gefühl mehr in den Beinchen (oder sonst wo) und rennen dich nieder. Die führen sich ja teilweise so auf als würden sie den Barrieretest im Blindenhaus durchqueren müssen. Zu deren BFFs zählen die nicht weniger verstrahlten Dancing-Queens und -Kings. In ihrem Wahn sind sie komplett davon überzeugt, dass ihnen der gesamte Dancefloor nicht nur zu Füßen liegt, sondern auch gehört und werfen deswegen wild mit ihren Gliedmaßen umher. Dann diese saumäßig aufgezuckerten und aggressiven Vollpfosten. Frauen sind da meistens der Härtefall – no offense – aber die sprinten dich einfach um oder bewegen sich super penetrant mit der Ellbogen-Technik voran. Ihr Weg zur Toilette oder sondergleichen ist einfach um einiges wichtiger, als dein Leben.

Gefühlte Maßeinheit so mancher Experimentierfreundlichen

Und dann dieses leidige Rauchverbot. Mir als Nichtraucherin per se geht das sogar voll auf die Nieren. Da hast du endlich mal ein Plätzchen für dich gewinnen können oder willst einfach ganz gezielt chillen, wird man sofort wieder durch den Dschungel der Verstrahlten und Verschneiten befördert. Das (Nacht-)Leben ist hart.

Sind die Erinnerungen an die ersten Prüfungen des Abends mal ad acta gelegt, fällt dir in den nächsten Minuten was Neues auf, beziehungsweise runter: der Schweiß. Wenn ganz viele Leute sich zappelnd zur Musik bewegen und viele von ihnen durch diverse Substanzen eh schon auf Heiz-Modus sind, dann hat man sich all den Terz vorher nur angetan, um nachher ungewollt in einem Dampfbad zu verweilen. Und dieses Phänomen erlebt man in so ziemlich allen Clubs.

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Auch unmöglich in ihrer Art sind diese sogenannten Backstage-Bereiche. Weit entfernt von dem Begriff komfortabel und sogar dem Schlotraucher zu verraucht, bringen sie deine Truppe auseinander. Weil nicht alle rein dürfen und man da drinnen auch leider picken bleibt, um den gesamten Abend zu versäumen. Geteilt wird der Bereich oft mit Pseudomafiosi-Gestalten – inwiefern gehört ihr nochmal zum DJ?

Ende gut, alles gut?

Gegen Ende dieser nachtaktiven Ausflüge hat man sich dann eigentlich eh schon wieder akklimatisiert und mit all den Strapazen angefreundet. Trotzdem dürfte dieses "kurz vor Schluss" die Brunftzeit der Männer auslösen, denn die meisten Männchen entwickeln eine Torschlusspanik. Die bringt sie dazu, einen auf Don Juan zu machen und dich mit plumpen Anmachsprüchen die letzten Nerven kosten. Auch nach dem Abblitzenlassen lassen sie nicht locker und kommen wieder – meistens können sie da aber nichts mehr dafür. Sie haben einfach schon wieder vergessen, dass sie dich angequatscht haben.

Und last but not least: Kein Club hat durchgehend geöffnet

Selbstredend.

FAZIT

Abgesehen von all den Nötigungen, die Clubkultur so mit sich bringt, kann man es dennoch ganz gut hinbekommen, ein positives Ereignis daraus zu machen. Fragt mich jetzt bitte nicht wie, aber Spass habe ich trotzdem jedes mal, sonst würd ich mir ja das auch nicht immer und immer wieder geben. Denn ich gehöre definitiv nicht zu der maßlosen Party-Smarties Fraktion. Außerdem liegt es einfach generell in meiner Natur, mich gut und gerne aufzuregen. Ich hätte natürlich auch über die Dinge, die ich am Nachtleben schätze, schreiben können. Ich raunze aber viel lieber. Braucht es doch etwas das Schlechte im Leben, um es mit dem Guten vergleichen zu können. Denn im Vergleich liegt die Formel der Wertschätzung. Namasté und Party on, oder so.

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