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Wenn du als Frau Black Metal machst, musst du anscheinend auf Todesdrohungen gefasst sein

Die Frau hinter der angesagten Black-Metal-Band Myrkur hat die Nachrichtenfunktion ihrer Faebookseite abgeschaltet, weil manche Metalfans mit ihrer Existenz offensichtlich überfordert sind.
19 Januar 2016, 6:00am

Es ist kein wirkliches Geheimnis, dass einige—einige, sicher nicht die meisten oder gar alle—Fans harten Metals ungelöste Probleme mit Frauen haben und dass ein großer Prozentsatz dieser Leute eine unglaubliche Energie an den Tag legt, um dieser Tatsache durch Blogposts, Social-Media-Lästerei oder gezielter Belästigung Ausdruck zu verleihen. Das neueste Kapitel in dieser anhaltenden Chronik infantiler, zorniger Männer, die Metal-Frauen hassen, konzentriert sich auf Myrkur, das Black-Metal-Alter-Ego der Ex-Cops-Sängerin und dänischen Musikerin Amalie Bruun.

Wie der Metalblog Toiletovhell berichtete, hatte Bruun folgendes Update auf Myrkurs Facebookseite gespostet, in dem sie erklärt, warum ihr Fans nicht länger Nachrichten schicken können. Trotz der ursprünglichen Anonymität des Projekts (Bruuns Identität war anfangs ein Geheimnis, nicht wirklich ungewöhnlich in Black-Metal-Kreisen) handelte es sich bei der Entscheidung, den Fans diese Kontaktmöglichkeit wieder zu nehmen, keineswegs um eine PR-Maßnahme oder einen Versuch, „mysteriöser“ zu wirken. Sie hatte einfach keine Lust mehr, ständig Morddrohungen zu bekommen.

In ihrem Post heißt es: „Ich weiß, dass einigen von euch aufgefallen ist, dass ihr mir keine privaten Nachrichten mehr schicken könnt. Der Grund dafür ist, dass ich genug davon habe, Morddrohungen und Hassmails zu bekommen. Ob ihr es glaubt oder nicht, dieser Scheiß verliert mit der Zeit an Charme. Ich bin natürlich traurig, dass ich dadurch auch keine persönlichen Nachrichten mehr von Unterstützern + Fan-Art in privaten Nachrichten bekommen kann, aber bitte postet eure wunderbaren Sachen weiter auf dieser Seite oder bei Instagram @myrkurmyrkur.“

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Wie zu erwarten, reagierten ihre Fans reichlich verwirrt: Myrkur hat viele Musikfans angezogen, die relativ neu im Metal sind und denen die diversen Feinheiten der dort herrschenden Szenepolitik noch fremd sind. Das ist für gewisse Kreise gleichzeitig auch der größte Kritikpunkt an der Band. Es ist nicht so leicht zu verstehen, warum eine Musikerin, die dem Anschein nach so harmlos und zugänglich ist wie Bruun, derartig mit Hass und Online-Mobbing überflutet wird—es sei denn, du kennst dich mit Black Metal aus und dir ist die Einstellung einiger Anhänger gegenüber vermeintlichen Außenseitern bekannt.

Weißt du, ich würde mich noch nicht mal als Myrkur-Fan bezeichnen—ihre Musik ist eine nette Light-Version von Ulvers Bergtatt und bei allem, was ich so in Interviews und im Internet gelesen habe, scheint sie eine schlaue und nette Person zu sein, aber am Ende ist es einfach nicht mein Ding—ich habe allerdings einfach die Schnauze voll davon, wenn Frauen und queere Metal-Musiker (oder Veranstalter, Labelbetreiber, Roadies, Merchandise-Leute, Künstler, Autoren—besonders Autoren! Ich kann kaum abwarten, was ich nach der Veröffentlichung dieses Artikels wieder alles lesen darf) von unsicheren Metalheads niedergemacht, beleidigt, bedroht, eingeschüchtert und gedisst werden, die anscheinend wirklich nichts Besseres mit sich anzufangen wissen.

Die Tatsache, dass die meisten dieser Hasserfüllten Nachrichten anscheinend von amerikanischen Metalheads kommen, ist noch viel deprimierender, es zeigt aber auch, wie viele Idioten in diesem Land momentan Angst davor haben, dass böse Gerechtigkeitskriegerinnen und Feminazis ihren Black Metal erobern—genau wie es Obama definitiv auf ihre heißgeliebten Waffen abgesehen hat und Donald Trump definitiv eine gut durchdachte Wahl als Präsident ist. Veränderungen machen Angst, ich weiß.

Ich habe mich mit Bruun in Verbindung gesetzt, um zu fragen, ob sie einige der erhaltenen Morddrohungen, mit uns teilen möchte und sie schickte mir als Antwort ein Statement, das ihre Situation besser zusammenfasst, als es jeder Screenshot könnte.

„Ich habe mich vor langer Zeit dazu entschieden, keine Screenshots oder Namen der Leute, die mich bedrohen/hassen, zu veröffentlich, weil ich die ganze Sache nicht weiter anfeuern oder ihnen ihre fünf Minuten Ruhm gewähren will. Das ist die Wahrheit, ich hätte das eine Millionen Mal machen können, aber sie verdienen die Aufmerksamkeit einfach nicht und viele von ihnen nutzen Fake-Profile. Diejenigen, die echte Profile nutzen, sind oft genug selbst in Bands, wenn ich also irgendwas von ihnen veröffentlichen würde, würde ich also auch unfreiwillig Werbung für ihre beschissenen Bands machen. Ein weiterer Grund, das nicht zu tun. Wenn jemand unbedingt zeigen möchte, was mir für Hass entgegenschlägt, gibt es wirklich UNMENGEN an Mist über mich, der sich im Internet finden lässt. Hassvideos auf YouTube oder in den Kommentaren unter einem Artikel über mich oder selbst auf meiner eigenen Facebookseite usw. usf.. Es gibt mehr als genug zu finden! (Und Twitter, einige Autoren twittern passiv aggressive Sachen über mich, schlecht versteckter Hass, in denen sie mein als ‚Marketing‘ abwerten oder auf die Tatsache, dass ich ‚eine Frau in einem von Männer dominierten Genre‘ bin, reduzieren.“

Machen wir es doch einfach so. Wenn du Myrkur wirklich hasst, dann gibt es einen ganz einfachen und effektiven Weg, dich von ihr abzugrenzen: Hör einfach nicht ihre Musik; stalk nicht ständig die Facebook-, Twitter- oder Instagramseite der Band; lies keine Myrkur-Interviews; geh nicht auf Myrkur-Shows und kauf dir keine Myrkur-Platten. Du kannst meinetwegen allen und jedem großkotzig erklären, dass Myrkur beschissenen Hipster-Metal macht, den du mit der Kneifzange nicht anfassen würdest. Von mir aus verfasst du wutendbrannte Posts darüber, wie fake und schlecht ihre Musik ist und warum Mädchen sowieso überhaupt keinen Black Metal spielen sollten und wie Black Metal ausschließlich von dir und deinen Freunden UND NIEMANDEM SONST ARGHHH gehört werden sollte, bis dir deine verdammten Finger abfallen ... aber lass sie aus der ganzen Sache raus. Das einzige Verbrechen, dem sich Amalie Bruun schuldig gemacht hat, ist die gleiche düstere, hässliche und kranke Musik zu mögen wie du und sie auf eine Weise neu zu interpretieren, mit der Menschen—ja, selbst Menschen, die nicht die komplette Master’s Hammer Diskografie im Regal stehen haben oder ausschließlich LLN-Bootlegs hören—etwas anfangen können. Sie hat deinen Hass und deine Beleidigungen nicht verdient und genau so wenig haben das die Menschen, die in ihrer Musik etwas für sich gefunden haben. Das ist einfach nur schwach und die eine Sache, die Black Metal wohl niemals befürwortet hat, ist Schwäche.

VICE: True Norwegian Black Metal

Black Metal ist negativ, richtet sich gegen das Leben, richtet sich gegen Menschen; Black Metal ist kontrovers, entschuldigt sich für nichts, ist rau, politisch nicht korrekt und wird es niemals sein—das ist eine weitere Wahrheit und eine, die jeder Fan des Genres akzeptieren muss. Wenn du aber zu denjenigen Menschen gehörst, die glauben, dass ihnen ihre Liebe für diese Art von Musik direkt das Recht gibt, andere Menschen dafür zu beleidigen, weil dir ihr musikalischer Hintergrund, ihre Hautfarbe, ihr Geschlecht oder ihre Akkordfolgen nicht gefallen, dann bist du dem Black Metal unwürdig. Dann bist du nämlich nicht mehr als ein beschissener Nerd mit einem Mutterkomplex und Gott (sorry, Satan!) weiß, dass die Welt mit einem Haufen weniger davon viel besser aussehen würde.

Kim Kelly hat die Schnauze voll. Folgt ihr auf Twitter—@GrimKim

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