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Noisey Blog

2015—das Jahr des Luft-DJs?

Seht hier die drei Typen, die Air-DJing auf ein neues Level heben.

von Josh Baines
30 Januar 2015, 2:23pm


Die meisten von uns haben einfach nicht das Zeug dazu, echte DJs zu werden. Uns fehlt das Rhythmusgefühl, die Fähigkeit, mehrere Informationen auf einmal zu verarbeiten und ein nahezu unerschöpflicher Vorrat eng anliegender, schwarzer T-Shirts. Deshalb werden wir alle niemals den in den Olymp der jetsettenden Vinylakrobaten aufsteigen. Das heißt jetzt allerdings auch nicht, dass es nicht auch „DJ-Superstars" gibt, zu denen die Bezeichnung „Luft-DJ" besser passen würde—aber das ist ein anderes Thema. Luft-DJs sind namlich diejenigen DJs, die überhaupt kein echtes Pult vor sich stehen haben.

Im vergangenen Jahr haben sich schon erste Meister dieses Fachs gefunden, aber noch gibt es große Klassenunterschiede. Um ein guter Luft-DJ zu sein, brauchst du Leidenschaft. Luft-DJing ist mehr, als sich nur eine Ohr mit der linken Hand abzuschirmen und rechts ein paar imaginäre Knöpfchen zu drehen. Das wäre zu einfach, das kann meine Mama. Wir interessieren uns hier für Menschen, die ihre Luft-DJ-Szene mit ihren Fähigkeiten auf ein neues Level heben; Menschen, die tatsächlich in Clubs gehen, um dann sechs Stunden lang bei Roman Flügel zu beobachten. Wir haben drei dieser Virtuosen gefunden und gegenübergestellt, um zu sehen, wer mehr Asse im Ärmel hat. Als Bewertungskriterien dienen die Wirklichkeitsnähe ihrer Technik und—natürlich—der alles entscheidende ‚Wow Faktor'—unentbehrlich für jeden Headliner.


THE DON

Ignorieren wir für einen Moment die Tatsache, dass dieser Performance eventuell ein bunter Blumestrauß verschiedener Substanzen und Stimulanzien zu Grunde liegt: Diese Hingabe, diese Energie und diese Sicherheit im Umgang mit der imaginären Technik dürften Ihresgleichen suchen. Ich wüsste kaum einen etablierten DJ, der seine Kunst mit einer derartigen Leidenschaft betreibt. Allein diese kurze Darbietung macht aus dem Protagonisten eine ätherisch-digitale Ikone der Illusionistenzunft. Diese Clip zeigt uns die große Kunst des Air-DJings in absoluter Perfektion: die Art, wie er nach den imaginären Platten greift; wie er die Geschwindigkeit der unsichtbaren Drehteller anpasst und der Moment, in dem er sich in die Musik fallen lässt, nur um kurz darauf schon wieder die Situation unter seine Kontrolle zu bringen. Der Typ. Dieser Typ weiß was er macht.

TECHNIK: 10/10

STAR POWER: 8/10

GREEN MACHINE

Ein DJ kann nicht einfach abzappeln oder sich so im Augenblick verlieren, wie er das von seinem Publikum erwartet, er muss kühlen Kopf bewahren, um Kontrolle über sein Equipment zu behalten. Dieser Lappen hier scheint das allerdings vergessen zu haben. Er beginnt sein Set noch recht vielversprechend mit ein paar subtilen Dreh- und Schiebebewegungen hier und da— selbst in diesem verschwitzten, in furchtbares Grün getauchtem Club, schafft er es zunächst, die Haltung zu bewahren. Dann, aus Gründen, die er wahrscheinlich erst Jahre später mit der Hilfe eines Therapeuten zu artikulieren weiß, beginnt er plötzlich, die Säule unsittlich zu berühren. Dieser Move war vielleicht mutig, aber er führt zu sofortigen Disqualifikation aus der Champions League der Luft-DJs. Ein guter DJ versucht, komme was wolle, seine Würde zu bewahren, aber am Ende dieser kurzen Darbietung ist unser Nachwuchs-Kandidat schon ein Wrack.

TECHNIK: 6/10

STAR POWER: 1/10

DJ KINDERZAHN-KILLER

Für wenige Menschen auf dieser Welt ist Auflegen ein Vollzeitjob. Für Millionen ist es etwas, das sie einmal ausprobiert und jetzt für immer bei Tinder angegeben haben. Der Rest von uns versucht sich daran, um etwas Abwechslung in den tristen Alltag zu bringen. Unserem letzten Teilnehmer scheint die Diskrepanz zwischen Spaß und Beruf, die Vermischung von privatem und professionellem Leben nicht groß zu stören. Hier sehen wir ihn, wie er sich eine Pause davon gönnt, verstörten Kindern einen Bohrer in den Mund zu rammen und elegant mit dem Fuß zu handfestem Stadion-EDM wippt. Sein Publikum besteht aus einem hilflosen, mit Betäubungsmitteln narkotisiertem Kleinkind, das so fertig ist, dass es ihm nicht den nötigen Support geben kann, den DJs doch so nötig haben. Ein wahres Eigentor.

TECHNIK: 5/10

STAR POWER: 4/10

Der Gewinner: Natürlich Teilnehmer Nummer eins! Herzlichen Glückwunsch The Don, das ist dein Glückstag! 2015 gehört dir. Los raus da und greif es bei seinen imaginären Hörnern.

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Dieser Artikel erschien vorab auf THUMP.