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„Ich wollte einfach, dass die wirklichen Verbrecher endlich Musik hören können.“—Xatar im Interview

Wir waren mit Xatar in seinem Lieblingsrestaurant in Köln.
7.5.15

Xatars neues Album hat nicht lange auf sich warten lassen nach seiner Haftentlassung im Dezember 2014. Für einen Goldraub in Millionenhöhe saß er fünf Jahre im Gefängnis. In dieser Zeit nahm er sein zweites Album Nr. 415 auf und arbeitete—so gut es eben ging—als Labelchef von Alles oder Nix Records. Sein erstes, gleichnamiges Album Alles Oder Nix erschien rund ein Jahr vor dem Goldraub, jetzt liefert er mit Baba Aller Babas seinen dritten Langspieler ab, mit dem er natürlich für viel Aufsehen sorgt.

Wir haben den Baba in Köln zum Essen getroffen, bei Büyük Harran Doy Doy—das Restaurant, auf das er sich schon zu Gefängniszeiten gefreut hat. Der Laden war wegen einer Hochzeits- oder Verlobungsfeier zwar rappelvoll, aber wir haben trotzdem eine ruhige Ecke gefunden. Xatar hat sich trotz der vielen Termine die Zeit genommen, mit uns bei Künefe und Köfte über die Inhalte auf seinem Album, seinen Werdegang und den Grund seiner hohen Haftstrafe (Spoiler: Hitler) zu sprechen.

Noisey: Wie geht’s dir heute?
Xatar: Mir geht’s gut! Bisschen erkältet, aber alles gut.

Du hast sicher viele Pressetermine. Hältst du das Pensum gut durch soweit? Du bist ja noch gar nicht so lange aus dem Gefängnis raus.
Siehst du ja, ich bin schon krank durch den ganzen Stress. Das Interview jetzt ist aber eine der letzten Stationen. Danach mache ich erstmal nichts mehr.

Hast du eigentlich Probleme mit einem Haftschaden?
Ich habe ein Haftschaden, ja, aber keine wirklichen Probleme dadurch. Dieser Haftschaden ist ja nicht immer negativ. Man tut eben einfach Sachen, die man vorher nicht getan hat, oder man tut Sachen nicht mehr, die man vorher getan hat—wegen des Gefängnisses. Man ist nicht mehr hundertprozentig der, der man vorher war. Es sind einfach Änderungen im Verhalten, aber das ist kein Verhalten, das ich nicht mehr haben will oder gegen das ich was tun will.

Du hast schon im Noisey meets Xatar im Gefängnis gesagt, dass du, wenn du raus kommst, erstmal direkt zu Doy Doy Essen gehen wirst. Wie oft warst du seitdem hier Essen?
Oft, bestimmt 20 Mal, sehr oft.

Hast du hier Ruhe vor den Fans?
Nein. Wenn mich jetzt irgendein Kiddie entdeckt—das ist ja bis jetzt noch nicht passiert—, dann kann das schon abgehen. Dann sagt der ja allen Bescheid. Das ist aber normal, was willst du machen?

Du kommst aus einer musikalischen Familie. Ich habe gehört, dein Vater sei sogar der berühmteste kurdischstämmig Musiker in Deutschland. Stimmt das?
Was? Nein!

Ist er Musiker?
Er ist Komponist. Er ist kein Sänger oder Interpret, den man kennt—keine Videoclips oder so. Er ist eher im Hintergrund, eine Art Produzent.

Was macht er denn für Musik?
Klassische Musik.

Du hast früher auch Musikunterricht gehabt, oder?
Ja. Das weißt du doch, Mann. Hab ich nicht für dich Klavier gespielt!?

Ja, aber ich wusste nicht, ob du es dir selber beigebracht hast oder ob du Unterricht hattest.
Ach so.

Hattest du bei einem Lehrer, einer Lehrerin oder bei deinem Vater Unterricht?
Erstmal bei meinem Vater, aber später bei einer Pianistin, weil er kein Pianist ist. Er ist Klarinettenspieler. Irgendwann konnte er mich nicht mehr weiter unterrichten.

(Xatar genießt das Dessert, das er sich bestellt hat—Künefe—und spricht zu seinem Sitznachbarn: „Boah, das knallt so arg, nein, übertrieben. Ich glaube, ich hol mir noch einen – eiskalt.“ Die ersten Fans, geladene Gäste auf der Feier, erkennen ihn und wollen mit ihm sprechen. Xatar: „Seht mal, wir sind gerade im Interview, ja? Ihr seid doch noch hier, ich bin auch noch hier, wir machen das danach in Ruhe. Macht auch mal eure Feier, ja!? Mubarek, Mubarek“.)

Dein Label Alles Oder Nix ist ja bekannt für eine spezielle Beatauswahl. Was ist das Besondere an euren Beats?
Ob das was Besonderes ist, weiß ich nicht. Wir stecken auf jeden Fall sehr tief in der Materie drin und lassen uns beim Produzieren sehr viel Zeit. Es ist auch nicht immer nur eine Person, die den Beat macht, sondern wir arbeiten im Team mit mehreren Produzenten. Da bin ich selber, Ssio ist ja auch ein Produzent, dann Reaf, Choukri, die Enginearz und Maestro. Jeder macht mal einen Beat, aber der bleibt dann nicht so. Jeder gibt seinen Senf dazu und dann ändert man noch was. Manche Leute sind für Bass, manche für Drums und manche nur für die G-Leads, also so Synthesizer-Leads, zuständig. Wir haben für alles Spezialisten. Mit unserer Soundqualität heben wir uns auf jeden Fall ab, aber auch schon nur durch das Mixing. Wir sind da auf jeden Fall weiter als unsere Konkurrenten, weil wir unsere Beats halt vergleichen. Und das macht halt—was HipHop betrifft—keiner in Deutschland. Da setzt sich schön einer an Fruity Loops, schiebt sich irgendwelche Filme und das hört sich dann auch dementsprechend an. Um es in einfach Worten auszudrücken: Unsere Beats knallen einfach mehr als alle anderen in Deutschland.

Ist der Albumtitel Baba Aller Babas gleichzeitig der rote Faden für das Album gewesen? War es dir wichtig, in jedem Track irgendwie zu erwähnen, dass du der Baba aller Babas bist?
Nein, gar nicht. Da sind Tracks dabei, die entstanden sind, bevor der Name Baba Aller Babas überhaupt festgesetzt war. Der rote Faden ist einfach mein Hunger und den spürt man auch. Sei es in der Qualität, sei es in den Lines, sei es in der Aggressivität, sei es in… allem. Der rote Faden ist einfach nur mein Hunger, den ich nach fünf Jahren habe.

(Xatar bestellt noch eine Künefe und einen Chai. „Wallah Bruder, der knallt.“)

Im Gefängnis hast du wahrscheinlich nichts von dem aufgenommen, was auf dem Album zu hören ist, oder?
Nein, das ist alles frisch aufgenommen.

Hast du die Texte alle drinnen oder manche auch noch draußen geschrieben?
Sogar 70 bis 80 Prozent habe ich draußen geschrieben und etwa 20 Prozent sind alte Sachen. Ich habe vieles noch von drinnen, aber für das Album nicht verwendet, weil das einfach nicht mehr zeitgemäß ist und weil ich mich—seitdem ich da im Gefängnis geschrieben habe bis jetzt—noch mal entwickelt habe, rein lyrisch.

Du bist auch technisch ein richtig guter Rapper geworden. Ganz am Anfang war vor allem viel Power und Hunger dabei, aber jetzt…
Also, scau mal: Mit Entwicklung meine ich nicht meine Technik. Das hätte ich auch damals machen können. Ich wusste ja, wie man das macht. Ich habe das damals mit Absicht nicht gemacht und in Lines und Interviews auch schon erwähnt. Als ich damals mit Rap angefangen habe, habe ich das nicht gemacht, um zum Beispiel die Hipster-Community oder irgendwelche Deutschrapnazis von der Juice und so zu überzeugen. Ich habe das nur gemacht, um Gangster zu überzeugen. Ich wollte nur, dass Gangster endlich mal Rap hören können, weil das bis dahin nie gemacht wurde. Bushido, Massiv und so, die haben zwar versucht, ein bisschen Straße zu machen und das wurde dann auch von Straßenjungs gefeiert, aber nicht von Gangstern. Kein Gangster hat sowas gehört. Und das war mein Ziel, weil ich selber von dort war und ich wollte einfach, dass die wirklichen Verbrecher endlich mal Musik hören können. Die haben sich immer nur geschämt, wenn die irgendwelche Mucke gehört haben. Dazu gehörten halt diese übertriebenen Wortakrobatiken und Erwähnungen von Wörtern, die sich um Rap selber drehen. Deswegen hörst du auf meinem ersten Album (Anm. d. Red.: 2008) kein einziges Mal das Wort „Rap“ oder „Flow“. Mein Ziel war, einen großen Teil dieser Gesellschaft, namens Verbrecher und auch so Straßengangster, zu HipHop-Fans zu machen und das ist mir auch gelungen. Seitdem hat sich natürlich alles wieder entwickelt. Die heutige Generation von Verbrechern ist auch ready für Wortakrobatik und deswegen siehst du mich jetzt auch beim Rumturnen (grinst).

Aber du versuchst auch heute nicht, Hipster oder bestimmte Redakteure zu überzeugen, oder?
Nein. Ich mache einfach, worauf ich Bock habe. Das mit der Technik ist eben nicht erst seit Kurzem so. Wir hatten mal einen Sampler geplant, der aber nie rausgekommen ist, weil Songs vorher im Internet gelandet sind. Das war 2009. Da war ich noch draußen. Die Songs hatte ich aufgenommen, bevor ich ins Gefängnis gekommen bin und darauf wird auch schon die ganze Zeit rumgetechnikt. Es ist halt eine falsche Analyse, wenn man denkt, dass das jetzt erst so ist. Das war schon vorher der Fall, nur 2007 war es einfach zu früh. Da konnte ich so was noch nicht bringen, weil das viele Straßenleute falsch verstanden hätten. Ich bin einfach straight harte Straße gewesen.

Wer hat eigentlich die Hook gesungen von „Mein Mantel“ auf dem neuen Album’?
Das werdet ihr nie erfahren.

Warum nicht? Warum wird die Sängerin nicht namentlich genannt?
Das ist ja nicht das erste Mal so.

Genau. Das machen ja auch ganz viele andere Rapper so.
Na, wer macht das denn? Keiner macht das.

Doch.
Außer Ssio, Ewa und mir macht das keiner.

Dass Sängerinnen Hooks singen und nicht namentlich genannt werden? Doch, doch.
Im Deutschrap? Sag mir einen.

Also meine Frage ist ja nicht, wer das macht und warum man das macht, sondern warum die nicht genannt werden. Haben die da selber keinen Bock drauf?
Es gibt viele Sängerinnen in Deutschland, die gut sind, aber manchmal passen sie einfach nicht zum Song. Jeder Song hat einen eigenen Anspruch, den aktuell bekannte Sängerinnen manchmal aber nicht erfüllen können. Nicht wegen der Qualität, sondern vielleicht einfach wegen der Stimmfarbe, die man braucht, um das zu catchen, was phonal auf den Beat abgeht. Da kannst du ja nicht jede Stimme nehmen. Da sind wir sehr, sehr pingelig. Wenn man bekannte Sängerinnen ausprobiert, die man auch nennen würde, die dann aber nicht zum Song passen, dann sucht man sich halt eine Studiosängerin aus seinem Umfeld. Unser Umfeld ist sehr musikalisch. Allein unser Studio ist von etwa 30 anderen Studios umgeben. Wir suchen dort dann so lange eine Studiosängerin, bis wir meinen, dass eine von der Stimmfarbe passt. Sie wird dann aber nicht namentlich genannt, weil es eine Studiosängerin ist. Deren Job ist nur das. Im Pop oder Soul ist das normal.

Auf dem Album ist der zweite Teil von „Hazaks“ drauf. Kannst du noch mal kurz erklären, was ein Hazak ist?
Ein Hazak ist ein Kanacke mit Hass. Mit Hass ist Neid gemeint, also neidische Kanacken. Es gibt viele Kanacken, die den anderen Kanacken nichts gönnen und alles versuchen, damit der andere Kanacke nicht mehr das hat, was er hat.

Hast du Verfolgungsängste oder Sorgen wegen Leuten, die dich jagen? Auch auf dem Track „Iz Da“ rappst du von ängstlichen Schüssen.
Ja klar. Das ist Vorsicht, Alter. Ich bewege mich ja nicht im normalen Teil der Gesellschaft, sondern hier. Was hier abends oder jetzt gerade alles passiert, während wir hier sitzen…

Gerade eben sind drei Leute hier auf der Straße festgenommen worden.
Ja. Ich bewege mich eben im Drecksteil der Gesellschaft. Da musst du vorsichtig sein, besonders wenn du versuchst, Geld zu machen. Dann musst du sehr vorsichtig sein. Und da ich wirklich in dem Film lebe und nicht nur so tue und die ganze Zeit auf großen Gangster mache wie die anderen Rapper, kann ich auch von der Kehrseite berichten. Und das ist diese Vorsicht, die man 24 Stunden haben muss—auch wenn man schläft.

Auf dem Track „Gentleman“ mit Teesy geht es inhaltlich unter anderem darum, dass du „Frauen in HD“ siehst, seitdem du draußen bist, also noch mehr Lust auf Frauen hast. Vielleicht ist es auch zu intim, aber war die sexuelle Abstinenz eine der größten Herausforderungen im Gefängnis?
Was heißt Herausforderung? Man weiß, dass es nicht geht. Damit musst du dich dann abfinden. Das ist so wie wenn du deinen Job verlierst. Du weißt, dass du den verloren hast und du dich damit abfinden musst. Am Anfang denkt man natürlich daran, aber irgendwann gewöhnt man sich auch daran. Das Problem ist, dass es eine biologische Sache ist. Selbst wenn man sich daran gewöhnt, kommt es ja immer wieder, wie du weißt, als Mann. Da kann man nichts tun, es kommt halt immer wieder. Dafür gibt’s aber geschmuggelte USB-Sticks (grinst). Das erwähne ich ja auch in dem Song.

USB-Stick mit Material?
Mit Karatefilmen. So nennt man das im Gefängnis—Karatefilme. Karatefilme können halt dazu dienen, die Problematik in Downtown zu klären.

Aber diese Duschstorys, von denen man in Filmen oder von Leuten hört. Passiert das wirklich im Gefängnis? Also Übergriffe unter Insassen in Gemeinschaftsduschen?
Ach so, ja, aber das passiert nicht vor mir. Natürlich wird im Gefängnis viel rumgefickt. Da werden auch überall Kondome hingelegt, damit die Leute mit Kondom ficken, damit nicht so viel Aids verbreitet wird. Da haben viele auch Aids, weißt du. Aber das machen die ja nicht vor mir, weil die wissen, dass ich die alle weghauen würde. Das geht ja nicht. Die können ja nicht vor mir rumknallen. Das machen die in ihren Zellen. Wenn die Umschluss machen können, dann knallen die sich da weg.

Also in beiderseitigem Einverständnis?
Jaja, klar. Die knallen sich alle weg.

Hattest du eigentlich direkt von Anfang an einen hohen Status im Gefängnis? Warst du bekannt oder musstest du dich erstmal unterordnen?
Ich war erst in einem sehr kleinen Gefängnis in Baden-Württemberg mit gerade mal 20 Mann. Das waren alles Kurzstrafen, hauptsächlich Penner, die reingegangen sind, damit sie im Winter im Gefängnis sind, weil es da warm ist. Die waren nur zwei Wochen wegen irgendeinem Scheiß da. Da kannte mich kein Schwein. Für mich war das gut. Ich hatte meine Ruhe.

War das, als du von Irak nach Deutschland gekommen bist?
Ja genau. Ich war erstmal zwei Jahre dort. Dann kam ich nach Stammheim und in andere große Knäste hier in NRW. Und da kannte man sich dann.

Auf „Rote Notiz“ sagst du, dass wir alle Verbrecher sind, nur dass du die größeren Eier hattest. Warum sind wir alle Verbrecher?
Na, weil jeder Dreck am Stecken hat. Jeder, jeder, jeder hat Dreck am Stecken. Es gibt kaum jemanden, der frei von Sünde ist. Schau mal, selbst Jesus war's nicht.

Es gibt niemanden, oder?
Ja, es gibt nur die Gelegenheit. Wenn du jetzt zum Beispiel irgendwo, was weiß ich, im Urlaub auf einem sudanesichen Berg als Bergtourist bist und du ziehst dir da alles rein und findest dann auf einmal eine Tasche mit Geld, tatsächlich mit Euros, die du noch nicht mal wechseln müsstest—vielleicht würdest du die nicht einstecken, ich weiß es nicht. Aber es gibt genug Leute, die heute als Nicht-Verbrecher gelten, die das machen würden und das ist schon ein Verbrechen. Dann gibt es auch noch diese ganzen Kleinigkeiten: Wer hat noch nie illegal einen Song downgeloadet? Hat auch schon fast jeder. Und das ist auch schon ein Diebstahl.

Das stimmt, aber Abstufungen gibt’s ja trotzdem noch. Es ist ja ein Unterschied, ob du ein Song downloadest oder Bargeld klaust.
Aber klauen tust du trotzdem. Vor dem Gesetz gibt’s da Abstufungen. Vor Gott hast du geklaut. Hör auf zu klauen, Mann.

Aber meinst du, das Strafmaß vor Gott ist dasselbe, ganz egal was man klaut?
Weiß ich nicht, ob es da um die Menge geht. Selbst in Deutschland ist es ja so, dass die Summe dessen, was du klaust, für die Strafe nicht relevant ist. Also bei mir hat ja die Summe gar keine Rolle gespielt. Na klar: Ob du jetzt 20 Millionen oder in dem gleichen Stil 10 Euro klaust, macht schon ein Unterschied. Natürlich wird der Richter selbst aus eigenem Ermessen sagen: Ach komm, scheiß drauf, das lassen wir fallen, es geht hier um 10 Euro. Aber vor Gericht gibt’s da keinen Unterscheid. Sonst hätte ich ja richtig mies verurteilt werden müssen. Der Grund, warum ich acht Jahre bekommen habe, ist ja nicht wegen der Summe.

Waren die acht Jahre nicht viel?
Doch doch, acht Jahre waren sehr viel! Die Leute denken aber, dass es wegen der Summe so gewesen ist. Das ist aber nicht der Fall. Das ist, weil die mir ein Gesetz reingedrückt haben, was meine gewaltlose Tat zu einer Gewalttat gemacht hat. Die haben da tatsächlich noch Gewalt mit reingekriegt, indem die ein Gesetz ausgepackt haben—ich erzähle es dir einfach: Ich weiß nicht mehr welcher Paragraph das genau ist [Anm. d. Red.: §316a StGB], aber der heißt: Räuberischer Angriff auf die Entschlussfreiheit eines Kraftfahrers. Normalerweise ist das Trickdiebstahl, was wir gemacht haben. Wir haben ja keinen verletzt oder so, aber die haben „räuberischer Angriff auf die Entschlussfreiheit eines Kraftfahrers“ daraus gemacht. Das ist ein Gesetz von Hitler gewesen, als er damals die Autobahnen bauen ließ. Das war der ganze Stolz, was ganz Arges zu der Zeit, was Neues. Die Leute haben angefangen, Überfälle auf den Autobahnen zu machen, indem sie Holzstämme auf die Fahrbahn gelegt haben, sodass Autos oder Geldtransporter stehen bleiben mussten. Die sind dann hingegangen und haben denen die Sachen abgenommen. Das ist öfters passiert. Man hat dafür aber zuerst nur ab sechs Monate bekommen. Die Gesetze waren denen also zu schwach. Unter Hitler wurde dieses Gesetz erlassen, durch das man für diese eigentlich kleine Straftat, die ja nur Diebstahl und nichts Großes ist, ab fünf Jahre kriegt, also ein ganz hartes Ding. Ab 5 bis 15 Jahre sogar, damit die Leute damit aufhören. Das Gesetz ist bis heute geblieben und eiskalt hat der Staatsanwalt irgendwo diesen Teil gefunden und uns das doch tatsächlich reingedrückt. Das heißt, die haben uns zu Gewalttätern gemacht. Unsere Anwälte haben auch im Gespräch vor Gericht gefragt, warum die dieses Gesetz auspacken. Sie sagen, dass das Blaulicht, was ich angemacht habe, dem Transporter-Fahrer psychisch genötigt hat, still zu bleiben. Es ist nun also Gewalt gewesen, was ich angewendet habe und deswegen musste ich eine Gewalttherapie machen, in der ich den ganzen Tag darüber reden musste, warum ich meine Aggression nicht kontrollieren kann. Aber zurück zum Thema: Es geht immer um die Tat, wenn du was klaust, nicht um die Beute—bei Steuersachen ist das aber wieder was anderes. Deswegen sind alle Verbrecher und ich habe einfach nur dickere Eier—das ist so.

Was war eigentlich das, was du ganz früher mal machen oder werden wolltest—lange bevor diese Goldraubgeschichte angelaufen ist?
Also als Kind war ich voll auf einem Astronomie-Trip, vor allem Astrophysik. Solchen Themen war ich in der Schule dann auch immer sehr zugeneigt. Das hat sich aber früh geändert, Alter, früh. Als ich Geld kennenlernte, weißt du.

Du warst auf einem Gymnasium in Brüser Berg?
Ja, richtig.

Hast du das fertig gemacht?
Nein, ich bin vorher nach Köln gezogen, ‘98. Dann bin ich hier in die Oberstufe gegangen bis zur 11. Klasse. Da habe ich dann auch verkackt, zweimal sitzen geblieben. Und dann geht’s ja nicht weiter. Du kannst ja nur zweimal sitzen bleiben. Dann bin ich noch zur Berufsschule gegangen und habe da eine schulische Ausbildung gemacht—informationstechnischer Assistent, IT. Das war mit Fachabi und schulischer Ausbildung. In dem Rahmen habe ich mein Fachabi bekommen. Kennst du das noch, Heinrich Hertz Berufskolleg?

Ja klar, in Bonn, da beim Verteiler in der Nähe.
Jaja, Auerberg.

Du wirst dieses Jahr noch auf Tour gehen.
Die richtige Tour ist erst im September und Oktober. Das erste Konzert ist jetzt im Mai, aber nur das eine.

Willst Du noch irgendetwas sagen? Letzte Worte…
Das Album ist geil geworden.

Viel Erfolg damit und vielen Dank für das Interview.

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