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Interviews

Total Freedom ruft ein Tanzverbot aus

Total Freedom aka Ashland Mines ist ein kreatives Supermind: DJ, Labelchef und Party-Kurator, nebenbei hat der Mann aus L.A. noch seine eigene kreative Bewegung mitbegründet.
5.3.13

Foto: Aaron Brown.

Als Künstler, DJ und vorzeitlicher Party-Besucher entspringt Ashland Mines einem sehr aufregendem Teil der Kunst- und Musikszene des LA-Undergrounds der letzten Jahre. Unter seinem Synonym Total Freedom deckt er eine weite Bandbreite an Klangelementen ab. Das Repertoire dabei reicht über seichten R'n'B und Middle Eastern Pop bis hin zu UK-Grime und Kuduro. Seine mittlerweile berüchtigte Wildness -Partyreihe gab die Inspiration für das Venus X GHE20 G0THIK Phänomen und war Gegenstand des preisgekrönten Dokumentarfilms von Wu Tsang.

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Er ist außerdem einer der weniger bekannten Macher hinter dem Label und kreativem Movement Fade To Mind, dem amerikanischen Ableger des UK-Labels Night Slugs, aus welchem Künstler wie Nguzunguzu, Fatima Al Quadiri oder Kingdom hervorgehen. Im vergangenen Sommer zeigte Mines in seiner Ausstellung Blasting Voices voller Begeisterung sein kreatives Können und lud zudem etwa 30 Freunde und Künstler ein, hierbei zu performen. Dazu gehörten unter Anderen Lizzi Bougatsos (Gang Gang Dance), Devonte Hynes (Blood Orange), und das Multimedia-Kollektiv Thunderhorse. Vor seinem Janus-Headliner-Gig auf seiner inoffiziellen Europa-Tour plauderten wir mit ihm über das Tanzen auf verbotenen Partys, seine religiöse Erziehung und der Hass-Liebe zu Internet.

Noisey: Du hast mit deinen Partys in LA sehr viel Aufsehen erregt, kannst du mir ein wenig von Wildness erzählen?
Total Freedom: Wildness hatte seinen Fokus zunächst voll und ganz auf der Umwelt. Die Partyreihe entstand in dieser bestimmten Bar mit diesen bestimmten Menschen, die dort arbeiteten. Nach meiner Meinung sind wir musikalisch sehr desorientiert und ungefestigt. Egal woher die Musik stammt, wir mischen alles ineinander, sodass man nicht mehr weiß, von wem das kommt oder was da eigentlich passiert.

Spielt diese Desorientierung eine wichtige Rolle in deiner Musik und in deinen Veranstaltungen?
Genau das macht diese Party zu dem, was sie ist und ich habe diesen Versuch wirklich genossen. Generell versuche ich mir immer etwas andere Ziele zu stecken. Nach dem Wildness-Projekt kam da eine weitere Veranstaltung. Sie nennt sich Grown und es ist das pure Gegenteil, so völlig ohne Bewegung, Tanzverbot.

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Wie willst du diese Regel durchsetzen?
Das ist recht naheliegend. Es war musikalisch eine klassische Tanzveranstaltung, jedoch muss verständlich gemacht werden, dass hier diesmal nicht getanzt wird. Fängt nun also jemand an zu tanzen, regele ich die Musik nach unten oder schalte sie aus, bis jeder versteht, was ich damit bezwecken möchte. Das passiert zunächst sehr häufig immer mit dem Ziel vor Augen, den Besuchern diese spezielle Erfahrung machen lassen zu dürfen.

In welcher Rolle siehst du dich bei der Prägung von Fade To Mind?
Ich würde sagen, einer der Gründerväter davon zu sein. Kingdom, Prince William und ich waren es, die es zum Label machten. Es war Kingdoms ursprüngliche Idee, um an etwas heranzukommen, in die Staaten zu gehen und den Künstlern etwas Gutes zu tun. Das ist nun etwa ein Jahr und sechs Monate her, also noch recht frisch.

Abgesehen von deinen eigenen Events, wie beurteilst du das Nachtleben in L.A.?
Die Sache an L.A. ist, dass du dort auftauchen kannst und einfach mal eine furchtbare Zeit durchleben wirst. Etliche Vororte, in denen Spaß etwas anderes heißt und alles wenig aufregend wirkt. Die Bars schließen gegen 1 Uhr 45 und die letzten Bestellungen werden gegen 1 Uhr 30 aufgenommen. Um 2 Uhr ist alles vorbei und das stört auch niemanden.

Auf deinen Partys auch?
Ja, es geht nicht anders. Ausgeschlossen die Veranstaltung Grown, bei der niemand Tanzen darf. Es gab da ein Event in einem illegalen Jazz-Club, der schon seit etwa 28 Jahren geöffnet war, letztendlich wurde er von der Polizei geschlossen.

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Es scheint, als wären die meisten deiner Veranstaltungen und der Großteil deiner Musik in Zusammenarbeit mit anderen entstanden. Ist das wichtig für dich?
Auf alle Fälle. Ich hasse es, etwas alleine zu machen. Die Ausstellung Blasting Voice, aus dem vergangenen Sommer, war ein gänzliches Soloprojekt und ich habe wirklich verinnerlicht, was das bedeutet. Ich fand 30 der unterschiedlichsten Leute und habe sie quasi nur angeschaut, sehr eigenartig.

Also machst du keinerlei komplette Solo-Projekte mehr?
Bisher war ich noch nie allein auf Tour. Nur mit einer lauten Gruppe, doch das ist schon eine Weile her. Und ich war mit The Claws unterwegs, einer Band, die zu meinen besten DJ-Kolegen wurde.

Welche Art von Musik macht ihr?
Wenn DJs sich einander bedienen klingt das spitze! Wir begleiteten Gang Gang Dance bei ihrer Toureröffnung und konnten dabei CDs in den Umlauf bringen. Die Leute sahen sie und dachten wir seien eine Band oder ähnliches, sodass wir daraufhin gebucht wurden und schließlich gemeinsam auf Tour gingen. So kam mir die Idee, alleine zu touren, nie so recht in den Sinn und Sachen entstanden immer in Zusammenarbeit.

Es gibt da eine große Menge an Einflüssen in deiner Musik. Was hast du so gehört als du aufgewachsen bist?
Nun, ich wuchs in einer christlich kulturellen Umgebung auf, in welcher man dazu neigte, stolz darauf zu sein, anders zu sein. Als Junge war ich stets der Überzeugung: Du bist anders und das ist auch gut so, die Welt ist ein furchtbarer Ort … Es gab da einiges, was wir nicht hören durften, wie Rap oder Metal, alles was eben kantig oder provokant wirkte Selbst herkömmliche Pop-Musik war nicht okay. Doch es gab da etwas, was akzeptabel schien, wie Indie-Musik oder experimenteller Kram. Ich denke, das dieser Umstand, aus welchen Gründen auch immer, einen starken Einfluss darauf genommen hat, dass ich den eigenartigen oder sonderbaren Dingen Anerkennung schenkte. Ebenso bin ich ein Kind der 90er und stehe sowieso darauf „edgy“ zu sein.

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Ab welchem Punkt hast du dich zunehmend der elektronischen Musik gewidmet?
House-Musik im eigentlichen Sinne war mir nie ein Begriff. Klar, ich lebte in Chicago und hab mir Platten von Mr. Fingers gekauft, hab dies jedoch nie in ein Genre eingeordnet. Dann als DJ wollte ich die Menschen zum Tanzen bewegen, hab aber auch dabei nicht über die Art der elektronischen Musik nachgedacht.

Welche Position nimmt das Internet bei deiner Musik ein?
Oh mein Gott, eine echt große. Es gab da einen Punkt, an dem ich realisierte, dass es eine abgefahrene Quelle darstellt. Du kannst überall auf der Welt suchen und alles mögliche finden. Als ich SoundClick entdeckte, wäre ich fast gestorben. Ich konnte kaum glauben, wie viel Musik es dort gibt. Am liebsten hätte ich den ganzen Tag damit verbraucht mich durchzuwühlen, denn ich fand dort diesen ganzen American-Shit, von dem ich anders nie gehört hätte. Hinzu kam dieser Independentkram, auf den man sonst auch keinen Zugriff hatte. Das hat mich wirklich auf Touren gebracht und ich war sehr gespannt auf diese ganzen neuen Sachen. Nguzunguz und ich waren da auf der selben Wellenlänge—wir teilten unsere Musik und remixten was wir fanden.

Und hast du später dann irgendwelche Goldstücke gefunden?
Irgendwann hab ich es dann bleiben lassen, permanent dort zu suchen, es gab genug Leute, die das mittlerweile taten. Ich hatte nun zum Abspielen diese lächerliche Sammlung dieser einen Quelle und eben die Musik, die von mir und meinen Freunden erzeugt wurde. Außerdem noch ein paar Versionen von Female-Rapsongs aus dem Radio. Vielleicht ist das gerade eine Stadium, in dem ich mir mehr Energie wünsche, denn alles entwickelt sich stetig weiter und ständig gibt es gute neue Sachen.

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Es ist vermutlich anstrengend, wie schnell Dinge online auftauchen und ebenso wieder verschwinden…
Auch ich fühle mich unwohl bei diesem allgemeinen Verlangen nach dem nächsten. Leute lassen neue Genres entstehen, diese kommen in die Maschine, werden dabei nicht gänzlich entschärft, jedoch in irgendeiner Weise verfälscht. Man sollte nicht alles verwühlen, so setze ich meinen Fokus auf das was die Menschen um mich herum wirklich erzeugen. Ich liebe die Musik und hoffe sie immer als einen Teil von mir erhalten zu können. Merk dir meine Worte, du wirst mich in zehn Jahren noch immer dabei erleben DJ zu sein. Zwar ein wenig verlegener, aber dennoch. Das wird dann irgendwann so richtig „edgy“, verstehst du, mit Gehstock und so.

Total Freedom aka Ashland Mines wird im kommenden Sommer eine zweite Ausstellung von Blasting Voices kreieren, mit einer zweiten begleitenden LP, veröffentlicht via Teenage Teartrops. Ebenso endeckte Mines den Sänger Kelela, der bald auf dem Fade To Minds Label von sich hören lassen wird.

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