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Interviews

Bad Things haben mir verziehen, dass ich Shaun White nicht kannte

Ja, es ist leider wahr: Unsere Autorin hatte keinen Plan, wer dieser Shaun White ist und warum er so wichtig ist.
21.1.15

Foto via Facebook

Wenn du in der Früh aus der Haustüre gehst und dann einen Anruf bekommst, dass das geplante Interview doch erst eine knappe Stunde später stattfindet, fängt der Tag schon mal prächtig an. Die Bad Things waren noch beim Frühstück, und da wir alle schon einmal Hunger hatten, wissen wir, dass es in so einem Fall klüger ist, die Band essen zu lassen, als sie mit leeren Mägen zu erleben. Hungrige Menschen sind nämlich die drittschlimmste Sorte Mensch. Als ich sie dann in einem dieser nichtssagend-aber-sicher-teuer-Hotels in Wien treffe, sind sie besser gelaunt als ganz Disneyland und lachen sich kaputt, weil die schweren Sofas komische Geräusche machen während sie sie grundlos durch die Lobby schieben.

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Bad Things kommen aus L.A. und sind die Band um Sänger Davis LeDuke—okay, oder viel eher um Gitarristen Shaun White. Vermutlich war ich der erste Mensch der Welt, der nicht wusste wer dieser Typ ist. Wie ich nun von mehreren Seiten gehört habe ist das ziemlich peinlich. Wobei ich von den meisten eigentlich schon fast ausgelacht wurde und Sätze wie „Waaaas, du weißt nicht wer SHAUN WHITE IST?!?“ haben es auch nicht besser gemacht. Ja, ich gebe es zu, ich habe keine Ahnung von Snowboarden und Kram, der sich auf Bergen abspielt oder mit Brettern zu tun hat. Der letzte Skispringer, den ich kannte, war Andi Goldberg. Andi fucking Goldberg. Oder hieß der überhaupt so? Keine Ahnung. Wenn das nicht Beweis genug von meiner Ahnungslosigkeit ist, dann weiß ich auch nicht.

Aber nun zum Wesentlichen: Vor etwa einem Jahr haben sie ihr selbtbetiteltes Debut rausgebracht, und derzeit arbeiten sie an ihrer neuen EP. Anlässlich des Air & Style in Innsbruck waren sie in Österreich und haben mit neugierigen Menschen wie mir geredet. Bevor ich übrigens nur ein Wort sagen konnte, haben sie mir dieses Video von ihnen vorgespielt und sich wieder kaputtgelacht:

#theairportgotmelike #Innsbruck #airstyle

Ein von Shaun White (@shaunwhite) gepostetes Video am Jan 14, 2015 at 2:53 PST

Bin ich eigentlich die erste Person auf diesem Planeten, die die Band kannte, bevor ich wusste wer du bist, Shaun?
Anthony: Echt jetzt?
Jared: Wirklich?
Shaun: Wirklich???

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Ja, ich hatte keinen Plan wer du bist. Sorry.
Shaun: Oh, cool!

Kann auch daran liegen, dass ich mich kein bisschen für Sport interessiere.
Shaun: Ja, ich mich auch nicht.
Anthony: Jetzt mal ehrlich. Ist sie die Erste?
Shaun: Nicht wirklich. Wobei, doch, wahrscheinlich schon! Aber es gab bestimmt schon einige Leute, die die Band kannten bevor sie wussten wer ich bin.
Jared: Es gibt einige Blogs die uns als Band unterstützen. Das ist schon ziemlich cool.
Shaun: Ja, es gibt einige Leute, die uns als Band wahrnehmen und uns alle gleich behandeln. Wir waren mal in Russland und die Leute sind an mir vorbeigelaufen und haben zum Beispiel nur Davis erkannt, was ziemlich cool war. Ich hoffe, dass die Leute zuerst die Musik hören und sich dann erst für uns als Menschen interessieren.

Man sollte also auf jeden Fall zwischen dir und der Band unterscheiden.
Shaun: Ja. Du kannst online ja noch immer nachsehen wer dieser Shaun White ist.
Anthony: Wenn du eine Band kennenlernst, sollte man nicht zu viel darüber nachdenken, wer die Leute sind. Wenn du mir erzählen würdest, dass du in einer Band spielst, würde ich genauer hinhören, weil es etwas besonderes ist, wenn du nicht weißt wer in der Band ist. Ich mag das.
Jared: Am Ende sollte es scheißegal sein wer in der Band ist, solange die Musik gut ist. Nicht mal bei meinen Lieblingsbands weiß ich wer bei denen spielt.
Anthony: Wenn du mich fragst wer in meiner Lieblingsband spielt, kann ich dir keine Antwort darauf geben.

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Es sollte sich erstmal nur um die Musik drehen.
Shaun: Hoffentlich, ja. Aber danach könnt ihr euch schon auch für uns interessieren, hehe.

Es ist jetzt ein Jahr her, dass ihr euer Debüt herausgebracht habt. Was ist seitdem passiert?
Jared: Wir sind ziemlich viel getourt. Wir waren in den Staaten unterwegs, hier haben wir mit 30 Seconds to Mars gespielt. Und wir haben einige Songs geschrieben, die wir in ein paar Monaten auf einer EP rausbringen wollen. Wir hoffen neue Musik für die Menschen da draußen machen zu können und freuen uns schon aufs Studio.
Shaun: Wir werden auch ein paar Shows spielen.

Ihr hattet doch unlängst eine Show mit den Flaming Lips, oder?
Shaun: Ja, zu Silvester in San Francisco. Das war sehr spannend.
Anthony: Wir hatten eine großartige Zeit mit den Jungs.
Shaun: Ihre Show war ziemlich trippy, mit ziemlich coolen Visuals.
Davis: Viele Songs vom Album fühlen sich mittlerweile alt für uns an und wurden schon vor einer langen Zeit geschrieben. Nach der Tour haben wir gewusst, dass wir was Neues brauchen. Ich freue mich sehr über die neuen Sachen—wir haben unserem Stil nicht komplett den Rücken gekehrt, aber…
Anthony: …wir entwickeln uns einfach.

Könnt ihr uns mehr über eure Songs verraten? Was sie inspiriert hat?
Davis: Es geht um persönliche Kämpfe, mit denen sich die Leute aber identifizieren können. Dass man irgendwie nicht aus seiner Haut rauskommt und man in seinem Kopf eingesperrt ist. Dass sich jeder alleine fühlt.
Anthony: Meinst du die neuen Sachen?

Ja!
Davis: Achso! Das ist zum Zeitpunkt noch schwer, weil sie noch so neu sind und noch nicht wirklich fertig sind. Die Konzepte sind fertig, die Musik ist fertig aber die Texte kommen bei uns meistens am Schluss. Aber die neuen Sachen sind von unserer Tour inspiriert. Wir haben uns auch mehr an elektronischem Zeug versucht.
Shaun: Wir wollen die Songs auch so ausarbeiten, dass sie für die Tour und unsere Fans funktionieren und konzentrieren uns auf Parts, die wir uns live gut vorstellen können. Songs, von denen wir glauben, dass die Leute gut darauf reagieren und es ihnen gefallen könnte, mitzusingen. Und auch instrumentale Sachen, die wir bei Shows dann in die Länge ziehen könnten. Das hat das Schreiben der Songs beeinflusst.

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Habe ich das richtig verstanden: Ihr schreibt die Songs zusammen?
Bad Things: Ja!

Immer?
Davis: Es gibt vielleicht ein, zwei Songs, die nicht gemeinsam geschrieben wurden.
Shaun: Die Band arbeitet meistens an den Songs wenn ich weg bin, was eigentlich ziemlich cool ist. Sie sind auf meine Anwesesenheit nicht immer angewiesen. Die Songs werden entwickelt wenn ich nicht da bin. Wenn ich dann wieder da bin und sie mir anhöre, habe ich eine frische Perspektive auf die Dinge. Während die Jungs sich die Lieder immer und immer wieder anhören—so lang, bis man sich in den Aufnahmen verliert. Ich kann dann sagen: „Hey Jungs, weg damit!“. Im Winter bin ich viel unterwegs, muss an Competitions teilnehmen—was ich auch mag. Da ist es schwer Zeit für beides zu finden.

Macht ihr neben Musik eigentlich auch noch etwas?
Anthony: Es gibt Dinge neben der Musik?
Jared: Wir haben uns zurückgezogen und uns auf die Musik konzentriert. Die neuen Sachen werden etwas Besonderes werden und wir nehmen uns so viel Zeit wie möglich um daran zu arbeiten. Im Gegensatz zu Shaun sind wir keine Athleten.

Und ich dachte schon ihr geht gemeinsam Snowboarden und so Zeug.
Jared: Manchmal fahren wir gemeinsam auf die Berge und verbringen Zeit in einem Haus. Dort gehen wir morgens dann boarden und Abends machen wir Musik—so Zeug eben, das ist immer sehr familiär. Wir verbringen so viel Zeit wie möglich gemeinsam.
Shaun: Es ist lustig Davis in den Bergen zu sehen—dieses blasse L.A. City-Kid. Einmal sind ihm die Zigaretten ausgegangen und er musste zu einem Geschäft gehen.
Davis: Bei einem Sturm.
Shaun: Die Jungs haben ausgesehen als hätten sie sich auf den Krieg vorbereitet, als würde einer gleich sagen: „Gib diesen Brief meinen Eltern.“
Davis: Wir sind fast zwei Kilometer diesen unglaublich dunklen und leisen Berg hinuntergegangen—und das alles während dem Sturm.

Gibt es Parallelen zwischen Sport und Musik?
Davis: Air and Style!
Shaun: Ja, pretty much. Leute hören extrem viel Musik wenn sie Sport machen. Es ist emotionaler als ein Instrument zu spielen. Sogar bei den Olympischen Spielen kannst du dir aussuchen zu welchem Song du die Halfpipe runter fährst. Wenn du deinen Lieblingssong hörst, nimmt dir das die Nervosität und den Druck. Du denkst dir dann: „Vielleicht wird das ja doch nicht der schlimmste Tag meines Lebens.“ Es ist beeindruckend, wie Musik deine Stimmung ändern kann, was sie bewirken kann. Ich bin von gewisser Musik generell sehr angezogen und verändere durch sie auch mal meinen Style beim Snowboarden, welche Ausrüstung ich trage oder auch die Dinge, die ich in meinem Leben so mache. Sport und Musik überschneiden sich sehr oft. Es gibt viele Musiker, die Sport lieben und diese zwei Welten miteinander verbinden. Slash wollte beispielsweise ein professioneller BMXer werden. Steve Aoki liebt Snowboarden. Beim Air and Style hat er mich mal gefragt: „Hey, könnte ich diesen Trick machen?“ Worauf ich meinte: „Ich weiß nicht, kannst du?“ Warum fragt er mich ob er das kann? Aber es ist ziemlich interessant, wie sich das entwickelt hat.
Davis: Viele Stars sind auch bei Basketballspielen.
Shaun: Irgendwie gibt es heute keine Grenzen mehr. HipHop-Künstler tragen enge Hosen und Lederjacken.
Anthony: Jay Z gehören die Brooklyn Nets.
Jared: Nein, ihm gehören kleine Anteile.
Anthony: Bon Jovi gehörte ein Football-Team.
Shaun: Diesem Beispiel wollen wir folgen.

Haben die dann immer Bon Jovi gespielt als sie eingelaufen sind? Das wäre furchtbar.
Anthony: Das ist ein verdammter Albtraum.
Shaun: Bei einem Snowboard-Contest habe ich einmal eine Gitarre gewonnen. So habe ich angefangen zu spielen.

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Tatsächlich?
Shaun: Es war eine Trophäe, die du eigentlich auf die Wand hängen solltest. Aber es war eine feiner Gitarre, also ich habe ich darauf gelernt zu spielen.

Trophäen an die Wand zu hängen ist ja auch dumm. Das macht sie so unnütz.
Shaun: Ja, aber es war auch ein bisschen peinlich.
Jared: Wenn du noch immer auf der spielen würdest…
Shaun: Ja! Die hatte so ein brutales Gelb.

Hast du dir das Spielen selbst beigebracht?
Shaun: Ja, ich hab mir im Internet ein paar Gitarren-Tabs angesehen. Es hat lange gedauert, aber ich habe mir die Zeit genommen. Dann habe ich beschlossen, die Gitarre überall hin mitzunehmen. Ich wollte gut werden und meinen Lernfortschritt nicht unterbrechen. Es war, als würde ich lernen eine neue Sprache zu sprechen. Jeder hat mir Tipps und Ratschläge gegeben. Anthony ist eine Straße neben mir aufgewachsen und er war die erste Person, die ich angerufen habe um gemeinsam zu spielen.

Anthony, hattest du Angst?
Shaun: Ich war furchtbar!
Anthony: Das ist wirklich schon lange her. Fast schon zehn Jahre, aber er hatte ganz offensichtlich noch keinen Plan, was er da tut. Ich erinnerte mich, dass ich ihm gut zugeredet habe und ihm sagte, dass er das Spielen sicher einmal beherrschen wird.
Shaun: Ja, ich dachte, mir. „Hey, du hast ne Gitarre, du solltest deine Leute zum Jammen zusammentrommeln.“

War dein erster Song auf der Gitarre „Come As You Are“?
Anthony: Das war mein erster Song!
Shaun: Nein, meiner war White Stripes—„Seven Nation Army“. Der war auch sehr simpel. Ich dachte immer, dass Musik komplex sein muss—muss sie aber gar nicht. Als ich das merkte, hat sich meine Perspektive verändert.
Anthony: Es gibt so viele Musiker die glauben, dass sie niemals so gut spielen können wie die großen Bands, dass sie das niemals hinbekommen würden. Aber es geht nicht darum, wie gut du auf deinem Instrument spielen kannst, sondern es geht um den kreativen Prozess. Man kann sagen, dass die Leute, die ihr Instrument wirklich gut beherrschen, scheiß Musik machen.
Shaun: Ja, die denken zu viel drüber nach.
Anthony: Ja, Fusion Jazz! Oh Gott, da fällt mir ein, dass ich gestern einen Traum in diese Richtung hatte—ich hab nicht besonders gut geschlafen. Ich habe von einem Gitarre spielenden Mädchen geträumt, ihr Name war Arianthe oder so, und ich ging zu ihr und hab gesagt: „Hör auf.“ Du bist jung, du kann dich noch verändern und in eine bessere Richtung einschlagen. Ich trage gerade Lederhosen, hör einfach auf.“ Und sie nicht aufgehört zu spielen. Sie hat einfach nicht aufgehört.

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Klingt nach einem Albtraum.
Shaun: Ja, das und Bon Jovi.

Spielt ihr gerne am Air and Style?
Anthony: Ja, die Stadien und die Leute dort sind sehr cool. Schon im Vorhinein hat uns jeder sehr viel Lust darauf gemacht und es gehypet.

Kennt ihr die anderen Acts die beim Air& Style gespielt haben?
Shaun: Ja, Cro!

Was hält ihr von ihm?
Jared: Ich habe keine Ahnung was das sein soll.
Davis: Ich habe gehört, dass es Dubstep sein soll.
Shaun: Cro ist toll.

Der Typ trägt immer eine Panda Maske.
Davis: Tight.
Shaun: Ich mag seine Lieder.

Wie sieht es mit Kool Savas aus?
Anthony: Ich habe mir mal ein, zwei Tracks von ihm angehört. Aber..hm.

Was habt ihr so für 2015 geplant?
Davis: Touren.
Anthony: Touren.
Davis: …und touren!
Shaun: Wir wollen auf eine richtig lange Tour mit Bands gehen, die wir gern haben. Wir würden gerne wieder nach Europa kommen. Das ist uns wichtig. Wir haben gerade in den französischen Bergen gespielt. Das war großartig. Ein paar Mädchen sind extra aus Finnland gekommen um uns zu sehen. Es ist schön immer mehr Fans in Europa zu bekommen. Es ist zwar teuer und anstrengend, aber es hat sich ausgezahlt. Europa war gut zu uns.
Jared: Die europäischen Fans sind supernett. Die freuen sich mehr über uns.
Anthony: Und sie sehen besser aus!

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