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Wir haben 2011 mit den Suggar Daddys im Take Five gefeiert

Das Take Five, der Club fur Suggar Daddys und Golddigger, schließt seine Pforten. Wir erinnern uns an einen Abend dort zurück.
18.11.14

Alle Fotos von David Bogner

Der Club Take Five, die Mama aller Schickimicki-Clubs, schließt seine Pforten für immer. Seit 1962 war das Take Five im ersten Bezirk die ultimative Heimat für neureiche Gigolos und aufgetackelte Frauen, die es auf die jeweils andere Seite abgesehen hatten. Das „Fünferl“ hatte seine Blüte in einer Zeit, in der Goldketterl und Zähne noch eindrucksvoller glänzten und Brusthaare noch gebührend zur Schau gestellt wurden. Wenn wir ganz ehrlich sind, hätten wir alten Nostalgiker diese Wiener-Edelprolo-Epoche schon irgendwie gern selbst miterlebt.

Wer noch in einem Club Take Five feiern will, muss jetzt in die Schickimicki Hochburgen im Westen des Landes fahren—in Salzburg und in Kitzbühel existieren noch Ableger des Wiener Clubs. OK, wir wissen auch, dass das natürlich einfach nicht das gleiche ist.

Die Reaktionen der Alltime-loyalen Facebook-Fans auf das Ende des Take Fives reichen von tiefer Traurigkeit über den Verlust ihrer jahrzehntelangen Wochenendheimat, über echte Verzweiflung, bis hin zu blanker Wut, und manch ein User sucht schon nach den Schuldigen für die Tragödie:

Wenn ihr glaubt, nur Sugardaddys und Golddigger hätten das Take Five mit ihrer Anwesenheit beehrt, irrt ihr. Wir haben in dem Club 2011 die After Show Party zu einem Adidas Pop Up-Store gefeiert. Damals war es halt noch absolute Policy, dass Partys da gefeiert werden müssten, wo man sonst nie feiert.

Es war ein ziemlicher Kulturschock. Für uns, aber auch für den Club Take Five. Der Laden war plötzlich voll mit Menschen, die sonst niemals auch nur in die Nähe der Tür gekommen wären und das vermutlich auch nicht gewollt hätten. Der Security versuchte ständig, alle dazu aufzufordern ihre Kappen und Hauben abzunehmen. Das passierte solange, bis er es bei einem unserer Mitarbeiter versuchte, der sieben Tage vorher die Miete für den Laden überwiesen hatte.

Eigentlich war es irgendwie auch ein ziemlich lustiger Abend. Das Stammpublikum, das im Anzug bzw knappem Kleid da war, vermischte sich mit den immer betrunkener werdenden Wiener Szenekindern. Die Sugar Daddys luden uns irgendwann an ihre Tische ein und ließen Sekt springen. Auch sonst gab es einige Begebenheiten, die man nicht jedes Wochenende hat: Als ich mit einer Freundin an der Bar stand und sie sich ein Bier bestellte, kam plötzlich ein grauhaariger Kerl von links, legte zwei Kreditkarten auf den Tisch und hauchte: „Such dir eine aus.“

Es war einer dieser wenigen Abende in Wien, wo sich das Publikum verschiedenster Partys, Clubs, ja sogar Leben trifft. Eigentlich wunderschön.

Am 19.12. gibt es eine Abschiedsparty im Casanova Wien. Wichtig: Noch bis zum 23.11. kann man täglich von 14-10 Uhr die Einrichtungsgegenstände erstehen.