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Mit diesen Strategien kannst du mit Musik noch Geld verdienen

Du musst nicht gleich Straßenmusiker werden, um an deiner Musik Geld zu verdienen: Elf Szenarien zum künstlerischen Erfolg.
01 April 2014, 10:00am

Foto: Riccardo Cervelli / Flickr | CC BY 2.0

In der letzten Woche schickte sich der Wu-Tang Clan mal wieder an die Musikwelt zu revolutionieren. Ihr neuestes, 31 Songs umfassendes Album The Wu – Once Upon A Time In Shaolin … soll für eine Million Dollar verkauft werden—und zwar an eine einzige Person in einer einzigen Pressung. Nachdem das Werk in einem aus Silber und Nickel gefertigten Kästchen auf exklusive Tournee durch Galerien und Museen gereist sein wird, wird es bis auf den spendablen Mäzen—abgesehen von Museumsbesuchern, sofern das Album dann doch noch öffentlich ausgestellt werden sollte—niemand mehr zu Gehör bekommen.

Ob diese Form der Auftragskunst, mit der doch schon Bach, Mozart und Beethoven ihre Brötchen verdienten, nun wirklich revolutionär ist, ist eine andere Frage. Der zugrundeliegende Gedanke, wie man mit Musik noch Geld verdient, ist jedoch in Zeiten vom Zusammenbruch der Musikindustrie, Spotify und einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit im Internet so aktuell wie nie. Deshalb präsentiert dir Noisey elf Strategien, wie man heutzutage mit Musik noch Geld verdienen kann.

1. Eigenes Abspielmedium entwerfen

Noisey Nicolas Jaar - Don't Break My Love Box

Das Orakel der zynischen Kulturpessimisten predigt doch schon seit Jahren: Die CD ist tot, die MP3 kann man nicht anfassen und Vinyl ist doch nur etwas für die Hängengebliebenen oder Hipster. Also warum nicht einfach ein eigenes Abspielmedium entwerfen? So geschehen bei Nicolas Jaar. Seine Don’t Break My Love_-EP kam nicht in Form einer Scheibe oder als digitaler Datenstream, sondern als handlicher Aluminiumwürfel mit dem Namen _The Prism. Darin integriert jeweils ein Start-, Stop-, Vorwärts- und Rückwärts-Button. Was will man mehr?

2. Macht Kunst aus eurer Musik

Noisey The Bianca Story

Dass die Würfelform irgendwie etwas Anziehendes hat, beweisen neben Nicolas Jaar auch noch die Baseler The Bianca Story. Sie haben aus einer fünf Songs umfassenden EP gleich mal ein 2x2x2 Meter großes Kunstobjekt geschaffen, das von außen einer (rechteckigen) Discokugel ähnelt und im Inneren mit Soundsystem und vier Fernsehern glänzt. Dass sich der Aufwand gelohnt hat, zeigt der Endpreis der Auktion: Ein Käufer hat über 10.000 Schweizer Franken—das sind rund 8.200 Euro—für die Installation geboten. Der genaue Preis wurde aber nicht verraten.

3. Kreatives Crowdfunding

Ok, die Strategie Crowdfunding müsste bei diesem Thema eigentlich jedem Musiker einfallen—es sei denn deine reichen Eltern bezahlen eh alles oder du hast die letzten fünf Jahre einfach komplett verpennt. Die scheinbar sehr kreativen The Bianca Story sind dabei aber einen noch radikaleren Weg gegangen und haben erklärt, dass sie mit Erreichen des 90.000-Euro-Ziels für die Produktion und Promotion ihres Albums Digger vollkommen zufrieden sind und die Musik dann einfach kostenlos zur Verfügung stellen. Also: Wenn schon Crowdfunding, dann macht’s wenigstens etwas kreativer!

4. Unterricht geben

Etwas kreativer ist James Yuill an eine Crowdfunding-Aktion für die Finanzierung seiner 2013er Platte These Spirits herangegangen. Es gab nicht wie üblich nur CDs und T-Shirts am digitalen Merch-Stand, sondern auch zweistündige Ableton- und Gitarrenkurse. Wenn ihr also euer Instrument der Wahl richtig gut beherrscht (oder wenigstens so tun könnt) dann gebt euer Wissen doch mal an den Nachwuchs weiter. Im besten Fall habt ihr dann mal ein Kind unterrichtet, das mit seiner Band richtig berühmt wird und dann könnt ihr am Fernseher irgendwann euren Freunden mit Stolz erzählen: „Schau mal, der weiß alles von mir, ohne mich wäre der nichts“.

5. Endorsement-Deal landen

Habt ihr euch eigentlich mal gefragt warum gefühlt jedes Video von MC Fitti mit einem Close-Up-Shot eines Nokia-Smartphones anfängt? Klar, Fitti wird von Nokia ausgestattet und bekommt dafür auch noch Geld. Ich habe auch mal gehört, dass auch Club Mate unseren Lieblingsbartträger sponsert und er sich um Flüssignahrung zu Hause wohl keine Sorgen mehr machen muss. Eine Liga höher spielen da OK Go—die haben allein eine Million Dollar dafür bekommen, dass in ihrem extravaganten Video zu „Needing/Getting“ das Auto von Chevrolet stammt.

6. Musik für Werbezwecke verkaufen

Heikles Thema. Jetzt werden sich gleich wieder die Gemüter der Idealisten aufheizen und—mit Querverweis auf die tollen Zeiten in der 60ern und 70ern—das Ende der „echten“ Musik herbeipredigen. So geschehen bei Kurt Vile, als er seinen Song „Baby’s Arms“ der Bank of America lieh oder bei Jack White, der eigens ein Lied für Coca Cola schrieb. Wer sich selbst und vielleicht noch eine Familie ernähren möchte, der kann sich meiner Meinung nach für so etwas ruhigen Gewissens hergeben. Halten wir es mit Kurt Vile: „Die ‚Punk-Ideale‘ sind total irrelevant. Nicht, dass es nicht cool ist, sie zu haben, aber die Zeiten haben sich geändert, Mann.“

7. Musik in Filmen platzieren

Gute Musik, die an besonders emotionalen Momenten in Filmen oder Serien erklingt, wirkt bei mir wie ein Katalysator—ich will sofort wissen von wem sie stammt und wie der Song heißt. Wie beispielsweise geschehen bei Harmony Korines Epos Kids, in dem in den letzten Szenen des Films Lou Barlows „Spoiled“ ertönt. Darüber hinaus lässt sich mit dieser Verknüpfung von Bild und Klang viel Geld verdienen. Ich kenne jemanden, der den Opening-Track für eine in den USA sehr erfolgreiche Fernsehserie geschrieben hat und nun jedes Mal daran verdient, wenn die Serie ausgestrahlt oder eine neue Staffel gedreht wird. Mit dieser Sofortrente habt ihr erstmal die nächsten Jahre vorgesorgt und verprasst nicht gleich alles in Koks.

8. Fans anfixen

Wie die großen Firmen mit ihren kostenlosen Giveaways à la Kugelschreiber, Parfüm-Probepackung und Badebällen oder die guten Drogendealer aus dem Stadtpark nebenan, müsst ihr als Musiker eure (zukünftigen) Fans natürlich auch erstmal anfixen. Damit verdient ihr in erster Linie natürlich nicht gleich Geld, der Lohn zeigt sich aber auf die lange Sicht. So boten De La Soul am Anfang des Jahres ihren kompletten Backkatalog für 25 Stunden zum kostenlosen Download an. Im Gegenzug bekam das Management die E-Mail-Adressen der Fans und so haben sie sich mal eben einen topaktuellen E-Mail-Verteiler mit großer Reichweite zusammengebastelt.

9. Eigene App herausbringen

Als du noch Fruit Ninja und Flappy Bird gespielt hast, hatte Dan Deacon bereits eine gute Idee, was man mit iPhones und Konsorten sonst noch anfangen kann. Er hat seine (sonst schon ziemlich ausgefallenen) Konzerte auf ein komplett neues Level gehoben: Mit der Dan-Deacon-App wird man selbst Teil der Lichtshow bei Konzerten des Amerikaners. Nun verlangt der Good Guy Dan Deacon aber keinen Cent für seine App. Daher mein Tipp für alle, die mit solchen Spielereien noch etwas Geld in die Portokasse schwemmen wollen: verkauft die Konzertkarten einfach für ein, zwei Euro mehr und bietet die App dann—großzügig wie ihr seid—für die Ticketbesitzer zum kostenlosen Download an.

10. Privatkonzerte spielen

Dass Musiker mit regulären Tourneen mittlerweile den Bärenanteil ihres Einkommens erwirtschaften, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wer aber noch mehr als die üblichen Gagen verdienen will, der spielt Privatkonzerte. Da findet sich immer mal wieder wahlweise ein Diktator, stinkreicher Ölscheich oder russischer Oligarch, der das ein oder andere Milliönchen auf der hohen Kante hat.

11. #Sleepify

Man muss tatsächlich nicht bescheißen, um Geld im Schlaf zu verdienen.

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