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You Need to Hear This

R’n’B-Helden, die du schon längst wieder vergessen hast

R'n'B war schon immer ein Ort für One-Hit-Wonder, die du sofort wieder vergessen hast. Mit unserem ziemlich guten kollektiven Gedächtnis haben wir ein paar wieder ausgegraben.
8.8.13

R’n’B war schon immer eine Schatzkiste voll von souligen Balladen, choreografiert geschmachtetem Gesang und One-Hit-Wondern. Vor allem die letztgenannte Gruppe beinhaltet so viele Namen, dass wir hier wahrscheinlich den ganzen Tag benötigen würden, um die Mario Winans' zwischen die Lumidees und die Nanas zu archivieren. Aber viele dieser Juwelen locken, sobald sie auch nur angespielt werden, aus jedem ein unbeabsichtigtes „OH YEEEEAH“ heraus. Diese Tracks haben sich schon längst ihrem Schicksal im tiefen Tal zwischen den R’n‘B- und Folk-Bergen ergeben. Doch zwei Hoffnungen gibt es da ja zum Glück noch—YouTube und unser ziemlich gutes kollektives Gedächtnis bei Noisey. Hier sind ein paar der vergessenen Helden des R‘n’B:

City High

Eines der besten One-Hit-Wonder aus der Schatzkammer des R’n’B der Nuller-Jahre stammt definitiv aus New Jersey. „What Would You Do“ von City High war einer dieser Songs, den du, obwohl du musikalisch ja eigentlich taubstumm bist, so wunderbar mit deinen Freunden zusammen voller Inbrunst trällern konntest—aber das geht vollkommen in Ordnung, schließlich behandelte der Song ja wichtige soziale Aspekte und nicht etwa einfach nur Sex. Aber im Ernst, der Track war wirklich provokativ und behandelte so ziemlich alles zwischen Teenie-Schwangerschaften und alleinerziehenden Müttern. Man müsste nur noch was zum Thema illegale Immigration einstreuen und schon wäre es eine perfekte Hymne für eine anti-republikanische Kampagne.

Helden, weil: sie einen der provokativsten R’n‘B-Tracks veröffentlicht haben, der dazu auch noch ein Ohrwurm ist.

Sisqo

Jedes Mal, wenn ich diese Violinen-Takte höre, die den „Thong Song“ eröffnen, muss ich direkt auf die Tanzfläche und anfangen zu twerken. Dieser weiße Steppwesten-Anzug, das höhnische Gesicht, diese mit Babyöl eingeriebenen Arschbacken und diese suspekte aufgesprühte Haarfarbe. Wo bist du hin, Sisqo? Oh, augenscheinlich bist du ja bei Celebrity-Big Brother und beobachtest die ganze Zeit Ronnie Woods schmuddelige Ausrutscher. In einer anderen schauerlichen Affäre zog er auch gegenüber dem Vater von Enrique Iglesias den Kürzeren, als es darum ging, einen Vertrag für eine Country-Platte zu bekommen. Das Leben ist hart und so trat Sisqo letzten September auch zwei Wochen hintereinander im so wunderbar sonnigen Liverpool auf, so dass er wenigstens ein Platz im Herzen der Stammkundschaft der Newz Bar bekommen hat.

Held, weil: er die unbequemste Unterwäsche aller Zeiten mit seinem Song unsterblich gemacht hat.

All 4 One

Potentielle Kandidaten für die Goldmedaille der hässlichsten Boy-Band-Mitglieder aller Zeiten sind—neben AJ McLean von den Backstreet Boys und Chris Kirkpatrick von N’Sync—diese kalifornischen Slow Jam-Liebhaber namens All 4 One. Wahrscheinlich hast du ihre Gesichter aus deinem Gedächtnis verbannt, aber wer kann schon „I Swear“ aus dem Jahre 1994 vergessen? Ein Song, der beharrlich astrologische Phänomene heranzieht, nur um zu beweisen, dass die Jungs immer für ihre zukünftigen Herzensdamen da sein werden. Das wurde sogar noch zuckersüßer ausgearbeitet, indem sie von einem zehnstöckigen Gebäude Frauen nachspionierten, was ja nicht mal im Ansatz irgendwie gruselig ist. Sind sie vielleicht einfach nur schüchtern? Finden sie es etwa erregend mit nackten Fingern auf Leute zu zeigen? Wird der eine von ihnen jemals sein Solo bekommen? Da gibt es so viele Fragen, die unbeantwortet bleiben, bis sie sich irgendwann dazu entscheiden eine Comeback-Tour zu veranstalten. Ach, wartet kurz, die läuft ja schon.



Helden, weil: es sich durch sie so anfühlt, als könnte ich Mädchen von der Straße in mein Schlafzimmer teleportieren, indem ich einfach mit meinem Zeigefinger auf sie zeige.

Blu Cantrell

Bevor wir jetzt hier eine Tirade über Blu Cantrell und ihren babyblauen Mercedes loslassen, lasst uns doch lieber ein Gläschen auf Sean Pauls wunderbare Cornrow-Frisur trinken. Es scheint einen direkten Zusammenhang zwischen seiner Frisur und der Qualität seiner Musik zu geben. Als er anfing so rumzulaufen, schien nämlich auch seine musikalische Phantasie auf einen Nullpunkt zuzusteuern.

Zurück zum Wesentlichen—Blu Cantrell veröffentlichte „Breathe“ als Hauptsingle für ihr 2003er Album Bittersweet. Das war in einer Zeit, als Pop-R’n‘B genügend Mitsing-Hymnen gebar, um jede Disco für Jahre mit Songs zu füttern und um als Schatzkammer für catchy Refrains, Videos und etwas zu viel Vaseline-Glanz in die Geschichte einzugehen. In der Tat war dieser Song sogar so bekannt, dass die Klatsch-Zeitschriften der Nation sie für so berühmt hielten, dass sie sogar Fotos von ihr auskramten, die sie 1995 in schlechter finanzieller Lage von sich machen ließ. Heutzutage lässt Blu ihre haarige Miezekatze bei Fotoshootings außen vor, um lieber bei so unglaublich erfolgreichen Shows, wie Celebrity Circus aufzutreten. Nach der ersten Episode wurde sie direkt von der Jury rausgeschmissen, aber trotzdem schaffte sie es, irgendwie beim großen Finale mit den Song „Hit Em Up Style“ aufzutreten—dieser eine Song, in dem Sean Paul mal nicht mit von der Partie war. Blu, wir ziehen den Hut vor dir.

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Heldin, weil: sie mit Fotos von ihrer Wolle einen Mercedes finanzierte und dabei trotzdem ihre Würde behielt.

Mario

Es gab mal eine Zeit, als aus jedem Handy Songs von Mario ertönten. Die süßen Typen freuten sich, wenn Capital FM „You Should Let Me Love You“ spielten und die harten Kids murmelten schüchtern die zweite Strophe, bevor sie ihre Hemmungen fallen ließen, um diese hohe Note zu erreichen. Marios feinfühlige R’n’B-Mischung über das Thema, wie man Frauen richtig behandelt, und den eingestreuten Dance-Passagen, bescherten ihm ein Platz auf dem Thron und seine Videos ließen ihn zum perfekten HipHop-Choreographen für Familienfeiern avancieren.

Held, weil: er es vorgemacht hat, wie man durch das Medium Tanz ein Mädchen ins Bett bekommt.

Nana

Ich frage mich gerade, was für einen gebürtig ghanaischen Musiker eigentlich schlimmer ist—wenn er bei solch grandiosen deutschen Fernsehformaten wie Hit-Giganten auftreten muss, bei denen der geneigte deutsche Schlager-Fan zu Rap auf 1 und 3 klatscht, oder wenn in ebendieser Show auch noch deutsche Z-Prominenz mit ihren in aller Welt bekannten Tanz-Skills bestechen. Vor und nach dem Hit „Lonely“, den er dort performen musste und der sich in Deutschland zu Zeiten des Euro-Raps den Platz an der Chartspitze erkämpfen konnte, sah es jedoch eher düster auf dem Karrierepfad Nanas aus. Weitere Highlights aus seinem Leben: Im Alter von 20 Jahren drei Menschen mit einem Baseballschläger verprügelt, Sieg über Willi Herren beim dritten RTL Promiboxen 2004 und Musik für die Maxi King Werbung 2007 geschrieben.

Held, weil: wenn du den Song „Lonely“ auf einer Party spielst, jeder mitsingen kann—selbst deine Eltern, jedenfalls wenn sie da wären.

Tweet

Eigentlich sollte Tweets Leben nach der Masturbations-Hymne „Oops (Oh My)“ von niemals endendem Luxus bestimmt sein, nachdem sie es geschafft hat, Missy Elliot mit auf ihren verdammt dreckigen Hit zu bekommen. Aber nach ein paar trostlosen Versuchen der perfekten Garnierung ihres Erfolgs, verschwand sie für immer vom Erdboden. Tweets letzte Machenschaften schimpften sich „Sports, Sex & Food“ (die trotz entwaffnend jazzigen Instrumentals lyrisch einfach nur entsetzlich waren). Darüber hinaus fabrizierte sie noch einen Clip für die MTV-Zuschauer, in dem die vor den Gefahren von sexuell übertragbaren Infektionen warnte. Ist Tripper wirklich hipper?

Heldin, weil: sie Teenies und Tweenies unabsichtlich über Masturbation singen ließ.

Ginuwine

Ginuwine, mit vollem Namen Elgin Baylor Lumpkin, schlug sich eigentlich ziemlich beachtlich, bis vor sechs Jahren doch alles den Bach runter ging. Schlimm, wenn so was passiert. Aber wenn eine Karriere nun mal langsam austrocknet und kein richtiger Nachschub kommt, was kann ein Typ schon anderes tun, als sich wie ein Stripper anzuziehen und solche Dinge wie Adult Chocolate Milk zu unterstützen? Ginuwine ist jetzt schon länger das Gesicht eines 20-prozentigen Schokoladen-Wodka-Mischgetränks, was eine ziemlich deprimierende Herabstufung für jemanden seien muss, der mal einen Track namens „Pass The Courvoisier“ mit Diddy, Pharrell und Busta Rhymes gemacht hat. Aber wie auch immer, noch bedenklicher ist eigentlich, dass er vor kurzem mit seiner neuen aalglatten, sexy Band TGT in irgendeiner Nachmittagssendung auftrat, zusammen mit seinen leidenden Kumpanen Tyrese und Tank. Seine neuen Bandmitglieder sehen ja wirklich erschüttert aus, aber ich kann mir das Lachen einfach nicht verkneifen.

Held, weil: dancingalonetopony.tumblr.com

Folgt Errol und Tamara bei Twitter—@errol_and und @tamararoper

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