Amsterdam ist die Drogen-Haupstadt Europas. Man bekommt Gras in den 1637,987 Coffeeshops, die in der ganzen Stadt zu finden sind. Es gibt für alles Mögliche einen gut organisierten Lieferservice und wenn man denkt, dass man beschissen wurde, kann man das Zeug auf seine Reinheit testen lassen. Fragen werden dabei nicht gestellt. Wenn man konsumiert, dann sollte man gut informiert sein und Zugang zu ungefährlichen Drogen haben. So etwas nennt man Kompromiss. Doch das heißt noch lange nicht, dass es da draußen keine Produkte gibt, die mit pulverisiertem Plastik, gefährlichen Chemikalien, Waschmittel oder Drogen, für die man nicht gezahlt hat, gestreckt wurden. Letztes Jahr ging das Gerücht über vergiftetes Koks um. Es hat zwei Leute umgebracht, einige mussten deswegen ins Krankenhaus und ein Haufen anderer rastete völlig aus, weil plötzlich gar nichts mehr heilig war. Dann gibt es noch die unterste Kategorie: Die Straßendealer. Du weißt ganz genau, dass ihr Zeug schlecht ist. Einheimische würden niemals zu ihnen gehen, blöde Touristen schon. Und man ist immer wieder überrascht darüber, wie viele Kunden diese Freaks noch haben. Wir sind losgezogen, um etwas scheinbar simples zu erledigen: wir wollten eine Ecstasy Pille und ein bisschen Speed von einem dieser Idioten und herausfinden, wie schlecht richtig schlecht ist…
Die Gegend rund um den Dam Square ist einer dieser Orte wo man Straßendealer finden kann. Viele Einheimische meiden diesen Teil der Stadt. Hier wird kaum ein Wort Holländisch gesprochen. Den ersten Typen finden wir auf der Varkenssluis Brücke, direkt Rand des Rotlichtbezirks. Alle Straßendealer sehen ungewaschen aus, deswegen gehe ich direkt auf diesen Kerl zu um nach Ecstasy zu fragen. Er sagt, ich solle ihm folgen, während er irgendwelchen anderen Typen, die ebenfalls meine Aufmerksamkeit wollen, etwas auf surinamisch zuruft. Sie verdrücken sich und wir laufen durch das Rotlichtviertel. Es stellt sich heraus, dass er gar kein Dealer, sondern nur ein Springer ist. „Die hätten dir schlechten Stoff verkauft“, erzählt er mir. Ich versuche nicht zu lachen. Während wir weiterlaufen spricht er ein paar Typen an und fragt sie, ob sie ‚Ixie’ haben. Keiner hat was. All das läuft in normaler Lautstärke ab, als ob er nach Servietten oder so etwas fragen würde. Er erzählt mir, dass er früher viel verkauft hat, es ihm aber zu stressig wurde immer erwischt zu werden. Offensichtlich hat die Polizei die Situation auf den Straßen in letzter Zeit ziemlich gut im Griff. Unser Freund heißt Renny und bevor wir uns trennen sagt er mir, in welchen Teil der Stadt ich gehen soll. „Hier und in der Warmoesstraat bekommst du Koks und Ecstasy. Das Meiste ist gestreckt und wird von Abhängigen, Strichern und Typen verkauft, die dich ausrauben wollen. Hier draußen gibt es auch Polizisten, die verdeckt ermitteln. In der Gegend rund um Zeedijk findest du die härteren Sachen. Dort hängen die krassen Verkäufer und die Langzeit-Abhängigen rum. Ich würde dir ja gerne helfen, aber ich kann nicht länger bleiben. Kurz bevor du gekommen bist habe ich einen Typen abgezockt, der Crack haben wollte. Vielleicht sucht er immer noch nach mir.“ Was für netter Kerl.
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Gut, wir machen das Ganze jetzt schon seit 20 Minuten und es ist immer noch kein Ecstasy oder Speed in Sicht.sterdam schwächelt. Ich gehe dorthin zurück, wo ich mein Fahrrad abgestellt habe, um mich mit dem Fotografen Ben zu treffen. Er verfolgte mich und Renny wie ein verdammter Ninja. Auf meinem Weg dorthin sehe ich diesen großen, verwahrlosten Jamaikaner und ich kann dem Drang nicht widerstehen ihn anzusprechen. Auch er sagt, dass ich ihm folgen soll. Wir laufen den ganzen Weg zurück zum Dam Square, wo zwei Nigerianer gemütlich auf einer Bank sitzen. Das Geschäft wird so schnell abgewickelt, dass ich es nicht wirklich verfolgen kann. Als ich ahnungslos auf die beiden zugehe, zischt mir der eine zu, ich solle dem Jamaikaner nachlaufen. gleichen Punkt, an dem sich Renny und ich getrennt haben, bietet er mir drei Pillen für 20 Euro an. Ich sage ihm, dass ich nur eine brauche und frage ihn, ob er mir 20 Euro wechseln kann. Wir gehen in diesen kleinen Lebensmittelladen wo ich meine 20 Euro durch den Kauf von Süßigkeiten klein mache und gebe ihm 10 direkt vor dem Laden. Er gibt mir die Pille und ich mache mich auf den Weg zu Ben.
Jetzt zum Speed. Wir gehen nach Zeedijk und sehen ein paar kaputte Typen, die wie Zombies aussehen und in der Nähe des Kanals rumhängen. Der Typ, den ich anspreche ist ein bisschen schüchtern. „Das ist ziemlich schwierig, keiner der Jungs ist heute da. Ne Menge Bullen. Warte mal ne Sekunde.“ Er schickt einen besonders krank aussehenden indischen Typen los, um den Dealer zu holen. Zehn Minuten später taucht ein Antille auf. Ich muss mit ihm zu einem anderen Typen gehen, der ein Stück entfernt mit seiner Freundin herumsteht. Sie ist ein zappeliges, weißes Mädchen, übersät mit Krusten und Herpes auf der Oberlippe. Er ist noch aufgedrehter, obwohl er so aussieht, als hätte er gerade frisch geduscht. Er will mir ein Gramm für 50 Euro verkaufen. Ich habe nur neun. Verärgert schickt er mich wieder zu dem Antillen, der daraufhin auch wütend wird. Trotzdem nimmt er das Geld und gibt mir dafür ein winziges Bündel. Ich gehe zurück, um Ben zu treffen, der es nicht geschafft hat, Bilder von der ganzen Sache zu machen. Wir machen uns auf den Weg zurück ins Büro. Wir sind erschöpft, da wir gerade eineinhalb Stunden und 20 Euro für eine Ecstasy Pille, eine bisschen Speed und ein Bounty verschwendet haben. Die netten Leute vom Jellinek Institut werden die Drogen jetzt analysieren und sobald wir die Ergebnisse haben, melden wir uns wieder bei euch.
ARIEN RASMIJN
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