Sex

Sexting: So verschickst du Pics deines besten Stücks – auf respektvolle Art

Ja, eine solche Aktion kann auch brutal schiefgehen.
Niccolò Carradori
Florence, IT
23.11.20
Eine Banane, die durch eine gelbe Wand geboxt wurde, ähnlich unerwartet können einen Dickpics erreichen, in unserem
FOTO: ADOBE STOCK / YURIYGOLU

Noch nie haben wir so viel versautes Zeug verschickt wie heutzutage. Einsame Herzen wappnen sich für einen Winter mit Social Distancing, indem sie ihre Sexting-Skills verbessern – eine gute Idee, denn wir alle wissen, dass Sexting auch brutal schiefgehen kann. Und selbst, wenn man es gut meint: Penisbilder richtig zu verschicken, ist eine Kunst für sich.

Heute ist es eher ein verstaubtes Klischee, dass Männer angeblich Dickpics an jede Frau mit Insta-Account verschicken und Frauen nur Fotos von sich herausrücken, wenn sie in einer festen Beziehung sind. 2018 fand eine Metastudie heraus, dass Frauen und Männer ähnlich viele anzügliche Nachrichten verschicken. Wir haben Sexting-Experten gefragt, wie man ein Dickpic respektvoll an die Frau oder den Mann bringt.


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Die oberste Regel ist wie generell beim Sex: Lass dein Ego draußen. Bevor du etwas verschickst, überleg dir, was deinem Gegenüber wirklich gefallen könnte. Das klingt offensichtlich, aber es tummeln sich zu viele ungewollte Geschlechtsteile in unseren Posteingängen, deshalb sei das an dieser Stelle noch mal erwähnt.

Sexting kann man in zwei Phasen unterteilen: das Teasing und das eigentliche Sexting. Beim Teasing solltest du mit ein paar anzüglichen, aber nicht allzu expliziten Nachrichten herausfinden, ob dein Gegenüber überhaupt in Stimmung ist. Wenn du keine ausdrückliche Begeisterung wahrnimmst: Lass es bleiben. Du kannst niemanden mit Fotos von deinem nackten Körper bombardieren, nur weil du gerade geil bist.

"So etwas wie eine indirekte Einladung zum Sexting gibt es nicht", sagt Emanuel Amabilis. Er arbeitet in einer Queer-Bar und diskutiert häufig mit seinen Instagram-Followern über schwulen Sex. "Wenn ich nicht auf deine Bilder oder Nachrichten eingehe, dann bestehe nicht darauf. Probier es ein anderes Mal, wenn es vielleicht besser passt."

Die Sexkolumnistin Carlotta Vagnoli sieht das ähnlich: "Wenn mir jemand aus dem Nichts eine super intensive Sexfantasie schicken würde, wäre ich raus. Du musst mich schon zuerst heiß machen." Im Zweifel empfiehlt sie Heteromännern, der Frau die Initiative zu überlassen. "So wird sie dir eher vertrauen und sich wohler fühlen."

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Eleonora Strozzi betreibt den Sex Shop Wovo in Mailand und erzählt, dass sie beim Sexting immer einen Disclaimer mitschickt. "Ich sehe hin und wieder diesen Typen und wir schicken uns auch tagsüber Fotos. Mittlerweile schreiben wir immer NSFW dazu, damit es nicht zu peinlichen Situationen kommt." Ihre Geschäftspartnerin Frida Affer mag es, beim Sexting viele Details einzubauen und eine richtige Geschichte zu erzählen. "Da habe ich das Gefühl, die andere Person nimmt sich richtig Zeit für mich und genießt es – wie im echten Leben."

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Aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. "Ich glaube, Schwule sind direkter", sagt Emanuel. "Ich würde mich langweilen, wenn wir nicht bald zur Sache kommen würden." Der Sexualforscher Daniel Giunti erklärt dieses Phänomen damit, dass bei Männern beim Sex generell mehr über visuelle Reize funktioniert und sie direkter sind.

"Männer verschicken Dickpics aus zwei Gründen: Damit sie von ihrem Gegenüber auch ein Foto bekommen und zur Bestätigung", erklärt Giunti. So hat man lange gedacht, aber 2018 hat eine Meta-Analyse gezeigt, dass die Gehirne von Männern und Frauen gar nicht so unterschiedlich auf visuelle sexuelle Stimulation reagieren. Heute geht man davon aus, dass die früheren Ergebnisse von sozial einstudierten Rollen verfälscht worden waren. Heute haben Frauen weniger Angst um ihren Ruf.

Es kann also gut sein, dass deine Partnerin ein gutes Dickpic zu schätzen weiß. "Es gibt nichts Schlimmeres, als ein hastig und lieblos gemachtes Foto, auf dem die halbaufgeknöpfte Jeans deine Eier einquescht", sagt Frida. Eleonora empfiehlt, sich bei der Perspektive Mühe zu geben. Außerdem: Warum beim Bild bleiben? "Ich mag es sehr, wenn er mir ein kurzes Video schickt, wie er masturbiert – vor allem, wenn er kurz vor dem Kommen ist", sagt Carlotta.

Seien wir ehrlich: Ein steifer Penis allein macht die wenigsten Menschen an. Viele meiner Freundinnen finden zum Beispiel ein Foto von einer ausgebeulten Jeans viel aufregender. "Männern fällt es oft schwer, etwas anderes an ihrem Körper sexuell anziehend zu finden als ihre Genitalien", erklärt Giunti. "Sie wissen oft nicht, dass ihre Partnerinnen sehr wohl auch andere Körperteile erregend finden."

Wenn du also einen Penis hast: Lass ihn erst mal eingepackt und werde kreativ. Was könnte deine Partnerin oder Partner sexy finden? Deine Beine, deinen Arsch, deine Arme? "Es kann auch sehr heiß sein, etwas nicht zu sehen", sagt Frida. Sie empfiehlt, sich beim masturbieren zu filmen, ohne dabei das gute Stück zu zeigen.

Außerdem sind Eleonora und Frida große Fans von Sprachnachrichten – etwas, was Männer eher selten ausprobieren. Dabei wächst die Audioporno-Industrie rasend schnell. Wenn du Inspiration möchtest, kannst du dir Aufnahmen auf Plattformen wie Quinn oder Dipsea anhören. Dort gibt es erotische Geschichten von Amateuren und von Profis.

Wenn du deine tiefsten Wünsche und deine Genitalien enthüllst, kann es leicht peinlich werden. Und es ist alles andere als einfach, vor einer Nachricht den Erregungsgrad deines Gegenübers abzuschätzen. Deshalb: Sexte niemanden an, der nicht ganz klar signalisiert hat, dass er das will, und entschuldige dich, wenn du merkst, dass du zu schnell zu viel wolltest. Ist eigentlich ganz einfach. Und wenn alle so handeln, hat Sexting vielleicht schon bald einen guten Ruf.

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