das erste date mit

Das erste Date mit ... Bitten By

Pro-Tipp: Beim ersten Date sollte man immer Karpfen streicheln und Affen schauen. Wir haben mit Bitten By zur Veröffentlichung ihrer Debüt-EP genau das gemacht.

von Benji Agostini
20 Oktober 2017, 11:37am

Alle Fotos von Christopher Glanzl

In unserer Reihe "Das erste Date mit …" gehen wir mit Musikern auf ein erstes Date, um ihnen möglichst unangenehme Fragen zu stellen, die man bei einem ersten Date so abfrühstückt, und ihnen eine Chance zu geben, sich möglichst von der besten Seite zu zeigen – genau wie bei einem Date.

Patricia Ziegler alias Bitten By zum Lachen zu bringen, ist eine gefährliche Angelegenheit. Wenn die ehemalige Sängerin der Indieband We Walk Walls lacht, geht zwar die Sonne auf, weil es ein ehrlicher und inbrünstiger Lacher ist, Ohrstöpsel sollten aber trotzdem in Erwägung gezogen werden. Denn mit der Inbrunst kommt auch Lautstärke und die fehlt bei Patricias Lacher nicht. Ich habe es trotzdem gewagt, mich mit Patricia auf ein erstes Date zu treffen, zur Feier ihrer eben erschienenen Debüt-EP Relations, die sie über das Label Futuresfuture veröffentlicht.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal auf einem klassischen Date war, also wusste ich auch nicht, ob das Haus des Meeres eine gute Wahl für ein erstes Treffen ist. Fische verbinde ich im ersten Moment nicht unbedingt mit Romantik. Es hat sich aber herausgestellt, dass man dort sehr viel Spaß haben kann, auch weil man sich die Hände von Fischen anknabbern lassen darf und Affen frei herumlaufen. Anlass zum Lachen gab es also genug. Gut fürs Date, schlecht für meine Ohren. Natürlich war es halb so schlimm und Patricia war auch besser aufs Date vorbereitet – sie hat mir eine Packung saure Skittles mitgenommen, über die ich mich sehr gefreut habe –, also gab ich mich von meiner besten Seite.

Ich liebe saure Skittles.

Das Erste, was man im Haus des Meeres machen kann, ist Koi-Karpfen zu streicheln. Ich bin mir jetzt schon sicher, die richtige Location für ein Date ausgesucht zu haben.

Noisey: Bist du Fischfreund?
Patricia: Nein, nicht wirklich.

Und wie stehst du zu anderen Tieren?
Mein Vater hat ein Aquarium, das ist ganz schrecklich. Das ist vollkommen überladen mit Fischen und ungepflegt und bei sowas bin ich dann ein bisschen hin- und hergerissen. Aber ich hab einen Hund, einen Dackel. Ja, ich bin mehr so Hundemensch als Katzenmensch, aber ich hab eine recht langweilige Einstellung zu Tieren eigentlich. Ich mag sie einfach.

Dackel find ich sehr witzig. Ich hätt so gern einen Mops.
Aber die tun mir so leid, die kriegen ja keine Luft.

Wenn, dann nicht so einen arg überzüchteten. Einen mit so bisschen längeren Füßen. Die haben so was Menschliches an sich. Wir kommen bei den Schlangen an. Wie sieht's mit Schlangen bei dir aus?
Schlangen find ich OK.

Gibt es Tiere, vor denen du Angst hast?
Nein, ich finde es lächerlich, wenn man vor Insekten oder so Angst hat.

Würdest du dir eine Tarantel auf die Hand setzen lassen?
Ich könnte es, aber ich würde es nicht unbedingt wollen.

Haha, das lässt sich leicht sagen: "Ja, es wär voll easy, aber ich hab grad keine Lust!"

Wir lachen und kommen bei den Rochen vorbei und sehen einen von unten.

Die haben das liabste Gsicht.
Patricia macht meinen Dialekt nach. "Die haben das liabste Gsicht." Ich hab gar keinen Dialekt, deswegen find ich es immer so nett, wenn jemand im Dialekt spricht.

Manchmal kommt der Oberösterreicher in mir raus. Bist du eigentlich Wienerin?
Ja, ich bin im 17. Bezirk aufgewachsen, aber meine Mutter ist aus Serbien und wir haben immer Hochdeutsch geredet. Aber ihr kommt ja alle aus Oberösterreich.

Ja, die ganze Musikszene wurde von uns unterwandert. Dein Bandkollege und Labelboss Gerard ist gar nicht so weit von meinem Heimatort aufgewachsen. Wie habt ihr euch eigentlich getroffen?
Mit We Walk Walls haben wir mal gemeinsam mit ihm im Flex gespielt. Das war 2013 und da ist gerade Blausicht rausgekommen. Dort ist er dann irgendwann mit seiner Crew angekommen und hat den gesamten Backstage eingenommen. Ich hab das so unsympathisch gefunden und ihm auch böse Blicke zugeworfen, aber er hat das nicht gemerkt und er ist sich bis heute sicher, dass es sich da nicht um seine Crew gehandelt hat. Irgendwann danach hat er mich aber mal angeschrieben und gemeint, dass er unsere Band cool findet. Dann haben wir über zwei Jahre lang per Chat korrespondiert und beim Amadeus Award haben wir uns wieder getroffen, da hatte ich gerade beschlossen, das Soloprojekt zu starten. Er war gleich interessiert und ich hab ihm ein paar Demos von mir geschickt. Als er dann das Label gegründet hat, wollte er mich gleich signen und als Synthesizerspielerin und Backgroundsängerin in seiner Band aufnehmen. Und ich so: OK!

Wir gehen weiter von den Schlangen und kommen bei den Affen an. Es wird immer schwieriger ein Gespräch aufrecht zu erhalten, weil wir beschäftigt damit sind, von den Tieren begeistert zu sein.

Welche Musik hörst du gerade so?
Als ich mit der EP angefangen hab, hab ich viel französische Elektronik gehört. Zum Beispiel Christine and The Queens, Kavinsky, Jean-Michel Jarre und Electric Youth, aber das sind keine Franzosen.

Du sagst, zur Zeit von der EP hast du das gehört. Hat sich das jetzt so geändert?
Ja, ein bisschen. Jetzt hör ich grad ein bisschen härtere Sachen, die elektronischer und weniger poppig sind. Bisschen HipHop auch. Mit einem Musikerkollegen möchte ich jetzt auch ein Trap-Projekt starten. Travis Scott hör ich auch derzeit sehr viel. Der große Plan ist, dass ich mir einen ganz anderen Namen zulege und immer nur mit Maske auftrete.

Masken sind doch so vorbei!
Aber bei Frauen, gab's das schon? Nein, Spaß. Aber die Idee ist, dass ich dann anfange, Bitten By zu dissen und wir einen Beef starten.

Das soll ich dann wahrscheinlich eher nicht hier reinschreiben.
Achso, das ist mir wurscht.

Neben deinen Musikprojekten gibst du auch noch Unterricht oder?
Ja genau, Klavierunterricht. Aber ich unterrichte Kinder.

Hört sich anstrengend an.
Nein, es geht. Sie sind halt ein bisschen unkonzentriert. Ich hab ja auch Klavierunterricht gehabt, aber ich war relativ schlecht. Hab ja lange nicht Noten lesen können. Mir geht's eher darum, Spaß dabei zu haben. Im Notfall, wenn's mit der Konzentration nicht so hinhaut, mach ich mit den Kindern eben irgendwas Lustiges. Also eher keinen Frontalunterricht.

Also ein bisschen auf Montessori. Bist du esoterisch?
Ja leicht, aber eigentlich bin ich eher Wissenschaftlerin. Aus Spaß hab ich gelernt, Tarotkarten lesen zu können. Ich weiß zwar selber, dass es nicht magisch ist, aber du gibst den Leuten die Möglichkeit, dass sie selber etwas auf die Karten projizieren. Das finde ich sehr interessant. Viele Leute wollen ja, dass es etwas gibt, das in sie hineinschaut, weil niemand ihre Gedanken lesen kann. Sie finden dann die Vorstellung schön, dass die Karte doch etwas über sie aussagt. Ich hab eh überlegt, ob ich dir nicht als Alternativdate die Karten legen soll.

Wir verstricken uns in ein pseudo-deepes Gespräch über Aliens und ob es Leben da draußen gibt, das ich euch ersparen möchte.

Patricia: Das wird jetzt sehr tiefsinnig.

Find ich eigentlich gut. Wir können aber auch gerne wieder Tiere schauen gehen, wenn du magst.

Wir kommen bei den Schildkröten an und drei Schildkröten haben gerade definitiv einen Dreier.

Ich glaub, die machen gerade Afterhour. Bist du ein Afterhourmensch? Oder gehst du generell gern fort?
Nein, ich geh gar nicht gern auf Auflegereien, lieber auf Homepartys. Ich denk mir immer, ich hab eigentlich was Besseres zu tun.

Bei dir gibt's noch Homepartys? In meinem Freundeskreis sind die ausgestorben.
Jetzt seit Kurzem sind die auch bei mir ausgestorben und ich denke mir so: Ihr faulen Säcke, ihr seid so langweilig.

OK, das heißt wir treffen uns das nächste Mal auf einer Homeparty, die du veranstaltest. Das nächste Mal nehm ich die Skittles mit.

**

Folgt Noisey Austria bei Facebook, Instagram und Twitter.

Noisey Schweiz auf Facebook, Instagram & Spotify