Heulsuse der Woche: Attila Hildmann vs. Restaurantkritikerin

Der vegane Koch rastet völlig aus, weil eine Journalistin eine plumpe Kritik über seinen Imbiss geschrieben hat.

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Okt. 20 2017, 11:17am

Foto: imago | Jakob Hoff

Es ist mal wieder an der Zeit, sich über ein paar Menschen zu wundern, die mit der Welt nicht fertigwerden.

Heulsuse #1: Attila Hildmann

Der Vorfall: Der Tagesspiegel veröffentlicht eine negative Restaurantkritik zu Hildmanns Berliner Vegan-Imbiss.

Die angemessene Reaktion: Schauen, ob die Kritikerin nachvollziehbare Argumente liefert, gegebenenfalls daraus lernen und in Zukunft noch besser werden. Den Rest ignorieren, drüberstehen und sich nicht provozieren lassen.

Die tatsächliche Reaktion: Hausverbot für den Tagesspiegel. Und Hass. Viel Hass.

In einem langen Facebook-Post antwortet Hildmann auf das, was in seinen Augen "ein dreckiger Kackartikel mit so viel Unwahrheit" ist. Erst erteilt er dem Tagesspiegel und der Journalistin Hausverbot, dann legt er richtig los. Er möchte am liebsten vor das Tagesspiegel-Gebäude kotzen, schreibt Hildmann, "vielleicht mach ich das auch!". Dabei verliert er nicht nur die Beherrschung, sondern vor allem die Souveränität. Wenn die Kritikerin ihn irgendwie triggern wollte, hat sie an dieser Stelle schon gewonnen. Hildmann geht zwischen den Zeilen zwar auch konstruktiv auf Kritik ein ("Ekelhaft, sich über 'verschwitzte Mitarbeiter' zu beschweren, die ehrlicher harter Arbeit in einem der schwierigsten Wirtschaftsbereiche nachgehen, der Gastronomie"), das geht aber zwischen dem beleidigten Schreikrampf, den der restliche Text darstellt, leider völlig unter: Da schau, die anderen finden auch ganz toll, was ich mache, scheint Hildmann mit der Verlinkung auf seine positiven Google-Reviews sagen zu wollen – und man muss ein bisschen an DSDS-Kandidaten denken, die behaupten, ihre Freunde würden auch meinen, dass sie singen wie Mariah Carey. Die Kritikerin könne froh sein, dass Hildmann sie nicht erkannt habe, schreibt er am Ende noch, bevor es gewaltverherrlichend wird, "sonst hätte ich Ihnen meine Pommes in Ihre Wannabe-Journalistinnen-Visage gestopft". Er ist halt ein echter Kerl, der die Dinge sagt, wie sie sind, dieser Hildmann. Wahrscheinlich sitzt Til Schweiger gerade irgendwo verständnisvoll lächelnd und denkt: "GUT GEMACHT, ATTILA!!1!!!"

Heulsuse #2: Restaurantkritikerin des Tagesspiegel

Der Vorfall: Die Journalistin Susanne Kippenberger schrieb für den Tagesspiegel eine Restaurantkritik zu Attila Hildmanns selbstbetitelten Berliner Imbiss.

Die angemessene Reaktion: Aufschreiben, was gestört hat und was gut war – auch mal überspitzt, aber in der Sache argumentativ und detailliert. Und ein paar Hinweise liefern, was man besser machen könnte.

Die tatsächliche Reaktion: Susanne Kippenberger findet Hildmann richtig doof und hat das jetzt einfach mal aufgeschrieben. Und das Essen? Ach ja, nicht so wichtig.

"Er ist der Gott der Veganer", legt Kippenberger zu Beginn ihres Textes schon mal die Fallhöhe fest – "Und dann das." Ja was denn? Abfahrt auf die Bananenebene der Restaurantkritik. "Gummikonsistenz", "klebrig statt knusprig", "labberig" – so beschreibt Kippenberger den Eindruck, den Hildmanns Essen im Mund hinterlässt. Das sind interessante Adjektive, denkt man sich, aber wie schmeckt es denn nun im Veganertempel des heiligen Hildmann? "Die vegane Mayo schmeckt künstlicher als das Naturprodukt aus Ei und Öl", bleibt die einzige Beschreibung. Den Rest überlässt die Autorin ihren Lesern. Außerdem fördert sie die Erkenntnis zutage, dass in einem Imbiss viel Öl und Fett verwendet wird. Mind blown. Dann werden noch die Mitarbeiter gedisst, weil sie schwitzen. Ein fast-food-journalistischer Artikel, der sich auf dem gleichen plumpen Niveau bewegt, das die Autorin Hildmanns Imbiss unterstellt.


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