Mann gegen Obst

Vorfall mit Wassermelone: Kunde bekommt 6,4 Millionen Euro Schmerzensgeld

Das Gericht stellte fest: Er ist kein Tollpatsch.

Ein Mann in Alabama bekommt 7,5 Millionen Dollar – umgerechnet 6,4 Millionen Euro – von Walmart. Das umsatzstärkste Unternehmen der Welt hat ihn nicht etwa über Wochen im Kühlraum eingesperrt, sondern eine Obst-Auslage nicht ordentlich gesichert.

Im Juni 2015 begab sich Henry Walker in eine Walmart-Filiale in der Kleinstadt Phenix City, um sich eine Wassermelone zu kaufen. Er ging zur Obst-Auslage und griff nach einer Melone – Augenblicke später war seine Hüfte gebrochen. AL.com zitiert Gerichtsdokumente, in denen es heißt, Walkers Fuß sei "in einer Holzpalette auf dem Boden steckengeblieben", als er nach der Frucht griff. Dann sei "sein Fuß in eine Seitenöffnung der Palette gerutscht. Als Walker sich zu seinem Einkaufswagen umdrehen wollte, hing sein Fuß fest und Walker stürzte."

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Walker, ein einst sehr sportlicher Veteran der U.S. Army, braucht nun eine Gehhilfe. Er klagte gegen Walmart und warf dem Riesenkonzern vor, er habe es versäumt, "ein vernünftiges Maß an Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, seine Örtlichkeiten sachgemäß zu sichern und die Öffentlichkeit vor unsicheren und gefährlichen Bedingungen zu warnen". Walker sagte, er hätte sich nicht verletzt, wenn die Wassermelonen leichter zu erreichen und die Palette nicht im Weg gewesen wäre.

Ein Überwachungsvideo aus der Filiale wurde vor Gericht als Beweismittel gezeigt. Darin war deutlich zu erkennen, dass auch andere Kunden in der Palette steckenblieben, weshalb man Walker keine besondere Tollpatschigkeit vorwerfen kann. Gestern gab das Gericht Walker Recht und beschloss, dass Walmart ihm 2,5 Millionen Dollar Schadensersatz und 5 Millionen Dollar Schmerzensgeld schuldet.

"Wenn man unversehrt in einen Supermarkt geht, erwartet man ja wohl nicht, auf einer Trage wieder rausgebracht zu werden", sagte Walkers Anwalt Shaun O'Hara gegenüber AL.com. Er bezeichnete die Summe, die seinem Klienten zugesprochen wurde, als "angemessen" und fügte hinzu: "Hoffentlich wird dass den Einzelhändler dazu bewegen, Schutzvorrichtungen an den Paletten anzubringen, wie andere Geschäfte in der Region es tun."


Auch bei MUNCHIES: Veganer Wassermelonenkuchen


Doch Walkers Sieg ist noch nicht gewiss. Walmart kritisiert die Einschätzung der Jury zur Höhe des Schmerzensgelds. "Wir sind von dem Urteil enttäuscht", schreibt ein Walmart-Sprecher per E-Mail an MUNCHIES. "Wir wissen den Dienst der Jury-Mitglieder zu schätzen, aber finden, das zugesprochene Schmerzensgeld steht nicht im Verhältnis zu den Tatsachen in diesem Fall. Wir haben vor, Berufung einzulegen."

Wie Associated Press aus Gerichtsakten zitiert, hat Walmart vor Gericht verkündet, dass die Firma "Wassermelonen weiter auf dieselbe Art auslegt, wie wir es am 25. Juni 2015 getan haben". Das Obst komme "bereits verpackt und verkaufsfertig" bei der Hypermarkt-Kette an.