LGBTQ

Der Großteil junger Menschen sieht sich nicht mehr als rein heterosexuell

Da soll noch mal jemand sagen, die Jugend von heute wäre oberflächlich und schrecklich.
17.2.17
Photo by michela ravasio via Stocksy

In Bezug auf ihre Sexualität und Beziehungen sind junge Menschen heutzutage offener als je zuvor, so eine aktuelle Studie der gemeinnützigen Organisation Ditch the Label. Die Ergebnisse der Studie wurden zum Valentinstag veröffentlicht und zeigen, dass es 76 Prozent der Befragten nicht mehr wichtig finden, Sexualität einen Namen zu geben. Vielmehr sollten Menschen die Möglichkeit haben, mit der Person zusammen zu sein, mit der sie zusammen sein wollen.

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An der Online-Umfrage nahmen mehr als 1.000 junge Menschen im Alter von 13 bis 26 Jahren teil, die sowohl aus Großbritannien als auch den USA stammen. Ziel der Studie sollte es sein, besser verstehen zu lernen, wie junge Menschen im 21. Jahrhundert über Sexualität und Beziehungen denken. Die Hälfte der Befragten (57 Prozent) gab an, sich selbst nicht als traditionell heterosexuell zu identifizieren, während jeder zweite (47 Prozent) der Meinung war, dass Sexualität fluide sei und sie sich selbst keinen Begriffen wie "heterosexuell", "lesbisch" oder "schwul" zuordnen wollen würden. Grundsätzlich finden es die meisten vollkommen in Ordnung, die eigene Sexualität zu erforschen – so gaben 45 Prozent der Befragten an, Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht küssen zu wollen.

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Liam Hackett ist Gründer und Geschäftsführer von Ditch the Label. Einer der Gründe, warum junge Menschen heutzutage sexuell offener sind, ist seiner Meinung nach, dass auch die Gesellschaft insgesamt toleranter gegenüber der LGBT-Community und "Beziehungen außerhalb von Heteronormativität" geworden ist.

"Die Medien, die junge Menschen konsumieren, zeigen eine große Bandbreite an sexuellen Ausrichtungen", sagt er gegenüber Broadly, "und ich glaube, Menschen, die früher von der Gesellschaft unterdrückt wurden, mehr Sichtbarkeit zu verleihen, sendet eine eindeutige, positive Botschaft: Sexualität ist nichts schmutziges und sollte offen gelebt werden können."

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Zusätzlich hat Ditch the Label das Verhalten junger Menschen im Netz untersucht. Wie sich dabei herausgestellt hat, haben ganze 55 Prozent der Befragten schon einmal eine virtuelle Beziehung mit einem Menschen geführt, den sie noch nie zuvor getroffen haben. Die Anonymität im Internet hatte für die Studienteilnehmer aber noch ganz andere Vorteile.

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Von den Befragten gaben 90 Prozent an, dass es im Internet leichter ist, seine Sexualität zu erforschen, weil sie dort die Möglichkeit haben, ihre Identität zu schützen. Auf diese Weise können sie sich mit "ihren sexuellen Vorlieben in Ruhe auseinandersetzen, ohne sich dabei Druck von außen auszusetzen", heißt es in der Studie.

Unter den Personen, die nach eigener Aussage schon häufiger virtuelle Beziehung mit anderen eingegangen sind, waren auch Menschen, die sich selbst als transgender identifizieren sowie Menschen mit Behinderungen. "Sie können sich selbst so zeigen, wie sie möchten", merken die Autoren an. "Das kann eine sehr befreiende Erfahrung sein – auch, weil es ihnen die Möglichkeit gibt, sich von den Vorurteilen zu befreien, denen sie offline begegnen."

Die Ergebnisse der Studie wurden laut den Verantwortlichen ganz bewusst am Valentinstag veröffentlicht, weil sich der Feiertag nach wie vor "primär um heteronormative Beziehungen dreht und Menschen, die sich dieser Gruppe nicht zugehörig fühlen, deswegen oftmals ein Gefühl der Isolation und Entfremdung erleben."

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Hackett erklärt: "Der Valentinstag ist ein sehr kommerzieller Feiertag. Entsprechend müssen wir auch die Verantwortung der Unternehmen sehen, LGB mehr Sichtbarkeit in ihren Kampagnen zu verleihen, um ein vielfältigeres Bild von Beziehungen fernab von Heteronormativität zu zeigen. Nur weil die Gesellschaft generell liberaler geworden ist, heißt das nicht, dass Homophobie nicht länger ein Problem darstellt – das ist nach wie vor ein Thema."

"Junge LGB gehören zu den Kindern, die innerhalb unserer Gesellschaft am häufigsten Opfer von Mobbing werden", sagt er weiter, "aber auch viele Erwachsene, die sich selbst nicht als heterosexuell identifizieren, werden häufig Opfer von Diskriminierung oder negativer Aufmerksamkeit, wenn sie beispielsweise in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen. Jeder muss sich frei fühlen können – nicht nur am Valentinstag, sondern auch an allen anderen Tagen des Jahres."


Foto: justine-reyes | Flickr | CC BY 2.0