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Apple kann iPhones außer Gefecht setzen, die nicht bei Apple repariert wurden

Ein Software-Update genügt und inoffiziell reparierte iPhones hören plötzlich auf zu funktionieren. Es ist eine erneute Eskalation in Apples Kampf gegen unabhängige Reparatur-Shops.
18.10.17
Ein kaputtes iPhone-Display während der Reparatur | Bild: Motherboard

Vor wenigen Tagen hat Apple ein weiteres Update seines neuen mobilen Betriebssystems iOS 11 vorgelegt. Wenn man sich die technischen Details dabei genauer anschaut und die dazu veröffentlichten Texte interpretiert, fällt eine gar nicht mal so subtile Warnung auf: Gebt eure iPhones besser nicht in die Hände von unabhängigen Reparatur-Shops und Drittanbietern, sondern lasst eure Smartphones nur von Apple selbst reparieren.

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Ganz so direkt formuliert Apple den Hinweis allerdings nicht. Um die Hintergründe von Apples Reperatur-Policy zu verstehen, müssen wir uns die technischen Hintergründe des Updates genauer anschauen. iOS 11.0.3. beseitigt nämlich unter anderem einen Fehler, bei dem der Bildschirm des iPhons vollständig einfriert und unbenutzbar wird. Dieser Bug trat allerdings nur bei Smartphones auf, die zuvor von Drittanbietern repariert und auf iOS 11 aktualisiert worden waren.

Das geht aus den sogenannten Release Notes hervor, die Apple zu iOS 11.0.3. veröffentlicht hat. In den Release Notes beschreibt Apple wie üblich die Neuerungen und Details der Software-Updates. Wie die Firma erklärt, behebe man mit iOS 11.0.3. auch ein Problem, "bei dem die Touch-Funktion auf einigen Displays von iPhone 6S-Geräten nicht funktionierte, weil diese mit nicht originalen Apple-Teilen repariert wurden." Die entsprechende Passage findet sich nur in den englischen Release Notes, in den deutschen taucht sie dagegen nicht auf. Warum das so ist, konnten wir bisher nicht klären.

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Klar ist jedoch, dass Apple durch die Ausführungen in den Release Notes unterstreicht, wie wichtig es dem Unternehmen ist, dass Kunden nicht auf die Reparaturdienste von Drittanbietern zurückgreifen. In den Release Notes wird nämlich noch einmal explizit darauf hingewiesen, dass "Ersatzdisplays von Drittanbietern möglicherweise die Darstellungsqualität beeinträchtigen oder nicht korrekt funktionieren könnten. Apple-zertifizierte Bildschirmreparaturen werden von autorisierten Experten unter Verwendung von Apple Originalteilen durchgeführt."

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Der Fall zeigt auch, dass Apple anscheinend technisch in der Lage ist, Software-Updates auszuspielen, die bestimmte Hardware- und Ersatzteile lahmlegen können, wenn diese nicht direkt bei Apple gekauft wurden.

Die englischsprachigen Release Notes, wie sie US-Usern angezeigt wurden | Screenshot: Motherboard

Außerdem scheint Apple offensichtlich auch die Funktionalitätsprobleme von nicht zertifizierten Ersatzteilen per Software-Update aus der Ferne wieder beheben zu können – wie in den Release Notes von iOS 11.0.3. dokumentiert.

Apple befindet sich schon lange in einer Art Kaltem Krieg mit den unabhängigen Reparaturshops und Drittanbiertern, die ihre Dienste ohne offizielle Apple-Zertifizierung anbieten. Apple verkauft seine Originalersatzteile nämlich nur an "autorisierte" Händler und erlaubt offiziell auch nur diesen Reparaturen an Apple-Geräten durchzuführen. Wer als Kunde zu anderen Shops geht, riskiert, dass die Garantie des Gerätes verfällt. Um zu einem offiziellen Apple-Partner zu werden, müssen Shops allerdings viel Geld zahlen. Außerdem müssen offizielle Partner-Shops ihren Service auf ein bestimmtes Angebot an Reparaturen beschränken, die man laut Apple an den Produkten durchführen darf.

Unabhängige Reparatur-Anbieter haben sich deswegen längst einem Graumarkt zugewendet, der größtenteils aus chinesischen Anbietern besteht. Auf diesem inoffiziellen Markt bieten Drittanbieter Displays in ganz unterschiedlicher Qualität an – manche sind genauso gut wie die Apple-Originalteile (viele werden sogar in den gleichen Fabriken hergestellt, wie Leute aus solchen Reparatur-Shops berichten). Andere Teile sind allerdings tatsächlich von schlechter Qualität. Außerdem werden Ersatz-Displays auch von Elektronik-Recyclern und LCD-Refurbishern gekauft.

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Obwohl die Qualität der Ersatz-Bildschirme variiert, geben die meisten Shops, in denen man sein Handy reparieren lassen kann, ihr Bestes, um an Ersatzteile zu kommen, die genauso gut sind wie die von Apple. Es gibt sogar mehrere Facebook-Gruppen, in denen Reparatur-Profis gute und schlechte Anbieter nennen.

Manche Reparatur-Shops sehen in ihrer Unabhängigkeit nicht nur eine finanzielle Notwendigkeit – sondern auch einen Service am Kunden, und für manche ist es gar eine politische Sache. Ihnen geht es schlicht darum, dass Kunden die Möglichkeit haben sollten, ihr iPhone auch bei einem unabhängigen Reparaturservice abzugeben, wenn sie das denn wünschen. Häufig sind solche Shops auch um einiges günstiger und schneller als eine Reparatur im Apple Store oder bei offiziellen Apple-Partnern.

Es ist wichtig zu betonen, dass im aktuellen Fall nicht alle iPhones betroffen waren, die von Drittanbietern repariert wurden. Außerdem gibt es keine Hinweise darauf, dass Apple die Smartphones seiner Kunden absichtlich unbenutzbar macht. Dass das iOS 11-Update also einige von Drittanbietern reparierte Bildschirme einfror, dürfte wohl eher ein unerwünschter Nebeneffekt des Updates gewesen sein, den man dann mit iOS 11.0.3. wieder beheben konnte.

Trotzdem zeigt der Fall, welche technischen Möglichkeiten Apple hat, unabhängigen Reparatur-Shops und ihren Kunden das Leben schwer zu machen. Bereits in der Vergangenheit zeigten Fälle, wie Apple die Muskeln spielen ließ und versuchte, die Branche der inoffiziellen Reparaturanbieter auszubremsen: So lässt sich beispielsweise der Home-Button beim iPhone 7 technisch nicht mehr ohne Apples urheberrechtlich geschützte "Horizon Machine" austauschen. Dieser Apparat steht in jedem Apple Shop und ist unerlässlich, um einen neuen Home-Button mit dem reparierten Handy zu synchronisieren.

Im vergangenen Jahr verärgerte Apple mit dem sogenannten "Error 53" zahlreiche Kunden, die die Dienste unabhängiger Reparatur-Shops in Anspruch genommen hatten. "Error 53" sorgte dafür, dass zahlreiche iPhones unbenutzbar wurden, bei denen eine Reparatur bei einem Drittanbieter vorgenommen wurde. Nachdem sich damals Kunden auf aller Welt über den Fall empört hatten, behob Apple den Fehler anschließend wieder.

In den USA, dem Heimatland von Apple, kommt inzwischen langsam eine Diskussion darüber in Gange, dass der Ersatzteilmarkt nicht zum Monopol der Hardware-Hersteller werden sollte. So kämpfen einige Aktivisten für die Einführung von Gesetzen, die Apple und andere Elektronikunternehmen dazu verpflichten, ihre Ersatzteile und Reparaturgeräte frei am Markt zu verkaufen. Damit würde man Software-Sperren vermeiden, die Smartphones, welche nicht direkt bei Apple repariert wurden, unbenutzbar machen. Apple ist – wenig überraschend – gegen diese Idee.