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Massaker von Las Vegas

"Unsere Waffen waren nutzlos" – Country-Musiker vom Las Vegas-Massaker postet wichtiges Statement

Vielleicht hört die Waffenlobby endlich einmal zu, wenn "einer von ihnen" spricht.

von Nina Damsch
04 Oktober 2017, 1:14pm

Imago

Wie man es von einem Countrymusiker erwarten würde, war Caleb Keeter Zeit seines Lebens Verfechter des amerikanischen Waffenrechts. Wie es das Second Amendment festhält, befürwortete auch der Gitarrist der Josh Abbott Band das Recht eines jeden Amerikaners, eine Waffe tragen zu dürfen. Ein Recht, das nach Obamas schärferer Waffenpolitik beschränkt und Anfang diesen Jahres von Donald Trump wieder gestärkt wurde. Nun haben es beispielsweise geistig Behinderte leichter, sich Waffen zu kaufen. Im Wahlkampf hatte Trump sogar damit geworben, waffenfreie Zonen an Schulen abschaffen zu wollen.

Nach seinem Auftritt beim Route 91 Harvest Festival in Las Vegas, das am Sonntag Schauplatz des größten Massenmords eines Einzeltäters in der US-Geschichte wurde, sieht Keeter das nun aber anders. Auf Twitter postete er am Montag ein Statement, das vielen – und vor allem vielleicht auch jenen, die sonst nicht zuhören – endlich die Augen öffnen könnte.

Neben den schaurigen Beschreibungen, wie die Band das Massaker erlebte, ist es vor allem eine Passage, die hängenbleibt:

"Ich war mein ganzes Leben lang ein Verfechter des Second Amendments. Nach den Ereignissen der letzten Nacht kann ich nicht ausdrücken, wie sehr ich mich geirrt habe. [...] Wir brauchen eine Verschärfung des Waffengesetzes JETZT. SOFORT. Am meisten bereue ich, dass das meinem Dickschädel jetzt erst klar wird, wo meine Brüder und ich selbst davon bedroht worden sind."

Diese Erkenntnis ist wichtig, Schlagwort "Dickschädel": Wenn es um sture, Nonsens-Diskussionen geht, ist die der Waffenlobby NRA über schärfere Waffengesetze nämlich seit Jahren eine der absoluten Gewinnerin des Vollidioten-Awards (und die Konkurrenz ist auf diesem Gebiet wahrlich groß).

"In Zeiten des Terrors brauche man noch mehr Waffen zu Verteidigung, statt sie zu verbieten", hört man da die Waffenfans immer wieder krähen. "Guns don't kill people, people kill people" wird der NRA-Fan-Slogan zwischen den Gedanken an die Opfer rauf- und runtergebetet. Und nicht zuletzt die ultimative Exitstrategie, wenn es mit diesen Argumenten nicht klappen sollte, die Diskussion im eigenen Interesse zu gewinnen. Die Moralkeule: "Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, über schärfere Gesetze zu debattieren, gedenken wir lieber den Opfern".

Dass diese Argumente keine sind, erklärt Caleb Keeter in seinem Statement unmissverständlich.

"Mitglieder unserer Band haben tatsächlich Genehmigungen, eine Waffen tragen zu dürfen und hatten sogar Waffen im Bus. Sie waren nutzlos. Wir konnten sie nicht holen gehen, aus Angst, die Polizei könnte denken, wir seien Teil dieses Massakers und würde auf uns schießen. Ein Gruppe (oder ein einzelner Mann) hat es geschafft, trotz engagierter, mutiger Polizisten, die verzweifelt versuchten, zu helfen, eine ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen, weil er Zugang zu einer unglaublichen Anzahl an Waffen hatte."

Dass Countrymusiker politisch eher die konservative, republikanische Bevölkerung in den USA ansprechen, dürfte in der Natur der Sache liegen. Dass jene Bevölkerung auch zu den leidenschaftlichsten Verfechtern des Waffenrechts zählt, ebenfalls. Statements wie jenes von Caleb Keeter sind daher vielleicht hilfreicher, als der zehnte Artikel der New York Post oder jede Diskussionsrunde auf Fox News. Denn vielleicht hören sie ja diesmal zu, wenn "einer von ihnen" fordert: "Genug ist genug."

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