Die Memphis Bar hat schon lange ein Rassismus-Problem

Einem Tamil-Schweizer ist vergangenes Wochenende wegen seiner Hautfarbe der Einlass in die Bar an der Langstrasse verwehrt worden. Kein Einzelfall.

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10 Oktober 2017, 10:01am

Foto: Screenshot  Google Street View

"Keine Kanaken, Inder oder Türken…" ist wohl die absurdeste Begründung, an der Türe abgelehnt zu werden. Doch ein Schweizer mit tamilischen Wurzeln bekam genau dies am vergangenen Wochenende vom Türsteher der Memphis Bar an der Langstrasse zu hören. Seine Schweizer Freundin sei in die Bar gekommen, er selbst aber wegen seiner Hautfarbe nicht.

Aber es kommt noch viel dicker: Wie der Tages Anzeiger berichtet, macht der Betreiber des Memphis, Sajib Barua, der selbst Wurzeln in Bangladesch hat, keinen Hehl aus seiner rassistischen Türpolitik. Zwar könne er sich nicht vorstellen, dass sein Security-Mitarbeiter exakt diese Worte verwendet hätte – "Immerhin gibt es in diesem Land Gesetze". Er fügt aber an, dass es früher immer wieder mal Ärger mit Dunkelhäutigen gegeben habe und dass er "diese Leute" nur ungern in seinem Lokal habe. Ihm sei das Wohl seiner Schweizer Gäste wichtiger.

Immerhin weiss Sajib Barua, dass er rein gesetzlich keiner Person den Einlass aufgrund ihrer Ethnie, Nationalität oder Herkunft verwehren darf – gemäss Strafgesetzbuch, Artikel 261, wird dies mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Das hält ihn bzw. seine Türsteher aber anscheinend nicht davon ab, immer wieder die Rassismuskarte zu spielen. Erst Anfang Oktober beschwerten sich gleich zwei Personen mit einer negativen Bewertung der Bar darüber, wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft an der Tür abgewiesen worden zu sein – die ersten Fälle gehen bis Frühling 2016 zurück. Ein Pakistani sei aufgrund seiner Nationalität abgelehnt worden, bei einer anderen Gruppe hätte der Türsteher die Hautfarben-Karte gezogen, ein dritter wirft der Bar vor, nur Gäste mit Schweizer Pass hereinzulassen.

Dass an Zürcher Clubtüren immer mal wieder Menschen wegen ihrer Ethnie, Nationalität oder Herkunft abgelehnt werden, ist leider gang und gäbe. Ich habe zwei dunkelhäutige Freunde von mir auf die Geschichte angehauen und beide konnten von rassistischen Fällen an Clubtüren berichten. "Das ist schon x-mal vorgekommen und leider nichts Neues", erzählt einer – und so geht es wohl vielen anderen Secondos und Ausländern. Nur geht eben einfach keine Bar oder Club mit seinem Rassismus so offensichtlich um wie das Memphis. Sajib Barua war für ein weiteres Statement nicht erreichbar.


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