Männer bedrohen ein Flüchtlingsheim in Schleswig-Holstein und schwenken dabei AfD-Fahnen

"Wir fackeln euch alle ab!"

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Sep. 28 2017, 11:49am

Foto: imago | Lars Berg

Es ist der Montag nach der Bundestagswahl. Die AfD hat gerade 12,6 Prozent eingefahren und vor der Flüchtlingsunterkunft in Elmshorn in Schleswig-Holstein fahren gegen 11:30 Uhr zwei Wagen auf. Ein alter Polo und ein alter BMW, so sagt es die Zeugin später. In einem zwei, im anderen vier Männer. Sie kurbeln die Fenster runter. Ausländer seien in Deutschland nicht mehr willkommen, rufen sie. "Wir fackeln euch alle ab!" Dazu schwenken sie Fahnen der AfD.

Eine Betreuerin der Johanniter, die das Heim betreiben, hat daraufhin versucht, den zuständigen Verbindungsbeamten der Polizei anzurufen, konnte ihn allerdings nicht erreichen. Als 90 Minuten später jemand anderes auf der Wache ans Telefon geht, waren die Männer längst weg.


Den Vorfall besprach am Mittwoch der Innen- und Rechtsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags auf Betreiben der SPD-Abgeordneten Beate Raudies. "Es ist erschreckend, dass so ein Vorfall in Elmshorn passieren kann. Wir müssen wachsam sein", sagte sie. Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) hat daraufhin einen verbesserten Schutz der Unterkunft veranlasst. Der Staatsschutz in Itzehoe ermittelt wegen "Störung öffentlichen Friedens", "Bedrohung" und "Androhung einer Straftat". Die Polizei hat bisher keine Täter ausfindig machen können und bittet um Hinweise.

In der Vergangenheit war es nach rechten Wahlerfolgen in anderen Ländern immer wieder zu Übergriffen gegen Migranten gekommen. Die Zeit spricht davon, dass sich in Großbritannien nach dem Brexit "eine neue Form salonfähiger Fremdenfeindlichkeit etabliert" hätte. Die Zahl der Hassverbrechen seit dem Referendum sei auf 200 pro Tag gestiegen. Und auch nach der Wahl Donald Trumps war es vermehrt zu fremdenfeindlichen Angriffen in den USA gekommen. Amerikanische Muslime hatten Angst, dass Trump den Hass gegen sie bestärkt habe. Ereignisse wie in Elmshorn lassen befürchten, dass auch in Deutschland Hassverbrechen zunehmen könnten.

Die AfD hat sich zu dem Übergriff bisher nicht geäußert und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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