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VICE-Recherchen zeigen: Gzuz hat auf dem Splash!-Festival eine Frau sexuell belästigt

Der Rapper der 187 Strassenbande erhielt dafür bereits 2018 einen Strafbefehl, wie Gericht und Staatsanwaltschaft bestätigen.

von Johann Voigt und Paul Schwenn
16 Mai 2019, 12:37pm

Gzuz während eines Live-Auftritts bei einem anderen Festival im Jahr 2016 || Foto: imago images | Manngold

Seit dem Splash!-Festival im Sommer 2018 kursiert ein Gerücht, über das Festival-Mitarbeiter, Musikjournalistinnen und Gäste gleichermaßen spekulieren: Securitys sollen den Rapper Gzuz wegen eines sexuellen Übergriffs vom Festivalgelände verwiesen haben.

Wir wollten herausfinden, was an den Vorwürfen dran ist. Sind Songzeilen wie "Bring deine Alte mit, sie wird im Backstage zerfetzt/ Ganz normal, danach landet dann das Sextape im Netz" womöglich ernstzunehmender, als man denkt? Immerhin wird Gzuz von Fans vor allem für seine Realness geschätzt. Dafür, dass er auch erlebt hat, wovon er rappt. In einem Interview von 2008 sagt er selbst: "Ich lüge zum Beispiel nicht in meinen Texten, ich sage genau die Wahrheit."

Jetzt belegen VICE-Recherchen: Gzuz wurde im vergangenen Jahr wegen einer sexuellen Belästigung auf dem Splash!-Festival mit einem Strafbefehl belegt.

Eine Sprecherin des zuständigen Polizeireviers in Wittenberg sagte VICE: "Ich kann Ihnen bestätigen, dass am 6. Juli 2018 eine Strafanzeige wegen sexueller Belästigung erstattet wurde. Die Ermittlungen dazu wurden bereits im September 2018 abgeschlossen und die Akte an die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau übersandt." Gegen wen ermittelt wurde, sagt sie allerdings nicht. Gilt die Anzeige Kristoffer Jonas Klauß, wie Gzuz mit bürgerlichem Namen heißt?

Wir kontaktieren die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau. Ein Oberstaatsanwalt bestätigt nicht nur, dass es Kristoffer Jonas Klauß war, gegen den in dieser Sache ermittelt wurde, sondern auch, dass er am 16. November 2018 mit einem Strafbefehl wegen sexueller Belästigung belegt wurde. Über die Höhe der Geldstrafe gibt der keine Auskunft. Weil dem Oberstaatsanwalt die Akten nicht mehr vorlägen, könne er keine weiteren Details nennen.

Was sich auf dem Festival zwischen Künstler und Besucherin abspielte, erfahren wir schließlich vom Vorsitzenden Richter am Landgericht Dessau-Roßlau. Er sagt: "Die Tat hat sich am 6. Juli 2018 gegen 16:30 Uhr ereignet. Der Verurteilte fuhr auf dem Festivalgelände oder dem Weg dorthin mit einem Pkw an der 19-jährigen Geschädigten, die als Fußgängerin unterwegs war, vorbei und schlug ihr aus dem fahrenden Fahrzeug leicht mit der Hand auf die linke Gesäßhälfte."

Anstatt den Vorfall zu ignorieren, habe das Opfer sofort einen Festivalmitarbeiter darauf angesprochen, das bestätigt ein Pressesprecher des Splash!-Festivals gegenüber VICE: "Die Besucherin hat sich bei uns gemeldet."

Man habe den Fall sofort an Security und Polizei weitergeleitet. "Das ist dann eine Sache von Minuten", sagt der Festivalsprecher. Dass die Ermittlungen seit Monaten abgeschlossen sind und der Richter des Amtsgerichts Wittenberg Gzuz mit einem Strafbefehl belegt hat, habe beim Splash! bisher niemand gewusst.

Das Splash! ist das größte HipHop-Festival Deutschlands. Mit hunderten Sicherheitskräften auf dem Festivalgelände in Sachsen-Anhalt sei man hier gut aufgestellt, sagt der Splash!-Sprecher. Daran ändere auch dieser eine Fall nichts, auch wenn er auf Nachfrage bestätigt, dass dieser Fall Konsequenzen für zukünftige Ausgaben des Festivals haben werde. Welche das sein sollen, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten.

Nur für eine Person hatte die Sache offenbar Konsequenzen: für Gzuz. Auf die Frage, ob der Rapper auch in Zukunft auf dem Splash! auftritt, antwortet der Sprecher: "Wenn ihr euch das Booking von diesem Jahr anschaut, habt ihr die Antwort." Gzuz fehlt im Line-up.

Für Gzuz gäbe es 1,9 Millionen Gründe, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. So viele Menschen folgen dem Rapper auf Instagram. Öffentlich entschuldigt hat er sich bisher nicht. Auf unsere Nachfragen zu dem Fall wolle er sich nicht äußern, schreibt sein Anwalt.

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