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10 Fragen

10 Fragen an eineiige Zwillinge, die du dich niemals trauen würdest zu stellen

Wann gebt ihr euch für den jeweils anderen aus? Habt ihr schonmal Behörden verarscht? Wie oft werdet ihr für einen Dreier angefragt?

von Yannah Alfering
13 Juli 2019, 3:30am

Phil (links) und Chris | Fotos: Shirin Siebert

Wenn Phil und Chris Rosenthal von ihrem Leben als eineiige Zwillinge erzählen, wünscht man sich selbst, im nächsten Toskana-Urlaub plötzlich seinem verlorenen Ebenbild gegenüber zu stehen. Denn das Leben als Zwilling, so erzählen es die beiden, scheint eine ziemlich gute Sache zu sein.

Die 22-Jährigen sagen, dass ihr Lebenspartner und bester Freund direkt mit geboren wurde. Gemeinsam wohnen sie in Berlin-Reinickendorf, reisen zu Modeljobs nach London, Paris oder Tokio, skaten, hängen in denselben Bars ab und teilen sich einen Instagram-Account. Laut dem Statistischen Bundesamt kommen in Deutschland seit den 1970er Jahren immer mehr Menschen als Zwillinge zur Welt. Allein 2014 waren unter 700.000 Geburten fast 26.000 Zwillinge.

Obwohl sie sich auf den ersten Blick zum Verwechseln ähneln, erkennen ihre Freunde sie schon aus 100 Metern Entfernung, sagt Phil. Trotzdem habe die Ähnlichkeit früher ausgereicht, um Lehrer zu verarschen, und heute, um kurzfristig unliebsamen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.

Wir haben Fragen.

VICE: Wie sehr nervt es, dauernd alles zu teilen?
Chris: Machen wir eigentlich gar nicht. Als Kind habe ich immer Blau getragen und Phil Rot. Obwohl wir zusammen wohnen, haben wir getrennte Kleiderschränke. Das hat den Vorteil, dass wir immer Klamotten switchen können.
Phil: Wir passen da schon auf. In der Vergangenheit ist es mal passiert, dass wir Geschenke von unseren Eltern bekommen haben und die dann gleichzeitig benutzen wollten. In solchen Momenten gibt es Streit.

Zwillinge
Phil (links) und Chris teilen sich ihre Kleidung

Wann fühlt ihr euch, als wärt ihr keine eigenständigen Personen?
Phil: Wenn ich für Chris mitverantwortlich gemacht werde. Als wir noch ein bisschen jünger waren, hat Chris einen Eisball auf ein fahrendes Auto geworfen.
Chris: Nein, ich hab den nach hinten geworfen! Ich hab nicht gecheckt, dass da ein Auto kam.
Phil: Und dann ist er weggerannt. Weil ich das ja nicht war, bin ich anschließend entspannt in den Supermarkt gegangen. Als ich an der Kasse stand, kam plötzlich der Typ aus dem Auto reingerannt und hat mich vor allen Leuten angeschrien. Ich war total traumatisiert danach.
Chris: Danach hat er kein Wort mehr mit mir geredet. Das hat mir schon mega leid getan.

Welche Vorteile habt ihr gegenüber Nicht-Zwillingen?
Chris: Man behält uns immer im Kopf. Zwillinge stechen aus der Menge heraus und wirken attraktiver auf Außenstehende.
Phil: Wenn wir Castings in Paris haben und nur einer von uns läuft, heißt es oft eher Nein. Wenn sie dann aber sehen, dass wir Zwillinge sind, finden sie uns plötzlich gut.
Chris: Das ist dieser Zwillingsbonus. Ich glaube, als Einzelpersonen hätten wir nicht so krasse Jobs gekriegt. Außerdem kann man es immer auf seinen Bruder schieben, wenn man mit Leuten Stress hat.
Phil: Mir hat mal ein Mädchen geschrieben, weil ich ihr auf Instagram entfolgt bin. Dann habe ich ihr geschrieben, dass das nicht sein könne und das mein Bruder gewesen sein muss.
Chris: Man hat immer einen Lebenspartner. Klar, ich habe auch meine Freundin, aber mein Bruder ist trotzdem immer da. Wenn wir mal voneinander getrennt sind, merken wir immer, wie scheiße das eigentlich ist.


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Spürt ihr auf weite Entfernung, wenn es dem anderen schlecht geht, oder ist das esoterischer Quatsch?
Chris: Wir spüren, wenn es dem anderen schlecht geht. Es klingt verrückt, aber diese Verbindung gibt es wirklich. Vor ein paar Jahren hat Phil sich beim Skaten den linken Arm gebrochen. Obwohl er mir nicht direkt davon erzählt hat, hatte ich tagsüber Schmerzen in meinem linken Arm. Das war ein anderer Schmerz als sonst. Ich konnte ihn nicht richtig zuordnen. Als mein Bruder mir abends seinen Arm zeigte, ging er weg.

Wann gebt ihr euch für den jeweils anderen aus?
Phil: Ich hatte mal was mit einem Mädchen. Aber am nächsten Tag fand ich das irgendwie unnötig und es war mir ein bisschen unangenehm. Irgendwann habe ich sie auf einer Party wieder getroffen und sie hat mich angesprochen. Ich hatte aber keine Lust drauf und habe behauptet, ich sei Chris. Das war schon böse.
Chris: Wir waren in der Schule nicht in derselben Klasse. In der fünften Klasse haben wir mal bei 'ner Klassenarbeit getauscht. Ich war immer gut in Deutsch und Phil gut in Mathe. Als wir älter wurden, haben die Lehrer das gecheckt und wir haben es gelassen. In der Oberstufe bin ich dann auf das französische Gymnasium gegangen und Phil nicht, weil er ein bisschen schlechter war.
Phil: Ich wollt es entspannter angehen.
Chris: Dann bin ich aber sitzen geblieben und bin wieder zurück auf Phils Schule.
Phil: Und ich bin runtergegangen. Ich muss also sagen, dass meine Schullaufbahn letztendlich besser war als die von Chris [Lacht].

Zwillinge
Phil (links) und Chris modeln und arbeiten außerdem für einen Getränkelieferanten

Wen mögen eure Eltern lieber?
Chris: Mich.
Phil: Ich glaub auch. Ich bin der Chaot der Familie. Mittlerweile ist unsere Mutter ganz glücklich mit uns, aber früher war ich das Sorgenkind. Ich habe mir einen Schneidezahn weggehauen, den Ellbogen gebrochen … lauter so Sachen. Chris passt ein bisschen besser auf sich auf.

Habt ihr schonmal Behörden verarscht?
Phil: Wir wurden mal geblitzt. Der eine von uns war auf Klassenfahrt und wir hatten am nächsten Tag ein Shooting in London. Der andere hat ihn mit dem Auto abgeholt, damit wir den Flieger in Berlin kriegen. Wir wurden mit 135 km/h in der Siebziger-Zone geblitzt.
Chris: Wir wussten dann leider nicht mehr, wer gefahren ist (Lacht). Und dann ist nichts passiert.
Phil: Wir könnten theoretisch auch 'ne Bank ausrauben.
Chris: Die können das nur am Fingerabdruck checken.

Wie oft werdet ihr für einen Dreier angefragt?
Phil: Immer.
Chris: Das ist noch nie passiert. Es gab aber schon Mädchen, die erst an mir interessiert waren und dann an Phil.
Phil: Wenn die hören, dass Chris eine Freundin hat, sind sie plötzlich an mir interessiert. Auch, wenn sie mich eigentlich gar nicht kennen.

Unterscheidet ihr euch überhaupt voneinander?
Phil: Chris hat eine Narbe über der Augenbraue.
Chris: Mit sieben bin ich im Strandbad die Treppe zur Rutsche hochgelaufen. Die Frau vor mir ist runtergefallen und hat mich mitgerissen. Ich bin mit dem Kopf auf den Steg geknallt. Seitdem könnte man uns optisch eigentlich gut auseinanderhalten. Was den Charakter angeht, ist Phil ist im Gegensatz zu mir sehr lebhaft. Ich bin eher der ruhigere, besonnene.
Phil: Mit zehn waren wir in einem Hotel in der Türkei. Da hatten wir einen Auftritt, bei dem wir uns als Orang-Utans verkleidet wild auf die Brust klopfen sollten. Kurz vor der Show ist Chris panisch weggerannt und ich hab's alleine durchgezogen. Chris lässt mich häufig erstmal machen und wenn es gut ist, macht er es auch. Ich bin der Wildere von uns. Ich gehe viel feiern und mach die Nächte durch.
Chris: Wenn ich mal feiern gehe, kommen total viele Leute zu mir und sagen: Hey, Phil! Dann muss ich denen immer erklären, dass ich der Bruder bin.
Phil: Und Chris hat eine Freundin. Darum beneide ich ihn aber nicht unbedingt. Klar ist es schön, eine Freundin zu haben. Ich genieße aber auch mein Singleleben.

Habt ihr auch ein eigenes Leben?
Phil: Wir teilen uns den Freundeskreis, die Klamotten, das Portemonnaie. Wir wohnen zusammen, arbeiten zusammen und haben dieselben Hobbys. Klar, manchmal will der eine feiern gehen und der andere baden. Aber meistens einigen wir uns dann. Manchmal verbringt Chris natürlich auch Zeit alleine mit seiner Freundin. Wir sind wie beste Freunde.
Chris: Ich mache noch ein bisschen Mucke. Aber das will Phil jetzt auch machen. Wir inspirieren uns gegenseitig.
Phil: Wir haben exakt den gleichen Geschmack. Wenn wir beide auf derselben Seite nach Klamotten gucken, ist die Auswahl am Ende identisch.
Chris: Wir haben gerade das Angebot, für zwei bis drei Monate nach Asien zu gehen. Für die Kunden rentiert es sich aber häufig nicht, zwei Models zu buchen. Das heißt, wir müssten uns trennen – der eine käme beispielsweise nach Peking und der andere nach Tokio.
Phil: Also werden wir das nicht machen. Das funktioniert für uns nur zusammen.
Chris: Wir sind aber trotzdem eigenständige Personen. Wenn einer von uns Stress mit jemandem hat, heißt das nicht, dass der andere auch Stress hat.
Phil: Trotzdem muss Chris jeden mögen, den ich auch mag. Wenn ich mit einem Mädchen ankomme und er mag sie nicht, dann ist sie unten durch bei mir. Das funktioniert dann einfach nicht.

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