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Bundestagswahl 2017

Die skurrilsten Wahlkampf-Fails – bis jetzt

Folge 2: Die SPD weiß, wer das TV-Duell gewonnen hat, bevor es stattfand, ein CDUler fälscht Merkels Unterschrift und die AfD scheitert an deutscher Tradition.

von Niclas Seydack
04 September 2017, 3:14pm

Foto: imago | Sven Simon

Der Wahlkampf in seiner Spätphase gleicht der Fußball-Bundesliga – es ist bloß noch spannend, wer Dritter wird und wer absteigt. In solchen Situationen, in denen das große Ganze vorhersehbar wird, konzentriert man sich auf Detailbetrachtungen. Vor ein paar Wochen haben wir bereits skurrile Wahlkampf-Fails gesammelt. Jetzt ist es Zeit für eine erneute Zusammenstellung der Peinlichkeiten:

Die SPD kürt Martin Schulz zum Sieger des TV-Duells – bevor es stattgefunden hat

Es ist ein bisschen wie Silvester, wenn der Gastgeber schon vorher trompetet, es werde auf jeden Fall die allerbeste jemals dagewesene Silvester-Party überhaupt. Schon Stunden vor dem TV-Duell gegen Kanzlerin Merkel schaltete die SPD nämlich eine Google-Anzeige: "Merkel verliert klar gegen Martin Schulz". Wer, wie der CDU-Politiker Jan Günther in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Stichworte "schulz merkel tv duell" googelte, bekam diese Anzeige angezeigt.

Der Spott war groß, der SPD-Vorstand entschuldigte sich: "Dienstleister ist heute Nacht bei Google peinlicher Fehler unterlaufen. Nicht unser Stil." Die Partei von Herausforderer Schulz reagiert wie der Gastgeber der Silvesterparty, der sich schon vor Mitternacht eine Flasche Korn reinprügelt, kotzen muss – und dem Kornhersteller die Schuld dafür gibt.

Ein Berliner CDU-Verband verschickt gefälschten Merkel-Brief an seine Wähler

Wahrscheinlich hat jeder schon einmal die Unterschrift der Eltern gefälscht. Halb so wild, wenn man früher die Fünf in der Mathearbeit verheimlichen wollte. Wer allerdings die Unterschrift der Kanzlerin fälscht, um im Bundestag zu landen, begeht eine Straftat und verdient sich einen Platz bei den dümmsten Wahlkampf-Aktionen. Frank Steffel, Bundestagsabgeordneter für Berlin-Reinickendorf, verschickte in der vergangenen Woche einen Brief an die Menschen in seinem Wahlkreis. Er schrieb über sich selbst: "Mit Frank Steffel haben wir seit acht Jahren einen ausgezeichneten Abgeordneten." Steffel setzte die Unterschrift der Kanzlerin darunter – die er zuvor bei Wikipedia herauskopiert hatte.

Eine Anzeige wegen Urkundenfälschung gibt es für Steffel allerdings nicht. Gegenüber der B.Z. sagte die CDU, die politischen Inhalte des Schreibens seien so "unstrittig", dass sie es im Nachhinein "ausdrücklich gebilligt" habe. Profi-Tipp: Bei der nächsten Job-Bewerbung ein gefaktes Empfehlungsschreiben der Kanzlerin beilegen. Ihre Partei will ja schließlich die Vollbeschäftigung in Deutschland erreichen.

Die AfD scheitert daran, für deutsche Tradition zu werben

Was für eine wunderbare Ironie, dass ausgerechnet die AfD daran scheitert, mit deutschem Bier, deutschen Brezeln und deutschen Brüsten für deutsche Tradition werben. Daniel Schneider, ein Abgeordneter aus Sachsen-Anhalt, lud ein Plakat hoch, auf dem eine Frau im Dirndl zu sehen ist. Worauf die User darauf hinwiesen: Keine echte Bayerin würde ein Dirndl mit Reißverschluss tragen, nur billige Import-Dirndl verzichten auf die traditionelle Schnürung. Die wütenden User reagierten gereizt auf die Textil-Überfremdung, die die AfD anzettelte: Sie legten Schneider nahe, an Tiefkühlbrezeln zu ersticken.

Eine CDU-Abgeordnete vergisst, dass Angela Merkel im Bundestag sitzt

Frau Dr. Herlind Gundelach wirbt auf ihrer Seite damit, die einzige "Hamburger CDU-Frau in Berlin" werden zu wollen. Gundelach verfügt scheinbar über seherische Fähigkeiten und weiß, dass ihre Parteivorsitzende, Angela Merkel, dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören wird. Was nur passieren würde, wenn sie nach einer Wahlniederlage ihr Mandat erst gar nicht antritt. Oder Gundelach weiß nicht, dass die Kanzlerin ebenfalls in Hamburg geboren wurde.

Die Grünen wollen Vermieter enteignen – ach ne, doch nicht

Einem ZDF-Journalisten war in Kreuzberg ein Plakat der Grünen aufgefallen: "Die Häuser denen, die drin wohnen." Ein Slogan aus der Hausbesetzer-Szene. Der Journalist fragte über Twitter nach, ob die Grünen jetzt Hausbesitzer enteignen wollen – woraufhin eine Sprecherin der Grünen-Fraktion im Berliner Senat antwortete: Ja! Wenn Vermieter nicht anders zu "sozialen Handlungen" gedrängt werden könnten, wäre das die äußerste Lösung.

Nur wenig später meldete sich dann die Bundesfraktion der Grünen und stellte klar: Das Plakat hänge lediglich lokal und spiegele nicht die Forderung auf Bundesebene wider.

Die FDP hat sich Mühe gegeben, ein maximal inhaltsleeres Plakat zu entwerfen

Zu diesem FDP-Plakat aus Siegen haben wir auch nichts zu ergänzen.

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