Ukraine-Krise

Scooter kriegen Ärger, weil sie auf der Krim auftreten

Sie mussten die Annexion durch Russland überstehen. Womit haben die Krim-Bewohner jetzt auch noch das verdient?
Foto: imago | STAR-Media

Scooter haben schon immer für Diskussionen gesorgt, aber bis jetzt haben die sich meistens darum gedreht, ob man das, was die Band tut, überhaupt Musik nennen darf. Oder darum, ob ihr Frontmann H.P. Baxxter ein gewissenloser Techno-Scharlatan ist, oder doch ein genialer Vertreter der subversiven "Bad Art"-Bewegung. Oder eben darum, was der Fisch kostet.

Womit Scooter bis jetzt eher selten aufgefallen sind: Diskussionen um geopolitische Streitfragen, Völkerrecht und den neuen Kalten Krieg.

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Genau das passiert aber, seit bekannt wurde, dass Scooter einen Auftritt auf der Krim plant. Seit Russland die ukrainische Halbinsel 2014 militärisch eingenommen hat, streiten sich Putin und der Westen darüber, ob das eine legale Übernahme oder eine Annexion (wenn nicht sogar eine Invasion) war. Die Vereinten Nationen bezeichnen Russlands Herrschaft auf der Krim offiziell als "Besatzung". Die ukrainische Regierung betrachtet das Gebiet weiterhin als ihr Territorium – und reagiert extrem empfindlich auf alles, was der russischen Übernahme irgendeine Legitimität verleihen könnte.

Scooter sind übrigens die einzigen nicht-russischen Künstler, die da auftreten. Screenshot: ZB Fest

Dass Scooter jetzt bei einem Festival Anfang August dort auftreten wollen, macht darum eine ganze Menge Leute in Deutschland stinkig. "Scooter scheint egal zu sein, dass die Krim illegal durch russische Truppen besetzt wurde", sagte die Grünen-Politikerin Rebecca Harms gegenüber Bild, die Band ergreife damit "Putins Seite". Mit dem Auftritt würden Scooter aber nicht nur die Besatzung verharmlosen. Das Konzert helfe Russland auch dabei, "all die schlimmen Menschenrechtsverletzungen auf der Krim zu übertünchen".

Und was sagen Scooter dazu? Sie stellen sich dumm. "Wir fahren nicht auf die Krim, um dort Politik zu machen, sondern weil wir dort unsere Fanbase haben", sagte H. P. Baxxter zu Bild. "Der wollen wir etwas bieten."

Scooter-Manager Jens Thele sieht das ähnlich: "Uns war gar nicht bewusst, dass wir uns hier in einen politischen Konflikt hineinbewegen", sagte er Bild. "Unsere Musik ist völlig unpolitisch und wir wollen uns aus politischen Dingen raushalten."

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Ganz so ahnungslos kann Thele aber doch nicht sein: Auf der Scooter-Homepage steht neben dem Veranstaltungsort Balaklawa einfach gar kein Land – da wollte man sich nicht entscheiden, ob man jetzt Russland oder Ukraine schreibt. "Das haben wir ganz bewusst gemacht", hat Thele dann auch zugegeben. "Wir wollten keine Brisanz in die Sache bringen und es neutral halten."

Die Brisanz ist jetzt trotzdem da. Wenn Scooter das Konzert durchziehen, könnte es durchaus sein, dass die Ukraine die Band mit einem Einreiseverbot belegt, wie sie es mit der russischen ESC-Kandidatin Julia Samoilowa getan hat.

Was in der ganzen Diskussion ein bisschen untergeht, ist allerdings die Frage, womit die Bewohner der Krim das überhaupt verdient haben. Stell dir mal vor: Da überstehst du gerade einen bewaffneten Konflikt, dann tauchen plötzlich überall schwer bewaffnete grüne Männer vor deinem Supermarkt auf, und am Ende gehörst du plötzlich zu einem anderen Land. Bist du da wirklich noch in der Stimmung, um dir von einem alternden, blondierten Deutschen "Wicked!" und "Hyper Hyper!" ins Gesicht schreien zu lassen?

Andererseits: Wenn wir davon ausgehen, dass die Krim-Bewohner das wirklich wollen, wenn sie jetzt schon in Sewastopol und Jalta vor den Ticketbuden Schlange stehen, nur um Scooter zu sehen, dann hätten wir zumindest geklärt, was Scooter eigentlich ist: nämlich die musikalische Entsprechung einer posttraumatischen Belastungsstörung.

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