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Trennung

Warum ich mein Lieblingsshirt nicht so leichtfertig aus der Hand hätte geben sollen

Hört auf, euren Partnern Dinge zu schenken, an denen euer Herz hängt. Diese sieben Menschen haben es getan – und schwer bereut.

von Daisy Jones
10 September 2018, 4:28am

Symbolfoto: Hannah Morgan | Unsplash

Ich wusste, ich würde es bereuen, bevor ich es ausgesprochen hatte. In meiner Hand ein Original-*NSYNC-Tour-Shirt von 1999, ordentlich abgetragen, mein liebstes Kleidungsstück. Mit den Worten "Nein, nein, du sollst es haben, es steht dir sicher gut" überreichte ich es meiner damaligen Freundin. Natürlich stand es ihr. Dieses Shirt steht allen. Und besonders mir. "Oh, vielen Dank", antwortete sie in einem Ton, den man anschlägt, wenn einem ein Kaugummi angeboten wird.

Dabei hingen an diesem T-Shirt so viele Erinnerungen. Ich hatte es vor Jahren in einem Second-Hand-Laden gefunden. Ich hatte mir damit Tränen abgewischt. Ich hatte es beim Schlafen getragen und war damit auf Festivals morgens um 6 auf der Wiese herumgelegen. Es weiterzugeben, war fast so, als würde ich sagen: "Hier, dieses Shirt, das bin ich. Nimm es und all meine Erinnerungen gleich mit." Natürlich war die Beziehung irgendwann vorbei. Ich habe das T-Shirt nie wieder gesehen.

Wir alle kennen solche Momente. Oberflächlich betrachtet, geht es um etwas Materielles. Aber tatsächlich stecken darin Gefühle. Wir lieben es, die an eine geliebte Personen weiterzureichen. Es sind Dinge, die uns glücklich gemacht haben. Und dieses Glück sollen jetzt auch andere erleben. Andererseits: In unserem Leben kommen und gehen Menschen. Es ist nicht besonders clever, unseren liebsten Kram aus der Hand zu geben, nur weil dadurch unser eigener Glückshormon-Spiegel steigt. Denn was passiert? Drei Monate später fliegen die Leute dann aus aus unserer Kontaktliste – und das Shirt, die Lieblingsplatte oder ein Kätzchen gleich mit.

Ich habe sieben Menschen getroffen, die darüber lieber nachgedacht hätten, als es noch nicht zu spät war.


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James, 25: Kunst für die Katz

Wir lernten uns an der Kunsthochschule kennen. Wir studierten beide Bildhauerei. Er brachte mich dazu, an meine kreativen Grenzen zu gehen. Damals half mir das sehr und ich bin ihm bis heute dankbar dafür. So entstand auch eine richtig sonderbare schwarze Skulptur: quasi ein Abbild meiner eigenen Arme, in tierische Formen gebracht. In meiner romantischen Vorstellung schenkte ich ihm die Skulptur als Teil meines Körpers. Gleichzeitig steckte darin all die Energie, die sie mir abverlangt hatte. Später fand ich heraus, dass er mich mit mehreren Männern betrogen hatte. Ich hätte das Kunstwerk besser behalten. Es ist bis heute eines meiner Lieblingsstücke.

Rebecca, 24: Das Dildo-Dilemma

Was vermisse ich mein Umschnalldildo-Geschirr aus Kunstleder! Das Problem ist weniger, dass ich es meiner damaligen Freundin gab. Sondern: Sie hat es einfach behalten und mit einer anderen Frau benutzt, als wir noch zusammen waren. Ich fand es heraus, als ich eines Tages eine ihrer Schubladen öffnete, weil etwas heraus hing. In dem Geschirr steckte ein massiver Dildo, den wir nie benutzt hatten. Er stammte aus der Zeit mit ihrer Ex und ich fand es komisch, ihn bei uns einzusetzen. Diese Sache ist auf so vielen Ebenen kompliziert – ich versuchs erst gar nicht, das zu erklären.

Portia, 20: Bei Armani hört der Spaß auf

Meine erste Freundin hat noch ein Armani-Shirt von mir, das mir meine inzwischen verstorbene Patentante vermacht hatte. Es mag ein ordinäres Shirt sein, aber für mich hat es großen sentimentalen Wert. Als wir uns trennten, wollte ich es zurückhaben. Meine Ex sagte zwar, dass sie es mir zuschicken würde, aber das ist bis heute nicht passiert. Wenn sie feiern geht, zieht sie es absichtlich an – für den Fall, dass wir uns treffen. Einmal wollte ich mit ihr darum kämpfen. Ich war sturzbetrunken und beschimpfte sie: "Hey, gib mir mein verdammtes Shirt wieder, du Schlampe!" Dabei versuchte ich, ihr das T-Shirt vom Körper zu reißen. Rückblickend nicht gerade mein bester Moment. Am Morgen danach sah ich ein Bild bei Instagram: Das Shirt trug ihre aktuelle Freundin.

Charli, 27: Das schlimme Abschiedsgeschenk

Zählen auch Geschlechtskrankheiten? Es geht nicht um einen Gegenstand, aber ich bereue, Herpes an meinen Ex weitergegeben zu haben. Als unsere Beziehung nicht mehr so gut lief, machte ich im Club mit einem anderen Typen rum. Dabei fing ich mir Herpes ein. Richtig dumm von mir, aber diese Art Selbstzerstörung war für mich der Versuch, mit der Situation zurecht zu kommen. Die Herpesviren besiegelten das Schicksal der Beziehung endgültig. Ich weiß, dass mich mein Ex für einen schlechten Menschen hält. Vielleicht bin ich das auch. Ich wünschte mir aber, dass wir uns auf eine normale Art und Weise getrennt hätten. Und ich wünschte, niemand hätte Herpes.

Han, 25: Miau und Ciao

Zu seinem 37. Geburtstag schmiss ich für meinen Freund eine Überraschungsparty und schenkte ihm eine Playstation 4. Weil ich jetzt was gut bei ihm hatte, fragte ich ihn am nächsten Tag, ob wir eine Katze haben könnten. Im Tierheim fanden wir eine, die uns beiden gefiel.

Obwohl es unsere Katze war, hatte ich immer das Gefühl, dass das Tier mehr mir gehörte – und ich sie im Worst Case behalten würde. Als unsere Beziehung dann wirklich den Bach runterging, schlief ich schon mit der Katze im Nebenzimmer. Das Tier erkrankte schließlich an einer seltenen Immunkrankheit und war von da an hüftabwärts gelähmt. Weil wir uns jetzt noch mehr um die Katze kümmern mussten, blieben mein damaliger Freund und ich notgedrungen noch weiter zusammen.

Einige Monate später war dann aber endgültig Schluss und meinem Ex ging es richtig dreckig. Ich hatte ein total schlechtes Gewissen. Sein Vater schickte mir eine ellenlange Mail, in der er mich auch darum bat, die Katze seinem Sohn zu überlassen: "Er braucht sie." Ich sagte ja. Seitdem hat mich mein Ex bei Instagram geblockt, ich kann keine Fotos meiner Katze mehr sehen. Vielleicht ist das nicht verkehrt, ich vermisse sie wirklich sehr.

Luke, 25: Es hat sich ausgedreht

Als wir noch zusammen waren, schenkte ich meiner inzwischen verflossenen Liebe eine seltene, sehr gut erhaltene Platte der Rhythim Is Rhythim-Single "Strings Of Life". Das war so ein Impulsgeschenk. Die Single ist Kult, ich liebe das Lied und die Platte habe ich bis heute in keinem Laden mehr finden können. Aber zurückfordern kann ich sie auch nicht, vor allem nicht nach drei Jahren. Da käme ich ja wie ein richtiges Arschloch rüber.

Grace, 26: Die weggegebene Inspiration

Als ich 20 war, schenkte mir eine geliebte Freundin das Buch The Collected Fanzines von Harmony Korine. Der Regisseur hat darin viele seiner Gedichte veröffentlicht, und weil Gummo und Kids, die beide von ihm sind, meine Lieblingsfilme sind, bedeutete mir das sehr viel. Ich nahm es immer wieder in die Hand, einfach so zur Inspiration. Als zwischen uns noch alles in Ordnung war, lieh ich es meiner jetzigen Ex-Freundin. Ich habe das Buch nicht mehr wiedergesehen. Und das, obwohl ich schon sehr oft danach gefragt habe. Ich bin deswegen richtig sauer. Was aber komisch ist: Ich habe mir das Buch nie neu gekauft, obwohl das kein Problem wäre.

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