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Menschen erzählen, wie sie Selbstbefriedigung entdeckt haben

"Ich ritt ich auf meinem Tennisschläger wie auf einem Pferd umher. Und zack, da war es, dieses neuartige, angenehme Gefühl."

von Wendy Syfret
18 Juli 2017, 10:48am

Alle Fotos: Ben Thomson und Ashley Goodall

Ich habe nun eine Woche damit zugebracht, mit verschiedenen Menschen über ihre ersten Masturbationsversuche zu sprechen. Dabei ist mir eine Sache aufgefallen: Heterosexuelle Männer können sich noch sehr gut daran erinnern. Die weiß-flüssige Eruption scheint sich bis in alle Ewigkeiten in ihrem Gehirn festgeklebt zu haben. Allgemein sind die frühen Ausflüge in die Welt der Handarbeit sowieso beliebte Bilder in Teenie-Komödien – Stichwort American Pie. Man(n) wird also ständig daran erinnert.

Bei Frauen ist das anders. Die meisten Frauen, die ich für diesen Artikel Interviewt habe, erzählten nicht von dem ersten Mal. Stattdessen blickten sie zurück auf einen verschwommenen Strudel von Reibereien mit Couchlehnen, Matratzen und übergroßen Plüschtieren. Mir geht es da nicht anders.

Man misst dem ersten Sex unglaublich viel Bedeutung zu. Und ja, dieser Moment ist auch wichtig für zukünftige sexuelle Abenteuer. Ich persönlich finde aber, dass auch die erste Selbstbefriedigung einen Großteil unserer Identitätsfindung ausmacht. Du musst keine andere Person zufriedenstellen und keine Erwartungen außer den eigenen erfüllen. Du liegst ganz alleine da – schwitzend und still – und überlegst, wie du das eben Geschehene nun einordnen sollst.

Wie andere Menschen ihr erstes Mal mit sich selbst erfahren haben, erzählen sie hier:


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Ned*, 24

Ich kann mich noch genau an meine erste Selbstbefriedigung erinnern. Ich war damals 13 und hatte an einem Samstagabend sturmfrei. Ich schaute Fernsehen und erwischte zufällig einen Film namens Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen. Die Story war mir völlig egal, für mich zählte nur die viele nackte Haut. Als der Hauptdarsteller seinen Schniedel auspackte, kroch ich zum Videorekorder, um das Ganze für zukünftige Gelegenheiten aufzunehmen. Leider war ich zu langsam und blieb mit einer Mischung aus Erregung und Frustration zurück.

Ich hatte nicht die Geduld, bis zur nächsten Nacktszene zu warten, und zappte mich für eine neue Wichsvorlage deshalb weiter durchs TV-Programm. Ich blieb bei einem Football-Spiel hängen. Nach fünf Minuten voller kräftiger Männer, die um einen Ball kämpfen, schlich ich mich auf die Toilette und legte los.

Meine Mutter ist Krankenschwester. Dementsprechend fiel die Sexualkunde bei mir sehr sachlich aus – und ich hatte keine Ahnung von Selbstbefriedigung. Durch die Schule wusste ich aber, dass weißes Zeug aus meinem Penis kommt, wenn ich ihn nur lange genug rubble. Nach gut viereinhalb "Stößen" war es soweit: Ich saute unser Badezimmer ein und wollte von da an nur noch genau das machen.

Martha, 31

Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich kam während einer Partie Tennis zum ersten Mal mit dem Thema Selbstbefriedigung in Kontakt. Um die Stimmung aufzulockern, ritt ich auf meinem Schläger wie auf einem Pferd umher. Und zack, da war es, dieses neuartige, angenehme Gefühl. Ich war damals um die 12, das ist ziemlich jung, oder? Auf jeden Fall hat mich diese mysteriöse Empfindung total fasziniert. Allerdings dachte ich anfangs, dass mein Tennisschläger etwas damit zu tun hätte. Aber dann habe ich mich zum Thema Masturbation informiert und ihn beiseite gelegt.

Jason, 26

Ich weiß nicht, ob man das Ganze wirklich als meine erste Selbstbefriedigung bezeichnen kann, aber ich bin dabei auf jeden Fall zum Orgasmus gekommen. Ich hatte herausgefunden, dass es sich gut anfühlt, wenn ich meinen erigierten Penis gegen meinen Oberschenkel presse. Und ich wusste, wo mein Vater ein paar schlüpfrige Magazine versteckte. Eines Tages war ich alleine zu Hause, blätterte durch eines der besagten Hefte und klemmte meinen Ständer zwischen meine Oberschenkel. Plötzlich wurde das angenehme Gefühl etwas zu angenehm und ich ejakulierte in meine Shorts. Das Zeug tropfte unten raus auf den Boden. Dabei hatte ich mich nicht mal berührt.

Schnell machte ich alles sauber und warf meine Klamotten in die Waschmaschine. Kaum war ich fertig, kam meine Familie nach Hause. Ich mochte das Gefühl und überlegte lange, wie ich die ganze Prozedur noch besser machen könnte. Und so begann mein Weg in die Pubertät.

Isobel, 27

Ehrlich gesagt, erinnere ich mich nicht mehr an mein erstes Mal. Ich schätze, ich muss um die 14 gewesen sein, als ich mit der Selbstbefriedigung anfing. Besser spät als nie. Während der Pubertät war ich aber auch eher romantisch veranlagt. Ich stellte mir zum Beispiel immer vor, wie ich mich in Leute verliebte und sie küsste, anstatt an irgendetwas Versautes zu denken. Masturbation hat mir gar nicht so viel Spaß gemacht. Das Ganze kam mir immer nur wie ein Mittel zum Zweck vor – bis ich mir meinen Knöchel brach und von meiner besten Freundin einen Vibrator zum Zeitvertreib geschenkt bekam. Das war für mich der "Jetzt hab ich's geschnallt"-Moment. Ein Hoch auf Vibratoren!

Gian, 31

Ich habe zum ersten Mal mit 11 oder 12 masturbiert. Meine Schulkameraden redeten zwar die ganze Zeit darüber, aber nur recht vage. Dazu reichten sie Pornohefte herum, die mich total langweilten. Ich stand mehr darauf, meine Fantasie spielen zu lassen. Eines Abends fing ich einfach an, mein Bett zu "bumsen" und mir einen runterzuholen. Dabei dachte ich an meine Lehrer und andere Menschen, auf die ich stand. Es fühlte sich richtig angenehm an. Beim Orgasmus stellte ich mir dann meinen Handarbeitslehrer vor und ich weiß noch, wie ich danach brüllte: "Jetzt bin ich ein Mann!" Ich glaube, dass ich beim Anblick meiner ersten Schamhaare das Gleiche sagte.

Tony, 30

Ich war 14 und wusste zwar, dass es Selbstbefriedigung gibt, bekam das Ganze aber nie richtig hin. Der Durchbruch kam schließlich bei einem Kumpel, als wir auf die Pornohefte seines Vaters stießen. Aus irgendeinem Grund schien der auf Frauen mit photogeshoppten Penissen zu stehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das keine Trans-Frauen waren, denn die Schwänze hatten alle diesen 90er-Pixel-Look. Wie dem auch sei, wir blätterten uns durch die Magazine und in meiner Hose regte sich was. Schließlich dachte ich mir: "Mann, ich muss das jetzt endlich hinkriegen!"

Also verzog ich mich auf die Toilette und fing an, mir einen zu rubbeln. Anfangs war ich noch gelangweilt, aber ich gab nicht auf und nach einigen Minuten geriet ich immer mehr in Fahrt. Schließlich ejakulierte ich über den ganzen Badezimmerboden. Ich weiß noch genau, was mir dabei durch den Kopf ging: "Wow, das darf ich nie wieder machen." Dieser Vorsatz hielt aber nur knapp fünf Stunden und von da an war Selbstbefriedigung ein beständiger Teil meines Lebens.

*Name geändert

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