zukunft

Stirbt der Kassierer-Job wirklich aus?

Wir haben mit einem Supermarkt-Designer darüber gesprochen.
28.2.18
Fotos: Coop | Grafik: Freepik

Dieser Artikel stammt aus unserer Redaktion in Zürich.

Der Tag war lang, der Magen knurrt und wenn man sich schon uninspiriert durch die Regale im Supermarkt quält, will man wenigstens an der Kasse seine Ruhe. Self-Scan-Kassen siehst du mittlerweile in fast jedem Supermarkt. Stets in der Nähe, aber wohl selten motiviert: Eine gelangweilt wirkende Kassiererin, die statt Geld nur noch die liegen gelassenen Kassenzettel und Einkaufskörbe einsammelt. Das Beratungsunternehmen Deloitte schreibt in einer Studie vom November 2017, "dass die Schweizer beim Einkauf ihre Produkte gerne selbst scannen und am Automaten bezahlen. Über zwei Drittel nutzen dies, über ein Fünftel sogar bei jedem Einkauf". Klar, dass bei solchen Zahlen die Alarmglocken klingeln: Bedeutet dieser Technologie-Trend das Aus für den Kassierer-Job? Werden künftig Stellen abgebaut und der Arbeitsmarkt von ehemaligen Kassierern geflutet? Geht die Welt wegen der Technologie zu Grunde?

Anzeige

Ganz so dramatisch ist es nicht, meint Luca Viglianti. Er ist Art Director bei Interstore, einer Firma, die sich auf Shopdesign spezialisiert hat. Zu seinen Kunden zählen Schweizer Supermärkte wie Coop, Migros, aber auch deutsche Läden wie etwa Rewe. MUNCHIES hat mit ihm über den veralteten Beruf des Supermarkt-Kassierers gesprochen:

MUNCHIES: Ist der Beruf des Supermarkt-Kassierers vom Aussterben bedroht?
Luca Viglianti: Angst um Arbeitsplätze muss man nicht haben. Wenn man technologische Neuerungen wie Self-Scan-Kassen oder ein Cashless-System einführt, braucht man automatisch auch mehr IT und im Hintergrund müssen verstärkt Waren bearbeitet und vorbereitet werden. Auch der Job des klassischen Kassierers wird sich stark verändern. Aber so geht es ja allen Jobs, die sich der Zeit anpassen müssen.

Welche Veränderungen stehen da bevor?
Statt dem klassischen Kassierer-Job wünsche ich mir einen Supermarkt-Concierge. Jemand der die Beziehung zum Kunden pflegen, bei der Kasse helfen oder meine Einkäufe für mich gekühlt lagern kann, wenn ich sie erst später abholen will.

Ist ein Supermarkt-Concierge nicht ein wenig zu edel für den täglichen Einkauf?
Meiner Meinung nach braucht es auch im Supermarkt diesen Service-Charakter einer Hotel-Rezeption. Eine Kassiererin würde dir heute niemals ein Taxi rufen, wenn deine Einkäufe zu schwer sind. Ich will, dass sich das ändert und ich bin derzeit auch dran, dieses Concierge-Konzept bei einem Schweizer Projekt unterzubringen.

Anzeige

Luca Viglianti war auch für eine neue Globus-Filiale zuständig | Fotos: Interstore

Könnte man all diese Aufgaben nicht auch einen Computer machen lassen?
Kannst du dir vorstellen, ein gutes Stück Fleisch über einen Automaten zu kaufen? Ich nicht. Es braucht die menschliche Komponente. Klar gibt es bei diesem Modell auch die automatischen Self-Scan-Kassen, die wir heute schon gewohnt sind. Da kann man ohne menschlichen Kontakt durchmarschieren und der Einkauf ist erledigt. Aber wenn ich Fragen zu einem Produkt habe, was mit meiner Vorteilskarte regeln will oder Inspiration zum Kochen brauche, muss ich mich momentan noch an verschiedene Stellen innerhalb des Supermarktes oder an dessen Website wenden. Beim Supermarkt-Concierge wäre das ganze Know-How an einem Ort. Mit dieser Person kann man auch mal einen Schwatz abhalten oder scherzen und das macht das Einkaufserlebnis sofort charmanter, persönlicher und auch irgendwie entspannter.

Beinhaltet das nicht enorme Schulungskosten für die Supermarkt-Kette?
Klar, aber am Ende sind Kassierer genauso Verkäufer wie beispielsweise solche in einem Schuhladen. Nur wird dort auch vorausgesetzt, dass der Verkäufer weiss aus welchem Material der Schuh ist, welche Grössen auf Lager sind oder welches Modell besser zu mir passt. Das sollte man auch von Verkäufern im Supermarkt erwarten können. Die Mitarbeiter müssen darauf geschult sein, mir andere Produkte empfehlen zu können, sollte das gewünschte mal nicht auf Lager sein. Ein Dorfmetzger kann mir ja auch sagen, was ich sonst noch kochen könnte, wenn das von mir bestellte Rindsfilet schon ausverkauft ist. In normalen Supermärkten weiss meistens keiner Bescheid.

Was braucht ein idealer Supermarkt sonst noch?
Einkaufen ist für alle eine lästige Aufgabe, da sollte man das Ganze so angenehm wie möglich gestalten. Für mich ist vor allem wichtig, dass ich mit dem Supermarkt eine Beziehung aufbauen kann. Ich will verweilen können, ohne mich gestresst zu fühlen. Ich will einen Vorteil daraus ziehen können, dass ich jetzt meine Zeit in diesem Laden verbringe. Ich stelle mir auch vor, dass mir der Koch in der Restaurantecke des Marktes Fleisch verkaufen könnte, das im Tagesgericht drin ist. Entweder zum daheim Nachkochen oder mit neuen Inputs, wie ich dieses Fleisch auch auf andere Art zubereiten kann. So einen Aspekt wünsch ich mir zum Beispiel sehr.

Folge MUNCHIES auf Facebook und Instagram.