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Acht Einstellungen beim Chrome-Browser, die ihr jetzt ändern solltet

Durch fiese Voreinstellungen erfährt Chrome mehr über euch, als euch lieb sein dürfte. Mit dieser Drei-Minuten-Anleitung schützt ihr euch vor Tracking und Googles Neugier.

von Sebastian Meineck
11 Juni 2018, 5:00am

Bild: Imago | Thomas Trutschel | phototek.net

Chrome ist der wichtigste Browser der Welt, mehr als die Hälfte aller Websites werden über Chrome aufgerufen, sowohl am Smartphone als auch am PC. Wahrscheinlich lest auch ihr diesen Artikel gerade mit Chrome – oder habt das Programm von Google auf euren Geräten installiert. Wenn das so ist, werdet ihr wohl gerade mehr getrackt als euch lieb ist.

Denn der Browser ist ziemlich neugierig und speichert viele eurer Daten, jedenfalls wenn ihr nichts dagegen unternehmt und nicht an den Standardeinstellungen schraubt. Außerdem habt ihr dem Programm vielleicht beim ersten Öffnen weitere Tracking-Funktionen erlaubt, falls ihr einfach nur sofort ins Internet wolltet und euch schnell durch die Einrichtungsfenster geklickt habt. Google, einer der größten Konzerne und Datensammler der Welt, erfährt dadurch noch mehr über euch.

Hand aufs Herz: Ist eure Browser-Chronik ganz sicher leer – oder geht daraus hervor, welche Website ihr euch jeden Tag vorm Schlafen einmal anschaut? Könnt ihr sicher verneinen, dass der Browser eure Postadresse und eure Passwörter kennt?

Die gute Nachricht: Wenn man weiß, wie es geht, lässt sich Chrome in weniger als drei Minuten zu einem möglichst datensparsamen Browser machen. Hier sind acht Handgriffe, um die Google-Software auf Datenschutz zu trimmen und euch von unerwünschtem Tracking zu befreien.

1. Abmelden: Chrome will eure Daten an Google schicken

Das Design legt ganz deutlich nahe, dass Nutzer auf "Anmelden" drücken sollen | Bild: Screenshot | Chrome

Wer einen frisch installierten Chrome-Browser öffnet, soll sich dort mit einem Google-Account anmelden. Das entsprechende Login-Fenster lässt sich zwar überspringen, der Button dafür ist aber unauffällig gestaltet, sodass man ihn leicht übersieht. Dabei ist diese Anmeldung gar nicht nötig, um den Browser zu benutzen.

Sie ist nur nötig, wenn ihr möchtet, dass Chrome so ziemlich alles trackt, was ihr im Internet tut, diese Daten auf Google-Servern speichert und mit allen sonstigen Geräte synchronisiert, auf denen ihr den Chrome-Login benutzt. Chrome-Hersteller Google betont, dass diese Funktion praktisch ist und erklärt auf einer Hilfeseite, Nutzer können dadurch "Lesezeichen, Verlauf, Passwörter und andere Einstellungen auf all ihren Geräten abrufen".

Vielleicht möchtet ihr auf diese Funktion lieber verzichten und möglichst wenig Daten an Google schicken. Dann solltet ihr prüfen, ob ihr euch bewusst oder unbewusst einmal bei Chrome angemeldet habt.

    • Windows/MacOS: Drei-Punkte-Symbol > Einstellungen > Abmelden
    • Android/iOS: Drei-Punkte-Symbol > Einstellungen > Abmelden
    • iOS-Nutzer können zusätzlich Einstellungen > Datenschutz > Handoff abschalten. Mit dieser Funktion möchte der Browser die Daten zwischen eurer Chrome-App auf dem iPhone und eurer Chrome-App auf dem Mac synchronisieren.

2. Absturzberichte: Chrome telefoniert nachhause

Diesen Haken müssen Nutzer beim ersten Öffnen von Chrome selbstständig entfernen, wenn sie weniger getrackt werden wollen | Bild: Screenshot | Chrome

Es gibt noch eine weitere Tracking-Funktion, die ihr gleich beim ersten Start des Browsers abnicken sollt: Chrome möchte automatisch im Hintergrund Statistiken und Berichte an Google schicken. Das Häkchen dafür ist momentan bereits gesetzt, wenn Nutzer den Browser erstmalig öffnen oder den Download der Desktopversion aus dem Netz bestätigen, wie unser Windows-Test gezeigt hat. Wenn euch Datenschutz wichtig ist, müsst ihr an dieser Stelle aktiv widersprechen und solltet nicht einfach weiter klicken.

Konkret geht es um "Nutzungsstatistiken und Absturzberichte". Vor allem die Absturzberichte sind ein Problem. Denn sie enthalten "unter Umständen auch URLs von Webseiten oder personenbezogene Daten, je nachdem, was zum Zeitpunkt passierte, als der Absturzbericht ausgelöst wurde", wie Google auf einer Hilfeseite erklärt. Wenn euer Browser also abstürzt, während ihr zum Beispiel gerade einen Film auf einer dubiosen Webseite streamt, könnte Chrome in einem Absturzbericht genau diese Information an Google weitergeben – und ihr könnt nichts dagegen tun.

    • Windows/MacOS: Drei-Punkte-Symbol > Einstellungen > Erweitert > Nutzungsstatistiken und Absturzberichte automatisch an Google senden (abschalten)
    • Android: Drei-Punkte-Symbol > Einstellungen > Datenschutz > Nutzungs- und Absturzberichte (abschalten)
    • iOS: Drei-Punkte-Symbol > Einstellungen > Datenschutz > Nutzungsdaten senden (abschalten)
    • Windows-Nutzer können zusätzlich unter Einstellungen > Erweitert > Computer bereinigen die Funktion "Details an Google senden" abschalten. Chrome scannt nämlich automatisch Windows-Prozesse auf mögliche Browser-Malware, kann Google aber auch unter anderem mitteilen, welche Software allgemein auf eurem PC aktiv ist.

3. Vorhersagefunktion: Chrome öffnet Websites, die ihr gar nicht anklickt

Egal, wie viel ihr im Internet surft, Chrome surft noch mehr. Grund dafür ist die sogenannte "Vorhersagefunktion zum schnelleren Laden von Seiten". Dahinter steckt ein Trick, der Chrome schneller macht – und unberechenbar. Auf einer Hilfeseite erklärt Google das so: "Wenn Sie eine Webseite besuchen, kann Chrome die IP-Adressen aller Links auf der Seite suchen und Links laden, auf die Sie vermutlich als Nächstes klicken werden".

Konkret heißt das, ihr schaut euch zum Beispiel gerade ein Video an, und währenddessen klickt Chrome schon mal vorsorglich ein paar weitere Links an, die sich noch so auf der Website tummeln. Das Problem daran: Ihr könntet euch dabei sogar Cookies von fremden Seiten einfangen, die ihr niemals aufgerufen habt, wie Google selbst auf einer Hilfeseite warnt.

    • Windows/MacOS: Einstellungen > Erweitert > Vorhersagefunktion zum schnelleren Laden von Seiten (abschalten)
    • Android: Einstellungen > Datenschutz > Vervollständigungen für Seiten verwenden (abschalten)
    • iOS: Einstellungen > Bandbreite > Websiten vorabladen (abschalten)

4. Navigationsfehler: Wenn Chrome weitersagt, welche Websites ihr ansteuert

Sechs Funktionen von Chrome, auf die man verzichten kann – vier davon waren bei unserem Test ab Werk aktiv | Bild: Screenshot | Chrome

Praktischerweise ist die Adresszeile des Chrome-Browsers zugleich eine Google-Suchleiste. Das heißt aber auch: Selbst wenn ihr einfach nur direkt eine Website öffnen möchtet, schaut euch Google dabei über die Schulter.

Tippt ihr zum Beispiel gerade die URL eurer Lieblingsporno-Seite ein, schickt Chrome die angefangene URL automatisch als unvollständige Suchanfrage an Google weiter, um euch Vorschläge zur Vervollständigung zu liefern. Auch wenn ihr euch vertippt oder die gewünschte Website nicht verfügbar ist, gibt Chrome Google Bescheid, um ähnliche Seiten zu empfehlen. Beides könnt ihr auf Wunsch abschalten.

    • Windows/MacOS: Einstellungen > Erweitert > Navigationsfehler mithilfe eines Webdienstes beheben (abschalten). Direkt darunter > Vervollständigung von Suchanfragen und URLs bei der Eingabe in die Adressleiste verwenden (abschalten).
    • Android: Einstellungen > Datenschutz > Vorschläge bei Navigationsfehlern (abschalten). Direkt darunter > Vorschläge für Suchbegriffe und für Websites (abschalten)
    • iOS: Einstellungen > Datenschutz > Vorschläge für Suche & Websites (abschalten)

5. Chrome hortet eure Cookies – so stellt ihr das ab

Ganz ohne Cookies geht nicht, aber wenn ihr Tracking minimieren möchtet, solltet ihr diese zwei Buttons in den Einstellungen aktivieren | Bild: Screenshot | Chrome

Cookies sind so etwas wie Notizzettel, die Websites beim Besuch automatisch auf eurem Gerät speichern, um sich Dinge über euch zu merken. Sie sind notwendig, damit ihr euch beim Online-Shoppen zum Beispiel nicht ständig neu einloggen müsst. Ohne Cookies würde ein Online-Shop auch ständig vergessen, was ihr gerade in den Einkaufskorb gelegt habt. Deshalb kann man im Alltag eigentlich nicht auf Cookies verzichten.

Cookies können euch aber auch über Wochen und Monate hinweg überwachen. Wenn ein Anbieter zum Beispiel auf einer Seite Werbung schaltet, kann er einen sogenannten Drittanbieter-Cookie auf euer Gerät legen, der euch bei jedem Besuch wiedererkennt.

Deshalb lohnt es sich, nur Cookies zu akzeptieren, die ihr wirklich braucht und alle Cookies zu löschen, sobald ihr den Browser schließt. Zum Glück kann der Chrome-Browser genau das – tut es aber leider nur, wenn ihr das selbst einstellt.

    • Windows/MacOS: Einstellungen > Erweitert > Inhaltseinstellungen > Cookies > Lokale Daten nach Schließen des Browsers löschen (einschalten). Sowie > Drittanbieter-Cookies blockieren (einschalten)
    • Android: Einstellungen > Website-Einstellungen > Cookies > Cookies Dritter zulassen (abschalten)
    • iOS: Eine entsprechende Funktion gibt es hier offenbar nicht, Cookies müssen manuell gelöscht werden (siehe Schritt Nummer 8).

6. Wichtige Passwörter? Chrome merkt sie sich gerne

So schnell geht's: Wenn ihr nach einem Login beherzt auf "Speichern" drückt, vertraut ihr Chrome euer Passwort dauerhaft an | Bild: Screenshot | Chrome

Zugegeben, es ist schon enorm angenehm, wenn man sich nicht immer wieder neu bei Facebook, Netflix, Amazon und so weiter einloggen muss, vor allem am eigenen Laptop. Chrome macht es Nutzern ziemlich einfach, ihre Passwörter im Browser abzulegen. Das ist praktisch, kann aber auch ein Sicherheitsrisiko sein, weil man leicht vergisst, die Passwörter aufzuräumen.

"Soll Chrome Ihr Passwort für diese Website speichern?", fragt ein automatisches Popup-Fenster, wenn ihr euch beispielsweise bei Facebook einloggt. Wenn ihr nun auf "Speichern" klickt, habt ihr den Browser zum Passwortmanager erkoren. Das solltet ihr wirklich nur auf eigenen Geräten tun, und nur, wenn keiner euren Browser jemals mitbenutzt.

Denn bei der Desktop-Version von Chrome kann jeder eure gespeicherten Passwörter im Klartext einsehen, sofern er Zugriff auf das Gerät hat und das Passwort des verwendeten Windows- oder MacOS-Accounts kennt. Vor allem in Schulen, Bibliotheken und Großraumbüros kann das zum Problem werden.

Wisst ihr, wie viele Passwörter ihr Chrome schon anvertraut habt? Hier könnt ihr das checken | Bild: Screenshot | Chrome

Angreifer, die Zugriff auf euer Gerät haben, könnten außerdem die in Chrome gespeicherten Passwörter einfach klauen und ihrem eigenen Chrome-Account hinzufügen. Dazu müssen sie nur euren Browser öffnen, sich kurz mit einem eigenen Chrome-Account einloggen, die automatische Synchronisierung starten und sich schnell wieder ausloggen. Schon hat Chrome eure Passwörter verraten. Checkt also euer Einstellungsmenü, werft alte und sehr sensible Passwörter raus – oder untersagt das Speichern gleich komplett.

    • Windows/MacOS: Einstellungen > Erweitert > Passwörter verwalten
    • Android/iOS: Einstellungen > Passwörter

7. AutoFill: Chrome will wissen, wo ihr wohnt

Bei der AutoFill-Funktion von Chrome ist es ähnlich wie mit den Passwörtern: Verwendet das nur, wenn euer Chrome-Browser wirklich nicht in fremde Hände geraten kann. Wenn ihr zum Beispiel ein Paket bestellt und eure Adresse eintippt, bietet Chrome an, sich genau das zu merken. Bei einer nächsten Bestellung kann der Browser die Adresse dann selbstständig ausfüllen.

Gespeichert werden die Daten im Klartext in den "AutoFill-Einstellungen". Auch eure Kreditkartennummer könnt ihr dort speichern. Natürlich lassen sich hinterlegte Daten in diesem Menü auch löschen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gering, dass die Mehrheit der Nutzer das wirklich regelmäßig überprüft. Wenn ihr nicht wollt, dass Chrome eure Adressdaten speichern kann, könnt ihr das abschalten und bereits hinterlegte Daten löschen.

    • Windows/MacOS: Einstellungen > Erweitert > AutoFill-Einstellungen > Formulare automatisch ausfüllen (abschalten)
    • Android: Einstellungen > AutoFill und Zahlungen > Formulare automatisch ausfüllen (abschalten)
    • iOS: Einstellungen > AutoFill-Formulare > AutoFill-Formulare (abschalten)

8. Browser-Verlauf: Chrome weiß, was du letzten Sommer gestreamt hast

Uups: Über Tausend Einträge im Browserverlauf, Cookies von 584 Websites, rund 400 Megabyte Daten im Cache – höchste Zeit, mal wieder auf "Daten löschen" zu klicken | Bild: Screenshot | Chrome

Der letzte Handgriff auf dem Weg zum datensparsamen Chrome-Browser ist etwas knifflig: Ihr müsst ihn nämlich regelmäßig wiederholen. Chrome speichert automatisch euren Verlauf, also jede Website, die ihr ansteuert, jeden Link, den ihr klickt. Wenn jemand euer Gerät in die Finger bekommt, kann er unter "Verlauf" bequem eure Surfgewohnheiten betrachten, inklusive aller Seitenaufrufe, die euch vielleicht peinlich sind.

    • Windows/MacOS: Einstellungen > Erweitert > Browserdaten löschen > Erweitert > Gesamte Zeit > alle Kreuzchen setzen > Daten löschen.
    • Android: Drei-Punkte-Symbol > Verlauf > Browserdaten löschen > Erweitert > Gesamte Zeit > alle Kreuzchen setzen > Daten löschen.
    • iOS: Drei-Punkte-Symbol > Verlauf > Browserdaten löschen > alle Häkchen setzen > Browserdaten löschen.
Der Inkognito-Modus der Chrome-App lässt sich nur mit zwei zusätzlichen Klicks öffnen | Bild: Screenshot | Chrome

Leider lassen sich diese Daten nur manuell löschen, nicht automatisch. Das ist lästig und wird wohl dazu führen, dass die meisten Leute mit prall gefüllten Browser-Verläufen herumlaufen. Auch der Zwischenspeicher und die Cookie-Liste werden immer größer, wenn ihr nicht regelmäßig aufräumt.

Alternativ könnt ihr immer im sogenannten Inkognito-Modus arbeiten, dann wird Chrome diese Daten gar nicht erst sammeln. Leider gibt es derzeit keine Möglichkeit, den Browser automatisch im Inkognito-Modus zu starten. Ihr müsst zuerst auf das Drei-Punkte-Symbol klicken und ein "Neues Inkognito-Fenster" wählen.

Eine Alternative ist der Chrome-Konkurrent Firefox: Dort lassen sich Verlauf, Cookies und andere Browserdaten durchaus automatisch löschen, außerdem können Nutzer den Browser anweisen, überhaupt keine Chronik anzulegen.

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