Noisey News

Ihr könnt jetzt helfen, R. Kellys Deutschlandkonzerte zu verhindern

Was veranlasst einen Konzert-Veranstalter dazu, immer noch zu jemandem wie R. Kelly zu stehen? Eine Online-Petition stellt sich jetzt dagegen.

von Nina Damsch
22 Januar 2019, 10:57am

Foto: Screenshot von change.org

R. Kelly wird trotz der schweren Vorwürfe wegen sexuellem und emotionalem Missbrauch, sowie Körperverletzung und Freiheitsberaubung weiterhin fleißig für Konzerte gebucht – in Deutschland. Bereits Anfang Januar berichteten wir von den letzten beiden R.-Kelly-Konzerten in Hamburg und Ludwigsburg, die der Sänger in der näheren Zukunft (und hoffentlich auch der ferneren) geben wird. Bereits damals fragten wir einen der Veranstalter: warum? Die Antwort: Man trenne eben zwischen Privatperson und Künstler.

Eine Petition des DJ- und Veranstaltungsduos Hoe__Mies und der Moderatorin Salwa Houmsi fragt jetzt nicht nur nach, sondern fordert eindringlich, R. Kellys Konzerte in Deutschland zu canceln: "#RKELLYSTUMMSCHALTEN - Sexualverbrechern keine Bühne geben."

"Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der R'n'B Sänger R. Kelly im April zwei Konzerte in Deutschland geben soll", beginnt der Erklärtext der Petition. "Das ist ein Skandal, denn R. Kelly werden von diversen Seiten Pädophilie, sexueller, körperlicher und emotionaler Missbrauch vorgeworfen. Wir wollen, dass seine Konzerte in Hamburg und Ludwigsburg verhindert werden."

R. Kelly steht in den USA in enormer Kritik

Seit Ausstrahlung der sechsteiligen Dokuserie Surviving R. Kelly steht der Sänger erneut (wie schon mehrmals in der Vergangenheit) in enormer Kritik. Zahlreiche Opfer R. Kellys, darunter auch seine Exfrau, berichten in der Serie eindrücklich von massivem sexuellem und emotionalem Missbrauch, Körperverletzung und Freiheitsberaubung, den sie und andere unter R. Kelly über Jahre hinweg erduldet haben sollen.

"Auch wenn eine Verurteilung vor Gericht wiederholt umgangen werden konnte, sind diese Vorwürfe sowohl durch Augenzeugenberichte Geschädigter und ehemaliger Mitarbeiter, als auch durch Gerichtsunterlagen und Videoaufnahmen belegbar", heißt es in der Petition, bevor gefragt wird: "Wie kann es also sein, dass ein solcher Mensch in Deutschland immer noch auftreten kann, als sei all das nicht passiert?"

Eine berechtigte Frage. Zahlreiche Radiosender auf der ganzen Welt haben R. Kelly’s Musik bereits verbannt und auch Musikerinnen wie Lady Gaga und Chance the Rapper ließen ihre gemeinsamen Songs mit Kelly von allen Streaming-Plattformen entfernen. Und wenn sogar das eigene Label den Künstler fallen lässt – was Sony unlängst verkündet hat –, was veranlasst einen Konzertveranstalter dann dazu, trotzdem zu einem Künstler wie R. Kelly zu stehen? Die Antwort, die keiner offiziell geben möchte, ist vermutlich wie immer: Geld.

Die offizielle Antwort in unserem damaligen Interview mit einem der Veranstalter des Ludwigsburg-Konzertes lautete hingegen: "Zu den Vorwürfen gegen die Privatperson R. Kelly möchten wir keine Position einnehmen. Wir sind Veranstalter von Beruf und buchen den Künstler aufgrund seiner nicht bestreitbaren musikalischen Karriere und Leistung. R. Kelly hat weltweit zahlreiche Fans, die den Künstler und seine Musik gerne live erleben möchten."

Was bringt so eine Petition?

Ob Moral am Ende freiwillig über Geld siegen kann oder nicht bleibt offen. Aber kann man sie dazu zwingen? Konkret gefragt: Was genau bringt so eine Petition eigentlich?

Tatsächlich sind Petitionen seit dem 18. Jahrhundert – damals wurden sie noch schriftlich auf dem Marktplatz eingesammelt – juristisch geregelt. Was mehr als 50.000 Unterschriften bekommt, muss vom Petitionsausschuss des Bundestages bearbeitet werden. Dies gilt aber für offizielle Staatsangelegenheiten. Bei Petitionen auf freien Plattformen wie change.org oder OpenPetition ist der Adressat im Gegensatz zur Bundestags-Petition nicht dazu verpflichtet, zu antworten.

Das heißt aber nicht, dass die aktuelle Petition nichts bewirken kann. Im besten Fall sind Online-Petitionen eine Bereicherung für den öffentlichen Diskurs, weil sie Themen jenseits politischer oder medialer Agenda in den Fokus rücken und öffentlichen Druck ausüben können – auch wenn der Adressat weiterhin hübsch seine Äuglein verschließen und sich aus der Verantwortung ziehen möchte. In den USA ist es für R. Kelly aufgrund der zahlreichen Proteste und der aktuell wieder aufgenommenen polizeilichen Ermittlungen beispielsweise unmöglich, Shows zu spielen.

Bis zum Beweis der Schuld gilt natürlich nach wie vor die Unschuldsvermutung. Ob man R. Kelly trotzdem während dieser Zeit aktiv pusht, sollte eigentlich nur eine rhetorische Frage sein.

**

Mehr zum Thema:

Folgt Noisey Deutschland auf Facebook, Instagram und Snapchat.

Folgt Noisey Austria auf Facebook, Instagram und Twitter.

Folgt Noisey Schweiz auf Facebook, Instagram und Spotify.