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Video: Schwindelerregende Kamerafahrt in die Tiefen eines antarktischen Bohrlochs

Klimaforscher haben eine Kamera durch einen dünnen Tunnel im Ross-Eisschelf in der Antarktis geschickt, um zu erforschen, wie sich wärmeres Wasser auf die Substanz des Eisgiganten auswirkt.

von Becky Ferreira
31 Januar 2018, 11:29am

Bild: Craig Stevens | CC BY-ND

Mit einer Größe von Frankreich ist das Ross-Schelfeis die größte schwimmende Eisplatte in der Antarktis. Was sich jedoch unter der gewaltigen Eisdecke verbirgt, ist so gut wie unbekannt. Bis jetzt. Das Ross Ice Shelf Program, ein Zusammenschluss verschiedener neuseeländischer Universitäten und Forschungseinrichtungen, schmolz ein 300 Meter tiefes Bohrloch in die Platte – und hielt die Entdeckung in einem Video fest.

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Die Videoaufnahmen der Forscher gewähren beeindruckende Einblicke: Die schwindelerregende Kamerafahrt führt durch die 25 Zentimeter breite Öffnung durch den eisigen Schlund des Bohrloches – bis die Kamera schließlich ins Polarmeer klatscht.

Der Grund für das Experiment: Der Klimawandel, der sich deutlich am stetigen Rückgang der Polkappen zeigt. Bereits seit Jahrzehnten dokumentieren Forscher diese besorgniserregende Entwicklung mit Hilfe von Satellitenbildern. Den Klimaforschern des Ross Ice Shelf Programs war das jedoch nicht genug. Sie wählten den direkten Ansatz mit dem Bohrer, um herauszufinden, wie die unteren Schichten des Schelfeises auf das sich erwärmende Meerwasser reagieren.

Erste Ergebnisse ihrer Studie haben die Forscher im Fachmagazin The Conversation veröffentlicht. Dort schreiben sie, dass ihre neuen Messungen "auf eine Meereserwärmung hinweisen, die mit Messwerten aus den 1970er Jahren vergleichbar sind, vor allem in tieferen Schichten."

Bisher sei völlig unbekannt, wie sich das wärmere Wasser unter dem Ross-Schelfeis aus dessen "Langlebigkeit" auswirken wird, meinen die Forscher. Denn obwohl es die massivste und stabilste Eisplattte in der Antarktis ist, wurden in den letzten Jahren ungewöhnlich hohe Schmelzraten beobachtet. Da Schelfeise eine natürliche Barriere für Eisschichten am Festland bilden, ist ihre Stabilität sehr wichtig: Lösen sie sich, wie es 2017 beim Larsen-C-Schelfeis der Fall war, kann das Schmelzwasser von Inlandsgletschern schneller ins Meer fließen. Als Folge könnten die Meeresspiegel weiter steigen.

Wenige Tage bevor die Forscher ihren Artikel veröffentlichten, behauptete US-Präsident Donald Trump in einem Interview, den Polkappen ginge es besser als je zuvor. Tatsächlich ist jedoch genau das Gegenteil der Fall. Daher versuchen Klimaforscher aus der ganzen Welt fieberhaft, das Schmelzen der Polkappen und die Auswirkungen auf die Umwelt zu analysieren. Die Tauchfahrt in das Innerste des Ross-Schelfeises ist dabei der jüngste – und wahrscheinlich eindrücklichste – Versuch, die Veränderungen zu verstehen und künftige Risiken besser abschätzen zu können.