Geldautomaten-Knacker lernten den Umgang mit Sprengstoff von der 'Sendung mit der Maus'

Und am Ende wunderten sich die Räuber, wie sehr es knallt.

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12 September 2016, 9:16am

Foto: imago | Ralph Peters

Jeder hat wahrscheinlich schon mal eine Cola-Mentos-Bombe nach YouTube-Tutorial gebaut; und fast jeder hat wohl schon mal davon geträumt, eine der Nicht Nachmachen-Aktionen aus einer ZDF-Wissenschaftssendung nachzumachen, bei der gefühlt immer was in die Luft fliegt. Noch viel harmlosere Videos als jene Explosionsanleitungen sollen tatsächlich Bankautomatenknackern bei gar nicht so harmlosen Verbrechen geholfen haben. Ihr Tutorial bestand aus Filmen aus derSendung mit der Maus.

Die Spreng-Serie am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen ging von März bis Dezember 2015. Am Landgericht Kleve schilderten zwei der Angeklagten, wie es in den meisten Fällen abgelaufen sein soll: Einer bohrte das Loch in den Ausgabeautomaten, in den sie dann ein Gas-Sauerstoff-Gemisch eingefüllt hätten. Drei der fünf Männer hat das Gericht schon zu teilweise langjährigen Haftstrafen verurteilt. Sechs Automaten jagten sie in die Luft, fünf Mal scheiterte die Sprengung, einmal bleib es bei der Planung und Verabredung.

Sie hätten sich das Sprengen durch Video-Tutorials beizubringen versucht, sagte einer der Angeklagten: "Und durch die Sendung mit der Maus."

Dass eine Gas-Explosion gefährlich ist, muss nicht erst die Maus erklären. Immer wieder sterben Täter beim Versuch, Automaten zu knacken; wie der 16-Jährige, der einen Zigarettenautomat mit Deo-Gas öffnen wollte. Bei der Sprengung von Geldautomaten liegt die Herausforderung darin, die Gase gut zu mischen und den Automaten so zu sprengen, dass die Geldkassetten freigelegt werden, ohne das Bargeld zu verbrennen. Die Maus hat auch eine sehr detaillierte, achtminütige Beschreibung des Inneren eines solchen Automaten parat. Ob der verantwortungsbewusst wirkende Mitarbeiter weiß, wem er da potentiell den Aufbau erklärt?

Screenshot: veoh.com | Die Maus—Geldautomat

Den Knackern von Kleve gelang es trotzdem nicht. In neun Monaten erbeutete die Bande keinen einzigen Cent. Eine richtige Panzerknacker-von-Entenhausen-Crew also. In mehreren Fällen gelang es ihnen noch nicht mal, eine Sprengung herbeizuführen. Wenn die aber funktionierte, dann richtig. "Wir hatten damit gerechnet, dass es knallt, aber nicht in dem Ausmaß", sagte ein 34-jähriger Angeklagter vor Gericht. Die Sprengung des Sparkassen-Automaten am Klever Einkaufszentrum EOC blieb dem Beschuldigten wegen der großen Explosion besonders in Erinnerung.